Night52 – 14.7.2012

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so jetzt hab ich ein echtes Luxusproblem, denn der Jochen hat mir einen Laufbericht als Gastautor in Aussicht gestellt 🙂 aber selber hätt ich doch auch eigentlich auch was zu erzählen… Zwei Berichte gehen auch, oder?

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Hier ist DEM JOCHEN SEIN BERICHT:

(auch alle nicht betitelten Fotos sind von Jochen, vielen Dank für Älles)

Manchmal ist es gut, dass ein Jahr – gefühlt – schnell vergeht. Was habe ich mich letztes Jahr gemopst, dass ich genau rechtzeitig zur Erstausgabe des „night52“ eine meiner drei Dutzend Muskelfasern gerissen habe. Eine Premiere zu verpassen, das kann und darf in meiner Welt eigentlich nicht sein. Zumindest dann nicht, wenn ich dabei sein WILL. Und Bretten, der Start- und Zielort des nächtlichen 52ers, das liegt ja gerade mal 30 Kilometer von unserem Wohnort entfernt. Zum Glück – das war dann mein Trostpflaster – habe ich eine laufende Frau. Und DIE war nicht verletzt, nein, eher sogar gut in Form und freute sich, dass sie dann radelnde Begleitung durch die Kraichgaunacht haben würde. Kurz und gut: Ich lernte die Strecke kennen, einmal bei einem privaten Trainingsgeradle und -gelaufe und zum zweiten dann beim Wettkampf.

Aber, wie gesagt, das war 2011. Neues Jahr, neues Glück, der night52 ging in Runde zwo und ich konnte dieses Mal mitlaufen, juchu! Besonders gut vorbereitet war ich ja nun nicht gerade, seit dem letzten längeren Wettkampf Anfang Juni gerade mal einen langen Lauf ‚runtergerissen, und das eher schlecht als recht.

Was soll’s, „wird schon gehen“, sagte ich mir und ein Frischling bin ich ja auch nimmer auf solchen Distanzen. Sicherheitshalber hatte ich mir so an die 25 Gels gegen drohende Hungerbäume eingesteckt und mir vor dem Lauf beim obligatorischen Briefing (das muss bei einem Lauf, der einen englischen Titel hat, wohl so heißen, naja, „Einweisung“ tät’s auch….) noch sagen lassen, dass ich heute wohl „sieggefährdet“ (Danke, Roland!) bin. Ah ja. Das wüsste ich aber.

Und dann ging’s auch schon los, großartig Zeit zu meditieren hatte ich nicht, es waren eh jede Menge Bekannte da und die Zeit bis zum Startschuß verging mal wieder mit dem Austausch vergangener Heldentaten oder wahlweise auch dem allseits beliebten Vorstarttiefstapeln.

Was dann folgte, habe ich in dieser Form auch nur ganz selten erlebt: Der Vorjahressieger, Jens Santruschek, schoß wie von der Tarantel gestochen los und hatte nach einem halben Kilometer ungefähr 200m Vorsprung auf uns…schnell mal kalkuliert, dass er (Siegerzeit 2011 war 4:11 h) damit locker und 3:30 h bleiben würde, beschloß ich spontan, dass ich da nicht mitgehen und lieber Fotos machen würde ;-)) und außerdem fällte ich das vernichtende Urteil über diesen mir im Grunde beinahe gänzlich unbekannten Kerl, dass er schlichtweg Harakiri betrieb. Naja, jeder richtet sich so gut zugrunde, wie er eben kann. Und, was soll ich sagen – nach 24 Kilometern ist er ausgestiegen. Tja, ich verkneife mir an dieser Stelle besser Schadenfreude und Genugtuung über meine Besserwisserei. Aber wer am Start über seine gerade ausgestande Erkältung doziert und dann SO losläuft, der darf sich nicht wundern.

Wir – Nicole, Armin R., Roland M. und ich – liefen dann meistens gemeinsam, hinaus aus Bretten, die erste giftige Steigung hoch (glaubt mir, mit dem Fahrrad sind die noch schlimmer!) und wieder runter und weiter zur ersten VP nach Sprantal. Hier war badisch beflaggt, also am beschda niggs schwätza ond weitersaua.

Freundliche Leutchen hier, staunende Kinder und eine sehr süße Katze säumten unseren Weg. Am Ortsausgang wartete die mir noch wohlbekannte Rampe hinauf gen Nussbaum, das wir auch bald erreichen sollten. Etliche Fotos und anschließende Aufholjagden folgten, Armin und Roland wurde es kurz nach VP 2 am Auenhof (sehr schönes Café übrigens, so a bissle Bio-Öko, aber total idyllisch, da sind wir bei unserem Trainingslauf eingekehrt) zu bunt und sie ergriffen die Flucht nach vorne. Von da an schlurften Nicole und ich also alleine durch den Kraichgau und über seine Hügel. Zunächst wurde es aber feucht von rechts, wir passierten die ebenfalls malerisch gelegenen Böllstrichseen, vermieden es, in Kleinvillars in die S-Bahn zu steigen und brachten lieber die Angler am Aalkistensee völlig aus ihrer Bierruhe (ehrlich, die hatten, glaube ich, mehr Alkoholika dabei als Würmer, es sah zumindest so aus) und ich erreichte hier meine höchste Fotografierfrequenz: Acht Mal aus der Hüfte geschossen, in der Hoffnung, dass wenigstens ein brauchbares Bild dabei sein würde.

Mittlerweile ging es mir immer noch gut, aber Nicole litt ein wenig, deshalb war sie auch an der VP 3 in Knittlingen nicht zu einem längeren Gespräch mit den Organisatoren des „KuSuH“, Angela und Wolfgang Höfle zu bewegen. Ich schon.

Schnell noch ein Gel von der Verpflegung gegrapscht (inzwischen hatte ich ernsthafte Schwierigkeiten, die noch in meinen Taschen zu verstauen) und Nicole hinterher. Nach 300 m rief mir so ein Witzbold in Ausbildung aus seinem Auto zu: „Hey – die Alte isch awwer schneller wie Du!“ Mal ganz abgesehen davon, dass mich so abschätzige Bemerkungen über Weibsvolk schon mal auf die Palme bringen können, war es schlichtweg unwahr. Wenige Höhenmeter später hatte ich meine bessere Hälfte nämlich wieder gestellt.

Der Weg über die Felder nach Hohenklingen ist zwar schön, aber gestaltete sich etwas zäh, Nicole mochte nimmer, klagte über Schwindel und der Buckel hinter Hohenklingen förderte auch nicht gerade unsere gute Laune. Hoch zum Derdinger Horn lief es dann wieder besser, es dunkelte schon um uns herum, aber die Stirnlampe blieb zunächst noch adrett ums Handgelenk drapiert.

Die nächste heimtückische Steigung Richtung Großvillars meisterten wir heftig schnaufend, bevor wir den begeisterten Empfang der Bewohner dieses Waldenserkaffs genießen konnten. Hockten die doch tatsächlich im Fackelschein da (neben einem Zigarettenautomat montiert, das Fackelfeuer, das war besonders apart und irgendwie auch sehr passend – „haste mal Feuer?“ bekam hier eine ganz neue Dimension). Kurz vor der VP in Großvillars verlief sich der 50 m vor uns herumturnende Läufer, und wir konnten ihn wieder auf den rechten Weg bringen.

Nach ’nem halben Becher Cola nahm ich wieder einmal die Verfolgung auf – da Nicole ungefähr acht Mal so schnell an der Verpflegung fertig ist wie ich, „durfte“ ich jedes Mal ein Intervalltraining für Anfänger absolvieren, um wieder zu ihr aufzulaufen. Zunehmend schwerer fiel mir das, und es dauerte dementsprechend immer länger. Nach Großvillars bestimmt zwei Kilometer. Zwischendurch passierte ich noch den „Irrläufer“ und holte Nicole dann ein, die mittlerweile zu dem „entlaufenen“ Armin aufgeschlossen hatte. Lange waren wir nicht zu dritt, Armin ging’s eher unterdurchschnittlich.

Am Reiterhof wurden wir mal wieder frenetisch gefeiert (man könnte meinen, hier wär‘ sonst das ganze Jahr nix los) und an der VP in Gölshausen gab’s das näxte Colawassergemisch. Kurz darauf dann – von Zuschauern, die sich einen Spaß draus machen, die Läufer anzufeuern – sogar Eiswürfel „zur Abkühlung“, gereicht im Laufschritt! Als ob die üppige Verpflegung nicht schon gereicht hätte…okay, von selbiger habe ich entgegen meiner Gewohnheit nicht in den handelsüblichen Mengen genascht, denn es wär ja ganz schön blöd gewesen, wenn ich futtere wie ein Scheunendrescher und Kati dann aufgrund akuten Unterzuckers weder Lauf noch Bericht vollenden kann. Also mal hier einen Bissen Hefezopf, dort ein Stückchen Waffel und Nicole hinterhergehetzt. Das passiert nicht oft, aber in und um Bretten war das so. Und das ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit (und wer anderes vrzählt, der lügt ;-)).

Der vorletzte Teilabschnitt von Gölshausen zur Neibsheimer Kapelle (das ist so in etwa von Kilometer 38 bis 45), der fiel mir dann richtig schwer. Es war mittlerweile dunkel, im Wald noch dunkler, sch…. dunkel war das in diesem Wald, und gefühlt ging das immer nur hochhochhoch. Dabei waren das, behauptete meine Uhr hinterher, gerade mal 90 Höhenmeter (von 780 insgesamt). Lächerlich. Im Grunde.

Mein Eindruck war, dass ich mich da nur so durch die Nacht und Nicole hinterher geschleppt habe. Wenigstens war ich dann an der Kapelle genauso schnell beim Cola-Wetttrinken wie sie und wir liefen gemeinsam wieder los, aber schon der erste gemeine Anstieg danach übte auf mich eine viel größere Bremswirkung aus als auf meine Ehefrau.

Mit einem Sicherheitsabstand von zwanzig Metern bin ich ihr dann gefolgt, und die Frage, weshalb sie so schnell läuft, wo sie doch eh gewinnt, die habe ich mir verkniffen. Meine Stimmung besserte sich etwas, als ich den nächsten Hügel wieder recht zivilisiert hoch kam und wir zusammen das Feuerwerk betrachten konnten, das irgendwo auf einem entfernten Hügel gerade abgebrannt wurde.

Ich selbst lieferte kein läuferisches Feuerwerk mehr ab, und gebrannt haben höchstens die Sohlen, erst recht bei der allerletzten Rampe am Weckerlesbrünnele. Die kenne ich zwar vom KuSuH, dadurch wird sie aber nicht flacher. Oben angekommen, gab Frau Gemahlin keine Ruh und gönnte mir keine Verschnaufpause. In gestrecktem Galopp ging’s hinunter nach Bretten, dort kam uns alsbald ein Radler entgegen, der traditionell die erste Frau in Empfang nimmt, das war letztes Jahr schon so.

Damals fand ich es toll, logisch, konnte ich doch auf dem Rad auch locker mithalten.

Dieses Jahr sah’s  halt so aus, dass vorne die Post und Nicole mit dem Radler abging und ich hinterherhechelte. Okay, Schnappatmung war’s noch nicht ganz, aber entschieden unentspannt.

Und dann sagte sie noch „ich lass‘ Dich vor“, oh, das war ja fast eine Kriegserklärung. Geschenkte Siege (war ja eh keiner) will ich schon gleich gar nicht, also husch, gemeinsam ins Stadion eingelaufen und mir bloß nichts anmerken lassen.

Okay, den Vorschlag eines Zielspurts habe ich dann doch ausgeschlagen weil ich das zu vorgerückter Stunde für groben Unfug hielt. Hätte ich mal auf die Uhr geschaut, dann hätte ich festgestellt, dass die eine Sekunde, die zu einer Zeit unter 4:25 h gefehlt hat, schon noch aus meinem geschundenen Körper hätte herausgepresst werden können.

Auch wurscht, wir waren im Ziel und es gab alkfreies Bier und alles war gut. Bisschen Gequatsche mit Roland, der schon seit fünf Minuten da war, und dann aber aufgrund der kühlen Temperaturen schnell zum Auto, was drüberziehen.

Duschen tat gut, ebenso die unzähligen Muffins und Getränke hinterher. So stelle ich mir Zielverpflegung vor, lecker und schmackhaft. Da kommt so manch namhafter Lauf nicht im Entferntesten mit.

Dass es nachher noch Sekt für die Damen gab (ich wollte nicht meinen Rausch in Bretten ausschlafen müssen und haben dankend verzichtet) und die Nudeln angeboten wurden wie saures Bier (obwohl sie sehr lecker gewesen sein müssen, Andreas hat mindestens zwei Portionen verdrückt), sei auch noch erwähnt.

A bissle zügiger hätte die Siegerehrung erfolgen können, die Damen (Kati und Annette) mussten doch a bissle arg lang zittern, bis es endlich soweit war und ich dann verwaggelte Fotos von ihnen und Nicole schießen durfte.

Zum Glück war der Heimweg dann so kurz wie die Nacht….aber nach dem letzten geradelten night52 muss ich sagen: Gelaufen isser auch sehr schön….und manchmal liegt das Gute so nah, da braucht man gar nicht in die Ferne zu schweifen.“

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und hier ist mein Bericht:

52 km durch die vielzitierten „sanften Hügel des Kraichgau“, Start um 19 Uhr, hinein in eine laue Sommernacht, Zieleinlauf unter begeistertem Applaus der tosenden Menschenmenge des Brettener Altstadtfests. Ein schöner Landschaftslauf ohne viel Brimborium, begrenzt auf 52 Teilnehmer. Ein Tipp von Annette, die hier letztes Jahr bei der Premiere schon gelaufen ist. Hannes und ich sind schnell entschlossen, das ist doch die perfekte Kulisse für einen gemeinsam Lauf in der Tradition des Albmarathons. Ambitionen? Fehlanzeige. Unterhaltungswert? Hoch. Genusslevel? Auch hoch. Anmeldung? Erfolgt.

900 Höhenmeter (lt. Veranstalter, 800 lt. Garmin) auf 52 km ist überschaubar, da muss man sich nun nicht den Kopf zerbrechen. Blöderweise hab ich seit kurzem Knie und es fühlt sich exakt so an als sollte ich den Lauf auslassen. Wäre ja aber auch doof. Wenn’s gar nicht geht, ist ein DNF immer eine Option.

In Bretten ist Stadtfest und der Ortskern weitläufig abgesperrt. Zudem findet noch der City Cup mit verschiedenen Läufen statt. Wir verzetteln uns ein wenig, bekommen so viel Starterbeutel und Finishershirt, dass wir nochmal zum Auto zurück müssen, verpassen die Wettkampfbesprechung und werden irgendwann auch fertig. Beim Lagecheck vor dem Start treffen wir Annette und Ulrike, Nicole und Jochen, Olaf und noch etliche Menschen, die man auch dauernd überall sieht. Jens, Kai und Hansjürgen lösen sich aus dem virtuellen Facebook-Orbit und es gibt sie wirklich (Facebook ist doch nicht so doof).

5 Minuten nach den 10ern dürfen wir auf die Piste. Auf den ersten beiden Kilometern werden wir dabei von den ganz schnellen 10ern wieder überholt – da sieht man sehr eindrücklich, wie unterschiedlich „Laufen“ sein kann. Es geht durch den Stadtkern und die Altstadt von Bretten, alles sehr schön aufgeräumt und geputzt hier, dann über den Marktplatz, dort sitzen ein paar Zuschauer und wir wundern uns noch, wo denn das große Stadtfest ist. Hannes meint, das fängt wahrscheinlich erst später an. Klar, die wollen ja bei unserer Zielankunft noch nüchtern sein. Prognose: Gegen 1 Uhr.

Das Wetter meint es gut mit uns. Gestern war’s noch mies und auch heut morgen hat es geregnet mit viel Wind, jetzt ist es auf einmal warm, ruhig und trocken. Wirklich schön.


(Bild mit freundlicher Genehmigung von Kai)

SO sieht der Lauf aus. Weite Landschaft, Felder, Wälder, Aussicht. Die Wege sind größtenteils asphaltiert, es ist weitgehend gut zu laufen. Die schwierigeren Wege kommen erst, wenn es schon dunkel ist. So hat man mehr davon. Die Hügel sind wirklich sanft. Wir gehen zwar einiges, es gibt aber keine allzu brutalen Anstiege. Zumal wir ja auch nicht auf den Wahnsinn laufen, sondern einfach auf Genuss. Trotzdem sind wir recht zügig unterwegs.


(Bild mit freundlicher Genehmigung von Erwin Bittel)

Es ist ein Genusslauf, und genau so wollten wir das. Schön daran ist, dass wir beide heute absolut gleichwertig drauf sind und von Anfang bis Ende ohne Einbrüche im Gleichschritt laufen können. Das kriegt man ja auch nicht unbedingt auf Bestellung hin und ich bin ja eh ein ganz ganz schlechter Gemeinschaftsläufer. Die knapp über 50 Teilnehmer haben sich schnell verteilt. Die Verpflegung lässt keine Wünsche offen, es gibt Getränke mit und ohne Kohlensäure, schon recht früh Cola und Malzbier, überall Apfelschorrle, dazu Hefezopf, Riegel, Kekse und Salzstangen und es ist noch alles da, obwohl Jochen schon durch ist. Die Anordnung der 5 VPs ist etwas unorthodox: bei km 7,5 – km 15 – km 24 – km 33 – km 39 und km 44. In der Mitte sind die Abstände groß, aber es funktioniert.

Streckenposten gibt es nicht, dafür ist die Wegmarkierung sehr gut, grüne Pfeile am Boden und Pfeile auf Täfelchen in Augenhöhe, alles immer eindeutig. Zu zweit orientiert es sich allerdings leichter, an der letzten VP erfahren wir, dass 2 Pechvögel sich verlaufen haben. Olaf haben wir bei km 35 hinter uns gelassen, im Ziel empfängt er uns frisch geduscht… er nimmt’s gelassen, kann passieren sowas.

Es ist schön unterwegs, ganz entspannt und meistens so ruhig, dass auch wir uns nix mehr erzählen müssen. Das ist ein Lauf für Leute, die einfach nur gern laufen. An der VP 3 gibt’s eine Überraschung, denn da sitzt Wolfgang, der Organisator des KuSuH-Trail. Den ich zwar nie laufen werde, also den KuSuH, und Wolfgang kenne ich eigentlich persönlich auch gar nicht, aber ohne seine Frau Gela und ihren Traubenzucker würd ich wahrscheinlich heute noch 100 Meter unterhalb des Sonnenkopfs im Kuhfladen sitzen. An der Station stehen auch Sigrid und das andere Mädel, der es noch schlechter ging als mir. Großer Bahnhof. Hier könnte man sich jetzt eigentlich eine Viertelstunde hinsetzen und ein Schwätzchen halten, ist gemütlich. Aber so arg trödeln wollen wir dann halt auch nicht. Gela meldet, dass nur Nicole bislang durch ist, so sind Annette-2 (nicht DIE Annette sondern eine andere), ich und eine Dame in Grün quasi jetzt im Rennen. Annette-1 und Ulrike können aber auch nicht weit hinter uns sein. Mein Knie wird langsam taub vom Schmerz. Besonders grausam ist das für mich an einigen wunderbaren bergab-Rampen, genau mein Terrain, die ich jetzt humpelnd absolviere. Wie sieht denn das aus…

Hannes und ich laufen einfach unser Ding weiter. Vorbei am Aalkistensee, dort sitzen ganz viele Angler mit Profiausrüstung, vor allem was die Getränke angeht. Ich möchte mal einen Aal sehen und schaue in einen Bottich, entdecke dort aber nur etwas das aussieht wie 20 Kilo Fischfutter – ???

Irgendwann wird es dann auch dunkler, dann dunkel und auf einmal ist es kuhnacht. Längere Stücke gehen jetzt auch durch den Wald, hier würde man ohne Stirnlampe nicht mal mehr die eigene Hand vor den Augen sehen. Es ist keine Stadt in der Nähe, nur am Horizont leuchtet etwas, das Bretten sein könnte. Aus dem Wald wieder draußen laufen wir über ein Stück Feld und plötzlich hören wir es donnern. Schöner Mist, wir haben noch mindestens 20 Kilometer. Bald merken wir aber, dass es ein Feuerwerk und kein Gewitter ist.

Uns fällt auf, dass es alleine jetzt doch etwas öde wär. Abgesehen davon dass ich vor Angst sterben würde, aber so prickelnd ist es allein im Darkroom dann halt auch nicht. Die Orientierung ist bei Nacht auch etwas schwieriger, und vier Augen sehen mehr als zwei. Trotzdem vergeht die Zeit schnell. Zwischendurch begegnet uns der Besenradler auf Patrouille, dann überholen wir noch 3 andere, halten kurze Schwätzchen an den VPs, aber sonst ist nicht viel los.

Auf den letzten Kilometern sind wir dann einfach auch müde, und mein Knie meldet sich wieder, zwischendurch war es vom Schmerz echt total taub, sehr praktisch. Dass das ein böses Erwachen geben wird ist mir auch klar, aber ich mag mir den schönen Lauf grad einfach nicht vermiesen lassen. Wir laufen den letzten sanften Hügel hinunter und haben noch 4 Kilometer, vorne ist schon Bretten zu sehen, das sieht gar nicht mehr weit aus. Auf einmal geht es fies um eine 180-Grad-Kehre und wir müssen wieder in die Pampa zurück. Ein paar Abzweige und wir verlieren völlig das Gefühl für die Richtung, und hier kommt noch ein wirklich fieser Anstieg auf unebenem Weg durch nochmal einen Wald. Eine feine Schikane 😉

Auf den letzten 1,5 Kilometern erreichen wir Bretten. Unter lauten Anfeuerungen der tobenden Zuschauermenge durchlaufen wir das rauschende Altstadtfest. Achso nein, da sitzt nichtmal mehr ein einziger Gast… Schön ist aber die Stadionrunde ganz zum Schluss, der Weg ist mit kleinen Lichtern beleuchtet und der Empfang lautstark 🙂 Mit 5:55:54 und 5:55:55 sind wir sofort einverstanden. Wir werden gleich umsorgt.

Gerade findet die Siegerehrung der Männer und der Staffeln statt. Nicole ist schon geduscht und umgezogen, sie war 1:34 vor mir im Ziel. Nein, nicht Minuten, sondern Stunden… Ich kann mir den Kommentar aber nicht verkneifen, dass ich sie fast noch eingeholt hätte. Kurz nach mir kommt Annette-1 herein, und auch unsere Siegerehrung erfolgt schnell. Es gibt eine coole Sonnenbrille und einen Beutel mit Naturalien. Besonders apart ist das Pflegeprodukt von L’Oreal Men Expert gegen Tränensäcke und Augenfalten. Das werd ich morgen früh brauchen können, zusammen mit der Sonnenbrille. Die Duschen sind warm und sauber. Kurz vor 3 Uhr sind wir zuhause. Wiederholung? Aber gerne 🙂

PS: Wahrscheinlich ist dies nicht mein spannendster Bericht. Aber Leute, he, es kann nicht bei jedem Lauf was schiefgehen, nur damit Ihr was zum Lachen habt 😉

Hier ist noch der Bericht vom Erwin mit vielen Bildern

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6 Antworten zu Night52 – 14.7.2012

  1. Nicole Benning schreibt:

    Zwei Berichte gehen auch, finde ich und ich freu mich darauf :-))))

    Grüße an die Füße (äh das Knie), Nicole

    • Kati schreibt:

      Du hast recht, und wir schreiben sie, ohne den Bericht des Anderen vorher zu lesen 🙂
      und dann werden sie unzensiert eingestellt 😉

  2. Anja schreibt:

    Zwei sehr schöne Berichte die Luast drauf machen da mitzulaufen 🙂
    Hoffe dein Knie wird schnell wieder 🙂

    Grüßle Anja

  3. Annette Reim schreibt:

    Hihi, den Tag oder besser gesagt, die Nacht bei welcher wir zusammen mit Nicole (!!!) auf’m Treppchen stehen durften, müssen wir rot anstreichen! 🙂

  4. Philipp schreibt:

    2 kurzweilige Berichte! Schade, dass ich nicht dabei sin konnte…aber ich hätte mich sicherlich verlaufen, bei meinem Glück!

    Dir gute und schnelle Besserung Kati!! -> zu unserem Rendevouz in 1 Monat musst Du wieder fit sein!

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