Schönbuch Trophy – 30.4.2017

image

zur Website HIER ENTLANG

WO  TRAIL  DRAUFSTEHT,  IST  (JETZT)  AUCH  TRAIL  DRIN  !!!

Die Erstauflage der Trophy 2015 war ja einer der schönsten Läufe überhaupt. Einfach ein wunderschöner Feld-Wald-und-Wiesen-Marathon mit ein paar kleineren Pfaden und Anstiegen, anstrengend, aber dank vieler Waldautobahnen für mich gut zu laufen. Die Trailfreaks meckerten, denen war natürlich zu wenig Dreck und Stolperfallen. Legendär an dieser Stelle auch die erstmalige Erwähnung von Ameisenknochen. Wogegen die Trophy 2016 uns ihr Janusgesicht zeigte: tagelanger Regen hatte die Böden durchweicht, die Trailfreaks hüpften begeistert durch kilometerlange Schlammlachen, ich stapfte grimmig hinterher und suchte meine Schlappen. Traillaufen ist nunmal halt so gar nicht meins. Und ich KANN das auch nicht. Basta.

Also: Abwarten und bei schönem Wetter nachmelden. Weil ich manchmal aber auch einfach Glück habe, schenkt Kerstin mir kurzfristig ihren Start. Und so muss ich heute früh auch wirklich aufstehen, obwohl ich das gar nicht will, weil ich bis nachts zugucken musste, wie Herr Klitschko verhauen wird. Üble Sache.

Das Wetter: Viel Regen und sogar ein wenig Schnee die letzten Tage, Temperaturen zurück im spaßfreien Bereich. 3 Grad am Morgen lassen die prognostizierten 18 wie einen Wetterwitz erscheinen, und so bin ich gleich mal zu warm angezogen. Die Kandidaten: Mit Doppelaxel, Andi, Manfred und Kläusle die üblichen Allround-Läufer, aus der Hardcore-Trailfraktion kenne ich nur Nadia und Annette. Das übliche Bild: Dünne Modellathleten im Salomon-Gewand und die Damen bewaffnet bis an die Zähne. Ich im 9 Jahre alten Finishershirt des Mannheim-Marathons. Ich habe Angst. Monica kann natürlich auch Trail, ist klar – soll ich es gleich sagen: 2. Platz mit einer großartigen Zeit. Als ich sie auf der Begegnungsstrecke treffe wirkt sie so entspannt, als würde sie gerade zum Bäcker joggen. Dem-Daniel-seinen-Bericht finden wir demnächst auf trailrunning.de

Gut ist, dass der Maraton nun doch wieder ein Marathon ist – ursprünglich wurde er auf 40 km verkürzt, was aber für allgemeinen Unmut sorgte. Im Nachhinein glaube ich, dass das nur ein sehr kluges Ablenkungsmanöver war, denn in der ganzen Aufregung überlas man doch gerne die diskreten Hinweise im Stile von „jetzt mit mehr Trailanteil“ oder „geänderte Streckenführung“. Ich tendiere ja gerne dazu, sowas dann auch gar nicht wissen zu wollen. Habe ich im letzten Jahr den ersten CutOff lässig und den zweiten mit 8 Minuten grad noch so geschafft, müsste ich mir sonst ja Gedanken machen, ob ich das bei „mehr Trailanteil“ und „nicht so wirklich gut vorbereitet“ überhaupt schaffe. Mach ich aber nicht. Wohl rechne ich aber aus, dass ich einen 7:30er-Schnitt laufen muss, um den CutOff bei km 26,8 zu schaffen. Axel winkt ab. 7:30 – pf. Für Arme. Naja, im Gelände??? achwas, wird schon kein richtiger Trail sein. Daniel hat sich die Streckenpläne angeschaut und berichtet, dass wir zweimal dieselbe Runde laufen, beim zweitenmal eben verkürzt. Sowas macht mir im Normalfall ja nix, aber wenn da wirklich „mehr Trailanteil“ ist, dann wird es mit der Motivation für die zweite Schleife echt haarig – zumal dann auch noch rauskommt, dass der Cutoff direkt im Ziel auf dem Marktplatz stattfindet. Wir müssen tatsächlich dieses ganze Treppengedöns erstmal runter und dann wieder rauf, das ist echt hart.

Und so habe ich das Dilemma des Laufs bereits erörtert, bevor der erste Meter überhaupt gelaufen ist. CutOff schaffen oder nicht, das ist heut die Gretchenfrage. Und los dann mal.

Schon auf dem ersten Kilometer renne ich mich in den Bereich der Schnappatmung und bin froh, dass auf den Treppenstufen Stau ist. Nützt aber nix, denn irgendwie geht es gleich gnadenlos zur Sache. Immer bergauf, wenn auch nicht sehr steil. Keine geliebten Waldautobahnen, sondern Waldpfade – ihres Zeichens auch als Trails bekannt. Zwar schon laufbare Trails, aber eben solche, die Konzentration erfordern und/oder in die Oberschenkel gehen, und auf denen ich sehr langsam bin. Die Lunge pfeift, die Muskulatur brennt, ich bin schlapp und müde und überhaupt ist mal wieder nicht mein Tag. Axel ist weg, die anderen sowieso, auch wenn noch fremde Läufer um uns rum sind, auch solche, die auf der 26er-Strecke sind. Nach 5 Kilometern absolutem Masochismus habe ich die Gesamtpace von 8:15 auf 7:35 gedrückt — und um die Story abzukürzen, egal was da noch kommt, sehr viel weiter runter bringe ich sie auch nicht. Manfred und ich überholen uns immer wieder, er kann bergauf sehr gut gehen, ihm ist der CutOff komplett juck, der ist cool.

Mir ist der CutOff dann auch irgendwann juck und ich muss mich für jeden Kilometer so sehr quälen dass ich bei 12 schon beschließe, dass für mich bei 26 auf jeden Fall Schluss ist, und die zweite Runde entfällt. DNF – mir doch egal, darf ich auch mal, machen andere ständig. Wirklich, ehrlich, total egal. Natürlich schaffe ich die zweite Runde wenn ich sie laufe, aber WIE LANGE WIRD DAS WIEDER DAUERN, und wozu, hab ja schon alles gesehen…

Abgesehen davon ist die Strecke wunderschön – wenn man halt nicht rennen müsste. Frühling im Wald, und es wird auch so schön warm… Zwischen 3 und 13 gibt es ein VP-Loch, bestimmt dem Genehmigungsmoloch geschuldet, aber sonst kommen die VPs regelmäßig und sind sehr gut ausgestattet und die Helfer sind prima. Irgendwann treffe ich Carmen, die halb so alt ist wie ich und heute ihren ersten Wettkampf überhaupt läuft. Das ist mutig – auf DER Strecke. Sie macht das aber super und läuft wie ein alter Hase, so dass wir bis ins Ziel mehr oder weniger zusammen bleiben. Die letzten Kilometer werden dann natürlich schon zäh, für mich auch, und wir müssen viel gehen. Sonnenklar: Eine Runde reicht. Aber sowas von. Axel war kurz in Sicht, ist dann aber nach vorne weg und entfällt somit als Begleitung im hinteren Teil.

18425641_10212628765452533_1781430793_n

Besonders hart wird es, als wir die Begegnungsstrecke erreichen, und uns die ganzen Marathonisten auf ihrer zweiten Runde schon entgegenkommen. Da sind einige sehr gute Läufer dabei, manche echt gezeichnet. Wenn die schon so kaputt sind… Und 16 km sind auf dieser Strecke verdammt lang, das ist nicht wie beim EBM früher, wo man sie halt runterschlurfte und gut war’s. Auch Andi und Daniel sind weit vor mir. Ich bin froh, dass der CutOff futsch ist. Oben am Beginn der Treppe habe ich schon 3:32 auf der Uhr, bis unten sind es vielleicht noch 5 Minuten, ich muss also so und so raus, und das ist super, denn dann kann ich ja nix dafür. Keine 100 Meter vor dem Ziel kommen mir Axel und Manfred entgegen und meinen, dass ich mich beeilen soll, der CutOff sei noch offen. Hä? So ein Mist. Ich melde, dass ich raus gehe und ernte Protest. Ich soll mich zusammenreißen, und sie würden auf mich warten. Ok na dann. Wenn die beiden weiterlaufen, dann muss ich halt auch.

Peter winkt mich freundlich durchs Ziel und ich grinse debil, muss ich jetzt wirklich diese 16 km noch laufen? Warum hat Axel nicht gekniffen und hängt seine Füße mit mir in den Brunnen? Was für eine Schinderei…

Bald fängt uns der Orga-Axel auf dem Quad ein – er sucht seinen Besenläufer. Wir meinen, der könne gern Feierabend machen, auf uns muss keiner aufpassen, und falls wir zu lange brauchen, sollen sie schonmal abbauen. Nixda, secht der Axel, Ihr lauft schön weiter, Zielschluss ist erst 6:30 und wir warten auf Euch. Ich war tatsächlich der Letzte, der durch den CutOff gekommen ist. Schade, denn kurz hinter mir war noch Thorsten, der wäre sicher auch gern weitergelaufen – die anderen kannte ich nicht. Alsbald finden uns auch die drei Besenläufer, Holger mit seiner Tochter und der Mann, der nicht der Bruder von Hans-Peter ist, mit Hund. Zum Glück wird es dem schönen flauschigen Hund zu warm, so dass ich kein Allergieproblem bekomme. Die drei Besenläufer sind super und machen uns keinen Stress. Und wir sind echt keine Helden mehr. Manfred zockt uns bis ins Ziel noch ein paar Minuten ab, aber Axel und ich reden nicht mehr viel *hüstel*. Trotzdem geht die zweite Runde irgendwie besser als die erste, vor allem die letzten 5 km.

Mit 6:11 – merke: innerhalb der offiziellen Zeit – kommen wir ins Ziel. Dort werden wir empfangen wie die Sieger, denn was wir nicht wussten: Peter erzählt dem Publikum wohl schon seit einer halben Stunde, wo sich die letzten Läufer gerade befinden, wie die heißen, und wann mit denen zu rechnen ist. Axel und ich biegen auf die Zielgerade ein und werden mit Standing Ovations und brachialem Jubel empfangen. Besonders laut schreien natürlich Axel B, Andi und Sabine, denn endlich ist ihr Fahrer im Ziel 🙂 Ja, das war dann doch nochmal richtig schön ! 🙂

A-1A-2A-3

Und: Der Trailrun ist jetzt wirklich was für Trailrunner.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter run veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Schönbuch Trophy – 30.4.2017

  1. Klaus Mantel schreibt:

    Tja so kann man das sehen. Ich hatte mir mehr Trail erwartet und die hippen Salomon Schlappen aufgezogen, die warn für das Dingens machtig overdressed und ich bereute meine Wahl auf den Waldautobahnabschnitten. Die Sache mit den 2 identischen Runden und dem 2-maligen Pendeln zum Start hat mich auch nicht überzeugt. Obwohl die Trailstücke und das Wetter supi waren. Fazit für mich: Der T26 hätte gereicht, danach wurde es langweilig weil Wiederholung. Dafür ist der 51. Mara bzw. Ultra im Sack, Bergfest auf dem Weg zu den 100, die bis spätestens zum 60. eingefahren sein sollen.

    • Kati schreibt:

      aber Kläusle, wo bitteschön soll denn in unseren Breiten noch „mehr Trail“ herkommen… das geht doch einfach gar net… 🙂 Tut mir übrigens leid, dass ich Dich in meinem Bericht wieder vergessen habe, aber das liegt einfach immer daran, dass Du so schnell weg bist. Aus den Augen, aus dem Sinn….

  2. Der Ameisenknochenbrecher schreibt:

    Sauber gloffa ond glasse gschrieba, Miss Trääälgörlie! Also, ICH hann glääsa, dass der Schauläufer dabei war, Du haschn alos net vrgessa. 😉
    Was den Trääälanteil angeht, wird’s den Trailisten emmer zwenich sei und den Asphaltcowboys und -görls immer zviel. Koosch niggs macha, zäts laif. 😀
    Eine Lehre koo (wer will 😉 ) aus dem Bericht ziehen – es lohnt sich (manchmal), Letzte(r) zu werden….von wegen Jubelstürme und so.
    Weiter goht’s, dr Trolli ruft schon – mir gnaggat dies Mool die 3:01 h von anno dunnemals (aber nur, wenn koine Ameisaknocha uffm Haigern liegat!).

    Gruß vom

    Wladimir K. (arg zerknautscht) 😛

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s