Bottwartal Urmensch Ultra – 18.10.2015

www.bottwartal-marathon.de

… wenn Dir bei 30 auffällt, dass 50 doch echt ne coole Distanz WEIL NICHT SO WEIT ist …

jörg-1 jörg-2 logo q-1 q-2geile Sache, wir gehen mal auf die Jagd nach dem Urmenschen. Im Bottwartal fand ich es ja schon immer schön. Unvergessen das Gesicht einer Lauffeindin, als ich mal beim 3/4-Marathon bei km 27 die Wende verweigerte und einfach den Marathon gelaufen bin. Ist jetzt nix so Besonderes an sich, das Wetter war toll undsoweiter, aber das Gesicht dieser Tante war einfach unbezahlbar. Sowas schaffste nicht oft. Nach dem HM bei tropischen Temperaturen 2014 kommt dieses Jahr also den Urmensch Ultra bei lausigen 6 Grad und nasskaltem Wetter unter die Stollen. Dass die Frisur  nicht überleben wird ist klar, aber WAS ZIEH ICH AN ? Jacke ist was für Sissis, je mehr ich friere, desto schneller werde ich laufen. 6 Stunden erscheint realisierbar, nach dem Totalabschuss letzte Woche kann ich nicht schon wieder alles geben.

Viel regionale Prominenz ist am Start, leider habe ich zuviel Zeit vor den Klohäuschen verplappert und komme fast zu spät in die Startaufstellung. Schnell noch allen alles Gute gewünscht und dann nix wie los. Achim schickt uns auf die Strecke mit den Worten „geht gut miteinander um“. Das finde ich sehr schön, auch wenn das in dieser Gruppe eh selbstverständlich ist. Wir sind schon irgendwie „eigen“. Aber gut.

Von ca 125 Startern sind nur ein Fünftel Frauen, und mehr als die Hälfte kenne ich gar nicht. Die sind dann auch so schnell weg, dass ich sie nicht mehr kennenlerne. Auch die Männer sind echt arg schnell. Ilo zischt ab wie irre, Sonja sowieso. Harald und sein Kumpel haben nix trainiert und sind deshalb auch schon am ersten Anstieg weg nach vorne (ist das zu fassen). Dann treffe ich noch Achim in live, aber auch er und sein Begleiter (1. Ultra heute) sind blitzschnell weg. Ruckzuck hat sich das Feld entzerrt, und schon bei km 8 stehe ich total allein im Wald, obwohl ich bis hierhin ECHT SCHNELL gelaufen bin. Mammamia… Im nebligen Wald, wohlgemerkt, mit ordentlich Gruselfaktor. Igitt. Sowas mag ich ja gar nicht. Da kann die Strecke so schön sein, wie sie grad will.

Ich nehme mal etwas Tempo raus, der Tag ist noch lang. Da steht Jörg und wartet auf seine Conny. Nur Klaus-Peter ist noch in Sichtweite, und ich überhole ihn schnell, damit ich ihn als Absicherung im Rücken weiß. Sowas hilft mir immer. Bis km 20 laufe ich dann im gegenseitigen Überholen mit einem netten Herrn im roten Shirt, der aber weniger lang an den VPs trödelt. Immer wieder dröhnen aus dem Tal die Trommeln und Blaskapellen der „Marathonparty“. Klar. Der Marathon ist um 9:30 gestartet, eine Stunde nach uns. Der HM startet später um 11 Uhr in Gronau, da bin ich dann ungefähr bei km 26 und höre den Kanonenschuß. Klasse Stimmung dort. Die Situation ist auch einigermaßen skurril, wie wir Freaks hier allein durch den Nebel schlurfen, während unten Fasching gespielt wird. Sehr lustig.

Doch im Moment sind wir erst bei km 20, auf der Burg (das ging erstaunlich schnell bis hierher), und auf der Begegnungsstrecke sehe ich knapp hinter mir KLaus und Gerhard(-E) in trauter Zwietracht. Wenn sie mich einholen (bald), werde ich mit ihnen laufen. Bis hierher haben die VPs zuverlässig funktioniert, einen alten Riegel hab ich noch selbst dabei, da mir Gerhard(-P) gesagt hat, dass es Bananen und Gels geben wird, das geht bei mir beides nicht. An manchen Stationen gibt dann aber sogar auch Riegel. Das passt hier alles. Auch die Streckenmarkierung ist sehr gut, und immer wieder stehen verfrorene Streckenposten sich für uns die Beine in den Bauch – heute sicher kein so großer Spaß.

Bis km 25 ist der Kurs konstant ansteigend, dann geht es bis km 35 bergab, und dann wieder bis km 40 recht steil bergauf. Der Rest ist Ausrollen. Nach den Kilometerschnitten schaue ich gar nicht, bin schnell genug unterwegs, und bei km 25 habe ich 6:40 oder 6:50 als Gesamtpace auf der Uhr. Ist auch egal. Spannend ist, dass ich das Gefühl habe, bis hierhin schon viele Abfahrten gerannt zu sein. Die absolvierten Trails sind mehr so nette Babytrail-Trampelpfade, also für mich noch sehr gut laufbar. Trotzdem verliere ich durch den ständigen Tempowechsel Zeit und Kraft. Ist aber egal, denn die Kampfmoral ist heute ohnehin eher bescheiden – bei solchen Läufen hab ich wenig Ehrgeiz. Trotzdem: Das ist ein eher schneller Kurs hier.

Die nächsten 5 km rollen entspannt bergab, das meiste der Strecke sind holprige Waldautobahnen, die gut zu rennen sind. Auch Asphalt ist dabei. Bei km 30 hole ich den Urmenschen Martin ein – er ist schnell losgelaufen, hat jetzt aber irgendwie Knie oder sowas. Zuerst findet er meine Bitte nach einem Selfie glaube ich etwas gestört, aber dann merkt er, dass ich harmlos bin. Und schon sind wir ungefähr bei km 30. Hier ist Gronau (glaube ich?), die Stimmungshochburg, da laufen andere, und wir sollen uns einreihen. Es gibt noch eine kleine VP, da ist allerdings Cola aus und nur noch Wasser übrig. Ich frage die Helferin, wo wir jetzt langlaufen sollen, und die meint: da rein und dann rechts raus. Ich habe nicht richtig auf dem Schirm, dass wir JETZT SCHON mit dem Hauptlauf mitlaufen – ich weiß nur, dass wir die letzten 6 (oder so) Kilometer noch auf der Marathonstrecke sind. Strange. Auch auf den Abzweig „dann rechts raus“ warte ich vergeblich und bin auf den nächsten Kilometern total unsicher, ob ich nicht von meiner Strecke abgekommen bin. Die befragten Helfer wissen auch nicht immer Bescheid, einige bestätigen aber immerhin, dass hier auch die 50er durchkommen.

Da vorne hängt Nici über der Absperrung und fuchtelt wie verrückt, so dass ich sie tatsächlich sehe 🙂 Kurz dahinter unerwartet einer meiner Kollegen, der als Fotograf im Dienst ist. Die Halbmarathonis haben erst wenige Kilometer, laufen aber langsamer. Das motiviert natürlich. Auf diesem Streckenabschnitt sind auch noch die schnellen Marathonläufer dabei, die nehme ich irgendwie aber gar nicht wahr – der HM ist natürlich zahlenmäßig deutlich überlegen. Irgendwann ruft mir eine Helferin sehr exakte Informationen zur Streckentrennung zu und ich bin total dankbar. Dann sehe ich auch schon das große Schild nach der Unterführung, Urmensch-Ultra links. Nach rechts würde es in diese unsägliche Schleife durch Beilstein mit den gräuslichen Anstiegen gehen, da bin ich aber mal echt froh. Nur jetzt wird es komisch: Ich laufe aus der Unterführung und stehe dann verloren mitten auf der Straße. Wo soll ich jetzt hin? Klar, mich wieder in den Läuferstrom (jetzt den der etwas zügigeren HM-läufer) einreihen und da mitlaufen bis zur nächsten Streckentrennung. Das ist mir aber nicht so ganz ersichtlich und ich suche Rat bei den Zuschauern. Wo soll ich hin? Da rein? Einer sagt, ich müsse nach rechts weg. Das „Problem“ ließe sich sehr leicht mit einem großen Pfeil und der Aufschrift „EINREIHEN“ beheben. Vielleicht bin ich ja aber auch der einzige, der es nicht blickt.

Ich geb auf und lauf halt mal da mit. Die nächsten Streckenposten wissen dann wieder, dass ich richtig bin. Wasserstation – ich frage nach Cola – gibt es natürlich nicht, und die Helferin meint noch, das wird ja immer schöner, dass die jetzt schon im HM nach Cola verlangen. Bald kommt auch ein Moderator, der mir fröhlich zuruft, dass ich nur noch 25 km zu laufen hab – äh wie bitte? ich hab schon mehr als 30… na egal. Augen zu und durch. Ich laufe hier immer noch schneller als die HM-Läufer, und einer von ihnen erklärt, auf sub-2-Kurs zu sein. Das kann nicht gut gehen – also bei mir – er wird es bestimmt schaffen. Das Stück mit dem Halbmarathon zusammen gefällt mir ausnehmend gut, es ist eine tolle Abwechslung, aber natürlich Geschmackssache – andere stresst es, höre ich später.

Nächste Wasserstation, ich frage im Rennen nach Cola – es läuft grad gut. Ich hab Durscht wie blöd. Die Helferin ruft „Cola ist gerade aus“. Ich höre natürlich was ich hören will, nämlich „Cola ist geradeaus“ und renne wie blöd ohne Anhalten durch die Station… doch Cola kommt nicht. Ist klar, ist ja auch gerade aus. 50 Meter hinter der Station kapiere ich es dann auch, will aber jetzt auch nicht mehr umdrehen. Neben mir zwei erschöpfte Langstreckler, an deren auffällige Shirts ich mich erinnere, also bitte ich einen davon um den Rest aus seinem Becher. Der versteht mich und bietet mir sogar noch sein ISO an. Danke 🙂 Trotzdem laufe ich jetzt langsam in einen Hungerast, ohne Cola, das ist halt so gar nix, und natürlich ist das Wasser eiskalt, da muss man aufpassen. Können die ja auch nix für …

Ich beschließe, mit meinem Notriegel noch bis zu diesem Anstieg zu warten und ihn dann in Ruhe zu essen, wenn wir aus dem Trubel draußen sind. Tatsächlich kommt auch bald eine Weiche, und draußen sind wir. Kleiner Tipp: Wer beim Urmensch Ultra mal so richtig bescheißen will, der läuft hier jetzt einfach auf der HM/M-Strecke weiter und spart dadurch ungefähr 5 Kilometer. Mir wäre nicht aufgefallen, dass hier oder sonstwo die durchlaufenden Nummern notiert werden. Ist aber auch nicht nötig, es bescheißt doch eh keiner. Aber ne gute Option, falls man wirklich mal nicht mehr kann. Denn jetzt kommen ja noch die nächsten harten 5 km, die Gerhard als „Überraschung“ angekündigt hat.

Klar, die versauen mir jetzt komplett den Schnitt, deshalb schau ich erst gar nicht auf die Uhr. Ein kurzer Anstieg, oben kommt zum Glück dann endlich eine VP mit zwei ganz süßen Jungs, und die haben Cola und ich hab Zeit. Danach geht es mir wieder gut. Jetzt wieder durch die Weinberge, leicht ab, dann wieder zäh und minimal bergauf. Vor mir gehen zwei, aber ich laufe lieber noch. Die beiden verpassen einen Abzweig, ich kann sie aber zurückrufen. So lerne ich Robert vom AMULT kennen, mit dem ich die nächsten Kilometer mache. Ganz zum Schluss kommt ein richtig fieser Matsch-Trail-Anstieg den Wald hinauf. Das sind wir glaub ich am Probelauf auch gegangen. Boah bin ich langsam… Trotzdem, seit km 20/25 hat mich glaube ich niemand mehr überholt, nur von vorne kommen immer wieder welche zurück.

Oben ist km 40 und wir rollen 2 Kilometer durch die Pampa, um uns dann auf die Marathonstrecke zu begeben. Davor noch eine sehr nette VP mit einem netten Herrn, der sich mit den Kilometerangaben auskennt und meint, für uns gäbe es kurz vor dem Ziel dann noch eine zusätzliche Schleife (die es dann aber aus Gründen nicht gibt). Hier ist glaube ich Marathonkilometer 34, irgendwas in der Art. Vom HM sind nur noch die letzten Kämpfer übrig, und ich schwöre, bis ins Ziel bekommt jeder von denen ein Kompliment von mir, und die freuen sich auch drüber.

Ich überschlage, dass ich auf eine Endzeit von 5:30 rauslaufe, also laufen die Marathonisten hier so auf 4:20/4:30. Ich bin immer noch sehr viel schneller und mir selbst nicht geheuer. Robert verliere ich hier wieder, dafür hole ich Wolfgang aus Hemsbach ein und bringe ihn zum Mitlaufen. Ich kann immer noch locker zügig laufen, hab aber keine Lust, mich zu verausgaben – was für eine Arroganz. Ob 5:30 oder 5:35 ist mir völlig schnurz, die Zeit ist so und so super. Es läuft sich leicht, und die Strecke erscheint mir immer noch minimal abschüssig. Keine Ahnung ob es stimmt, aber die Mutti rollt 🙂 Ich bin allerbester Laune und genieße das Leben. Und so trabe ich völlig entspannt und ohne Endspurt bei 5:18 ins Ziel (gibt mal wieder Platz 4 in der AK), toll begrüßt von Gerhard und Achim. Selbst mit dem fehlenden Kilometer wär es noch unter 5:30 gewesen.

Ein sehr sehr geiler Lauf 🙂 Leider jetzt im Ziel aber so kalt, dass ich es nichtmal in trockenen Klamotten dort noch lang aushalte. Den weiten Weg zur Halle spare ich mir, Duschen wird eh überbewertet, und wenn ich da jetzt die anderen alle noch treffe, dann komm ich da eh nimmer weg – und heute sollte ich weg, möchte noch schnell woanders hin (nix mit Laufen) 🙂 🙂

Das Problem ist jetzt nur: Welche Distanz soll ich nächstes Jahr hier laufen? Der Marathon ist toll, und der Ultra ist toll.

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