Mannheim Marathon – 9.5.2015

www.marathonmannheim.de

turmman muss Berichte schreiben, solange sie heiß sind, nicht erst am Dienstag – inzwischen ist der Mannheim Marathon längst Geschichte. Mit Vorgeschichte: 2008 traf ich hier die Manu. Damals hatte der Lauf organisatorisch einige Pannen und vor allem hintenraus fand ich ihn gräuslich – ich wollte da nimmer hin. Ließ mich von Manu 2010 dann aber kurzerhand überreden, und es wurde einer der Läufe meines Lebens. Die Pannen waren beseitigt, und ich lief wie selten: Bestzeit verbessert von 4:01 auf 3:48 – und natürlich den Lauf in bester Erinnerung behalten, ist klar. Sternstunden.

Immer wieder werden Strecke und Konzept geändert, der komplette HM startet jetzt mit dem Marathon, und das Staffelthema ist stark forciert. Es gibt sogar eine eigene Firmenstaffel-Wertung und viel Halligalli. 2014, zur Premiere der neuen Strecke, passiert gleich mal eine saubere Fehlleitung im Marathon, die besonders dramatisch die deutsche Spitze mit Sauter und Neuschwander betrifft, bis zum Fußvolk wohl aber wieder ausgeglichen werden kann. Ich bin überrascht, wie schlecht der Ruf des Mannheim Marathon insgesamt unter meinen Lauffreunden ist. Keiner will da so richtig hin.

Ich gewinne einen Freistart bei ‚RunningCOACH‘ und freue mir ein Loch in den Bauch. Manu und Tobi nehmen mich mit nach Mannheim. Tobi will eigentlich seinen ersten Marathon laufen, ist aber leider krank und deshalb nur als Zuschauer und für uns als Fahrer dabei. Harter Job. Dafür gibt es noch einen zweiten Tobi, der auch seinen ersten Marathon läuft und mit Manu startet. Ich lasse den Stromberg im Vorfeld sausen, damit ich mal „ausgeruht“ an einen Start gehe. Es gibt dieses Jahr nur wenige Chancen auf eine „schnelle“ Marathonzeit, ich bin besser drauf als in Kandel und liebäugle mit einer sub 4. Ich sags gleich, das hat ja sowas von nicht geklappt 🙂 Mit 4:21 knapp daneben 🙂

Trotz Bahnstreiks bekommen wir eine SBahn in die Innenstadt, soweit alles easy. Für die Messe haben wir keine Zeit mehr, und die Schlange vor den Sanitäranlagen – die man erstmal finden muss – ist 50 Meter lang. Vom Rosengarten aus marschieren wir zur Startaufstellung, die schon ein gutes Stück weg ist. Hier sind lange Startkorridore eingeteilt, die nachher sehr professionell und ohne Gedränge zur Startlinie vorgeführt werden. Die Straßen sind nämlich erstmal nicht allzu breit, und so muss für Entzerrung gesorgt werden. Strange finden wir, dass es hier nur ein einziges Dixie gibt – und das ist verschlossen und gehört zu einer Baustelle. So sind wir gezwungen, uns ein schattiges Plätzchen zwischen parkenden Autos zu suchen. Bei den insgesamt 10.000 Teilnehmern werden sich die gebeutelten Anwohner hoffentlich entsprechend beschweren. Mir ist ja nicht klar, wie ein Veranstalter sowas übersehen oder denken kann, die paar Klöö-chen im Rosengarten würden ausreichen.

Der Start ist super und schön moderiert, alles funktioniert und entspannt laufen wir über die Linie. Keine 50 Meter dahinter gibt es schon den ersten Stau. Mir gelingt es ausnahmsweise, ganz cool zu bleiben. Ich träume heute von einem Negativsplit oder zumindest sowas Ähnlichem, wenn die Halbmarathonisten zuhause sind. Die Marathonnummern sind absolut in der Unterzahl, ich schätze auf 1:10, in Wirklichkeit sind es 800 Marathonisten in 10.000 Startern und es sind zwischen 3.000 und 4.000 Staffeln unterwegs (wie immer keine Gewähr für Zahlen). Hier fehlt es leider sehr häufig an Disziplin. Das hat man ja leider öfter. Seit ich Menschen wie Theo kenne, die anständig und mit großer Freude Staffel laufen, bin ich zumindest kein Staffelhasser mehr 🙂 Die meisten laufen ja auch anständig, aber zu viele eben auch nicht, und bei dieser Masse wirkt sich das leider schon sehr negativ auf das Gesamtfeld aus und prägt einen etwas unsportlichen Charakter.

Prinzipiell würde ich jedem Veranstalter raten, HM und Staffeln NICHT gleichzeitig mit dem Marathon zu starten, zumindest nicht bei prominenten Stadtläufen, die zuviele Party“läufer“ anziehen. In Kandel starten HM und M auch gemeinsam und alles ist super. Da tanzt keiner Samba. Ich gehe aus diesem Grund nicht mehr nach Freiburg, in Mainz war es ebenfalls grausig, Ulm ist inzwischen leicht grenzwertig und auch Mannheim ist ab jetzt vom Speiseplan gestrichen. München hat einen separaten Start, und in Frankfurt gibt es keinen HM und nicht ganz so viele Staffeln. In Mannheim habe ich leider ab dem ersten Kilometer den Eindruck, dass mit den Staffeln eben ganz bewusst die Kohle gemacht wird. Wobei – fairerweise – es auf der zweiten Hälfte dann wieder durch die Staffeln belebt bleibt, früher war es da sehr viel einsamer. Wenn ich die Wahl hätte? Ich würde das Staffelkontingent auf 1.500 oder 2.000 limitieren und keine Firmenwertung anbieten. Vielleicht wäre es auch grundsätzlich gut, die Zahl der Staffeln an die Zahl der Einzelstarter anzupassen. So würden Überhänge vermieden und beide Parteien würden lernen, auf die andere Rücksicht zu nehmen.

Sei’s drum. Die ersten Kilometer schwimme ich so mit 5:15 – 5:25 im Feld mit und das passt, ich würd gern ein bißchen schneller laufen, bin aber einig damit, die Körner zu sparen. Außerdem ist es total warm und drückend. Bei km 7 kommt die erste VP und die Helfer sind von der heranrollenden Masse hoffnungslos überfordert. Die Station ist zu klein, die vollen Becher sind längst abgeräumt. Es herrscht Chaos. Ein erwachsener Mann von mindestens 50 Jahren stößt mich wüscht von der Station weg. Ja, wir sind hier unter uns 🙂 Vergeblich warte ich auf die in der Ausschreibung versprochene „Erfrischungsstation“ mit Wasser bei km 7,5 – sie müsste bei 9,5 kommen. Kommt sie aber nicht. Erst hinter km 12 kommt wieder eine VP. Wieder Chaos. Dafür jedoch kommen voll ausgestattete VPs ab km 15 dann in sehr kurzen Abständen, überall gibt es ISO, Wasser und ich glaube auch Riegel und Bananen. Ab km 30 gibt es durchgehend Cola, da kannst hintenraus nicht meckern.

Meine Zeitpläne hab ich längst aufgegeben und schwimme im Feld mit, wie es eben passt. Hier wird so ruppig gelaufen, dass ich mich nicht richtig konzentrieren kann. Ich bin froh, dass es mir egal ist. Bei km 17 beginne ich, den HM zu überholen, es machen doch schon etliche schlapp. Zweiergrüppchen spazieren in der Mitte der Wege. Tatsächlich erkennt man die Marathonläufer jetzt am Verhalten, kein Scherz. Es wird viel auf schmaleren Straßen und Radwegen gelaufen, viel Platz ist nicht. Ich bin dankbar, als die Weiche endlich erreicht ist. Mit 2:03 rolle ich über den Halbmarathon, das ist dann doch ziemlich lahm. Aber ich fühle mich blendend, und darauf kommt es an.

Weiter geht es über die Rheinbrücke, es wird schon dunkel und die Aussicht ist Bombe. Mit Blaulicht kommt das Führungsfahrzeug mir entgegen, gefolgt von einem blonden Hünen – hinter ihm ein schmaler Afrikaner im Tiefflug und in deutlich höherer Geschwindigkeit, später lese ich von seinem einsamen Start-Ziel-Sieg. Es ist nicht die geschwungene, endlose Brücke, über die früher gelaufen wurde, der Anstieg ist nur kurz und der Spaß schnell vorbei. Jetzt sind wir in Ludwigshafen. Ein paar Kurven noch, und der Rest des Laufs besteht zu großen Teilen aus einer Begegnungsstrecke, an deren Ende sich die Stimmungshochburg Rheingönheim befindet. Ich werde schneller, glaube ich. Jedenfalls läuft es mir gut und locker, auch wenn der 4-Stunden-Ballon längst vorbei ist. Zielzeit interessiert mich aber irgendwie gar nicht.

Aufgeregt schießen die Staffelläufer aus ihren Startboxen, als ob sie einen 200-Meter-Weltrekord machen müssten. Platz da und aus dem Weg, ich wähle vorsichtshalber die am weitesten entfernte Straßenseite. Jeweils der erste Kilometer nach der Wechselzone ist wirklich die Pest, ständig das Keuchen im Nacken und unkoordinierte Rempeleien und Überholmanöver. Das ist auch sowas. Da wird überholt, als handele es sich um ein stehendes Hindernis und 5 cm vor den Füßen des „Gegners“ wieder eingegrätscht. Kurven werden vorschriftsmäßig innen auf der kürzesten Distanz genommen, egal ob man dazu jemanden wegstoßen muss. Keine 5 Kilometer später sehe ich diese Kandidaten dann schon wandern – natürlich wieder in der Mitte des Wegs – weil sie nichtmal ihre 7 oder wieviel Kilometer anständig schaffen. Wie gesagt, bei weitem nicht alle, aber einfach zuviele.

Ich genieße meinen Lauf und freue mich, dass ich keinen Einbruch habe. Bis ich bei km 27 über eine Bodenwelle schanze. Ganz böse. Der Aufprall ist hart und ich muss erstmal hinstehen, bevor ich weiterlaufen kann. Verdammt. Beide Knie hart aufgeschlagen und Abschürfungen an den Handflächen. Vor allem das linke Knie ist mies und ich spüre, wie es dick wird. Insgesamt sind die Straßen und Wege auf der zweiten Hälfte teilweise recht löchrig und uneben und zum Teil nur sehr sehr lausig beleuchtet. Die Strecke wird meiner Meinung nach der Veranstaltung nicht gerecht. Der Sturz hat mir den Stecker gezogen. Ich laufe zwar noch gut weiter, bin aber jetzt unsicher und sehr vorsichtig. Kurz  nach dem Wendepunkt sehe ich Manu, sie ist nur ganz knapp hinter mir und holt mich 2 Kilometer später ein. Sie hat den Flow und das Rennen ihres Lebens 🙂 Tobi ist auch noch super beisammen, lässt Manu jetzt aber rennen. Ein Stück laufen wir zusammen, aber er ist mir zu schnell, ich mag mich nicht so quälen. Auf dem Rückweg steht ein Helfer an meiner Stolperstelle, leuchtet die Bodenwelle aus und ruft Warnungen. Ich bin echt sauer. Der Lauf ist da eigentlich durch. Es ist ein einsames Rennen und ich freue mich immer wieder über das nette Pärchen aus Bühlertal, wenn wir uns gegenseitig überholen.

Annette macht die 5-Stunden-Pace und kommt mir mit ihrem Ballon entgegen. Sie fährt heute Nacht noch nach Mainz und läuft dort morgen den Marathon. Es ist mir nicht ganz leicht gefallen, das Mitreiseangebot abzulehnen, aber im Moment bin ich froh 🙂 Bis km 35 laufe ich noch ein anständiges Tempo, dann habe ich keine Lust mehr. Es stimmt nicht so ganz im Gedärm und ich will nicht so sehr an die Substanz gehen, also trabe ich die letzten 7 Kilometer gemütlich zuende, betraure keine Verluste und bin einfach zufrieden mit mir. Ein Stück lang geht es direkt am Rhein entlang auf einem schmalen Radweg, das gefällt mir gut, die Dimensionen von Fluss und Stadt sind schon beeindruckend.

Dann wieder über die Brücke, an deren Fuß ein Läufer in Kurz-vor-Kollaps-Haltung verzweifelt auf einem Mäuerchen hängt, Oberkörper nach vornüber gekippt, Füße auf den Boden hängend, ich schätze mal auf halbes Delirium und 3 Minuten vor dem Speiben. Zwei Ordnungshüter stehen in sehr sicherem Abstand recht unbeteiligt daneben, einer raucht. Wozu dem Kerl auch die Füße hochhalten oder ihm gut zureden, bald ist ja eh Feierabend, und für diesen Kandidaten sowieso schon. Ich fühle mich da jetzt aber auch nicht zuständig. Auf der Brücke viel Verkehr, einige Autofahrer hupen zum Anfeuern. Bei km 39,5 sorgt ein Radiomoderator für Stimmung und erzählt jedem vorbeikommenden Läufer, dass wir schon bei km 37 sind und nur noch 2 km ins Ziel fehlen – Vorbereitung ist eben alles. Hier geht es auch durch den schummrig beleuchteten Schlosshof über Pflastersteine – schön gemacht, aber leider so duster, dass man besser auf den Boden guckt. Die letzten zwei Kilometer laufe ich wieder mit den beiden Netten aus Bühlertal. Mit 4:21 komme ich nach Hause, das ist an sich grottenschlecht, aber mir völlig egal.

So schön auch der Zieleinlauf ist, die Zielverpflegung ist aus der Hölle. Sie ist in ein schmales Areal gequetscht, es gibt keine Sitzmöglichkeiten und keinen Platz auf dem Boden, die ersten Stände nur Wasser und es sind mehr Zuschauer als Läufer da drin. Mit letzter Kraft schaffe ich es an den Bierstand, greife mir eine Flasche und steige über eine Absperrung, um mich hinter den Zelten auf die Stufen zu setzen, nur raus aus dem Gedränge. Nach 2 Minuten hab ich schon einen total dummen Kopf, denn das Bier ist kein Alkoholfreies. Natürlich kann ich das Etikett nicht lesen, aber die Wirkung ist eindeutig. Jetzt hab ich ein Problem, denn mir ist übelst schwindelig. Kurz treffe ich noch Bernhard aus Hemsbach, der normalerweise schneller ist als ich, aber hinter mir reinkommt. Mit ihm wärs sicher lustig gewesen.

Manu ist eine 4:04 mit Negativsplit gelaufen und strahlt 🙂 Wir müssen jetzt schnell zum Duschen, da es nur noch eine einzige SBahn gibt, die uns in die geforderte Richtung bringt. Die Duschen sind in einem dunklen Keller mit äußerst dubiosem Eingang und nicht besonders gut ausgeschildert, aber zum Glück leer und warm. Die SBahn erreichen wir aber wirklich in der allerletzten Sekunde. Ich bin dankbar, dass Tobi uns nach Hause fährt 🙂

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter run veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Mannheim Marathon – 9.5.2015

  1. Joachim schreibt:

    Hi Kati,
    schade, dass wir Dich in Mannheim nicht entdeckt haben. Bei welcher Veranstaltung im Umkreis von 100km läufst Du eigentlich nicht mit? 😉

    — Outing ein —

    Bin zusammen mit Tina auch eine Zweierstaffel gelaufen (Duo-Marathon) – Sorry! 😉

    — Outing aus —

    Die Bodenwellen bei Dunkelheit finde ich auch ätzend. Echt stark von Dir, nach dem Sturz weiter durchzuziehen! Auf der zweiten Hälfte stehen mir definitiv zu wenig Ordner und von den vorhandenen zeigen zu wenige aktiv die Richtung an. Hatte mir schon letztes Jahr geschworen, nicht wieder in Mannheim zu Laufen, diesmal wieder. Und habe leider die Befürchtung, mich wieder nicht dran zu halten… 😉

    42195 Grüße,
    Joachim

    • Kati schreibt:

      hi Joachim, ja schade dass wir uns nicht gesehen haben. Ich bin sicher, Ihr habt Euch als Staffel vorbildlich verhalten 😉 und seid auch in der Lage, Eure Distanz ohne Wanderung zu absolvieren *ggg*. Naja – was das Weiterlaufen angeht – es war nicht soo schlimm, es ging ja noch einigermaßen schmerzfrei und hat nicht geschadet – und mir war auch das ganze Bohei echt zu viel, wo ich denn stattdessen hin, bzw wie ich wieder zurück kommen soll…

  2. Annette schreibt:

    ….“Fehlleitung im Marathon, die besonders dramatisch die deutsche Spitze mit Sauter und Neuschwander betrifft, bis zum Fußvolk wohl aber wieder ausgeglichen werden kann“

    Ne, Kati. Mein Männel zähle ich zum Fußvolk. Und der hat 2014 eine für ihn sagenhafte neue Bestzeit (03:31) aufgestellt. Dreimal darfst du raten, wieso! Da haben wir letztes Jahr doch alles richtig gemacht, als wir in Schefflenz unterwegs waren!

    Es war schön, Dich auf der Strecke gesehen zu haben! Erkannt hätte ich dich wohl nicht. Lags an der Dunkelheit oder doch eher an Deinem immensen Tempo?? 😉

    • Kati schreibt:

      hach – 3:31 hätt mir auch gut gefallen 🙂 Wir sehen uns ausführlicher in Bretten !! Klar, bei Nacht hätte ich Dich auch nicht erkannt, aber hab schon seit Kilometern auf Deinen Ballon gelauert 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s