100 km DM in St. Leon-Rot – 11.4.2015

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(vielen Dank für die Bilder an Jochen, Norbert und Günter Krehl. Fotos mehr oder weniger in umgekehrter Reihenfolge..)

die Gerüchte verdichten sich schon im Herbst: Es soll einen 100er in BaWü geben, flach, asphaltiert und bei Tag. Den kann ich mir ja wohl net nauslassen 🙂 ((und außerdem gibt das 100 Punkte im Kampf um die Tafel Olympia gegen den Greppi))

Später kommt heraus: Es sind die Deutschen Meisterschaften, und zwar in einem geschlossenen Lauf. Teilnehmen kann nur, wer einen Startpass besitzt, und es gibt eine Pflicht- oder Quali-Zeit von 13 Stunden (bei den jüngeren Männern sind es 11:30). Müsste für mich gerade noch so machbar sein, in Biel war ich seither immer schneller, und es ist doch hoffentlich einfacher als Biel, so dass die Konditionen mein etabliertes Formtief vielleicht wettmachen. Aber eine Stunde ist auch schnell verbummelt, so auf 100 Kilometer. Egal. Augen zu und durch. Ich bin der erste auf der Meldeliste.

Aufstehen um 4 Uhr, Abfahrt bei Birgit und Norbert um 4:55 Uhr, Ankunft in St. Leon-Rot gegen 6 Uhr, Start um 7 Uhr. Alles vergleichsweise entspannt, bzw mehr noch so halb komatös. Norbert muss noch sein gebrochenes Bein schonen und macht den Betreuer für uns 🙂 Ich packe und plane mal so, dass ich ihn nicht zu sehr beanspruche.

Die 100 km werden in einer 5-km-Runde gelaufen, die unspektakulär aber landschaftlich angenehm über und um den Golfplatz herum läuft. Es ist tatsächlich topfeben, auch wenn Birgit das gar nicht findet. Hier finden im Frühjahr und Herbst auch Halbmarathons und 10er statt und ich sags gleich: Ich hoffe sehr, dass der 100er keine einmalige Angelegenheit war. Vom Charme her hätte es absolut Rodgau-Potenzial. Ich würd sofort nochmal hingehen. Obwohl ich mir ja beim Zieleinlauf geschworen hab, dass ich nie nie nie wieder auch nur irgendwas laufen werde.

Am Start ist es noch kühl, und der Himmel ist verhangen. Seltsam – ich habe mit über 20 Grad und einem warmen, sehr sonnigen Tag gerechnet, aber das sieht gar nicht gut aus. Hoffentlich regnet sich das nicht ein. Das Feld sortiert sich vom Start weg und die Leistungsunterschiede der 119 Teilnehmer sind so groß, dass man sofort frei läuft. Ich laufe einen 6er-Schnitt, langsamer bringt mir nix, auch wenn ich das nicht lange halten kann. Andere die im 6er-Schnitt loslaufen, die können das. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Es läuft nicht schlecht. Abgesehen von den Tierhaaren, die hier satt in der Luft hängen. Auf der letzten langen Geraden vor dem Stadion sind mehrere Gehöfte mit unterschiedlichen Viechern. Ziegen, ein Hundeverein, zwei Reitanlagen… zu Anfang plagt es mich ein wenig, dann verdünnt sich die Pest im Wind.

Immer wieder finden sich nette Mitläufer, die sind mir dann aber doch alle zu schnell, außerdem muss ich meine Luft sparen. Robert läuft seine letzte Runde mit mir, er hat nach 30 oder 35 km genug. Inzwischen habe ich mich mehrfach umgezogen, denn das Wetter ist nicht wie erwartet. Wo ist die Sonne? Ärmellos ist zu kalt, zwei Schichten sind zu warm, also muss ich auf das elegante blaue Modell zurückgreifen, das ich eigentlich nach der ersten Runde wegwerfen wollte. Sieht natürlich jetzt sehr schwer beknackt aus, aber darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Der Wind ist schon ganz ordentlich.

Recht gut und mit einer sehr ordentlichen 30-km-Durchlaufzeit von 3:08 komme ich bis etwa km 35, da steht plötzlich der Turbo Gerry als Zuschauer auf dem Posten, er macht einen Stopp auf dem Weg zu seinem eigenen Lauf am Sonntag. Auch Nicole kommt zum Anfeuern, während Jochen heute bei den Sanitätern angeheuert zu haben scheint (Achtung Insider).

Sarah muss leider schon ganz früh raus und bleibt dann aber in Zivil tapfer die ganze Zeit an der Strecke. Joachim läuft lange hinter mir, macht mich dann aber auch noch weg 🙂

Marathondurchlauf nicht mehr ganz soooo entspannt mit 4:29 – na bitte, letztens in Rom waren das noch 4:42 🙂 Ich laufe konzentriert und verzichte auf unnötiges Trödeln, denn groß Zeit zu verlieren hab ich nicht. Auch die Verpflegungspausen muss ich so kurz wie vertretbar halten, damit sich das nicht aufsummiert. Im Nachhinein besehen klappt das recht gut, auch hintenraus.

Bei km 50 komme ich mit 5:30 durch, das ist gemessen an den 5:17 von Rodgau auch sehr ansehnlich und für heute das best case szenario, zumal ich mich noch wesentlich besser fühle als im Januar. Allerdings nicht mehr so gut, um mir die nächsten 50 noch wirklich vorstellen zu können. Eigentlich hätt ich jetzt doch schon genug.

Hier kommen mir jetzt aber die 5-km-Runden sehr entgegen, es mag zwar eintönig sein, aber zumindest weiß ich, was mich erwartet. Die Spitzen kommen immer wieder vorbeigeschossen und vor allem bei den Männern ist gut zu sehen, wie die Gruppe langsam auseinanderfällt. Ich möchte natürlich, dass Micha gewinnt, die anderen kenne ich eh nicht 🙂

Bei den Frauen rennen Pamela und Branka mit deutlichem Abstand hinter einer großen, kräftigen Läuferin drein, die ein sehr ambitioniertes Tempo vorgibt. Frida ist Schwedin und daher gar nicht in der Wertung, wie man später erfährt, und sie wird ihr Rennen sensationell zu Ende laufen. Ich seh immer zu, dass ich keinem im Weg bin.

Der Vanman moderiert sehr nett und aufmunternd jeden Zieldurchlauf und auch Gabi und Peter bieten mir moralischen Hinterhalt. Norbert möchte mir auch in jeder Runde was Gutes tun, und auch die Betreuer der anderen Läufer feuern jeden an, der sich noch vom Fleck bewegt. Es ist eine wirklich gute Stimmung, und die trägt einen eben auch. Obwohl ich mir in manchen Runden wünschte, dass mich einfach keiner sieht und keiner anspricht.

Irgendwo hinter km 60 merke dann auch ich endlich, dass der Wind eine echte Herausforderung ist. Auf manchen Teilstücken bläst es so sehr, dass ich nur mit Mühe dagegen anlaufen kann. Rückenwind dagegen ist mal wieder Fehlanzeige. So langsam bekomme ich auch mit, dass sehr viele Teilnehmer ihr Rennen abbrechen. Aus welchen Gründen auch immer, aber ich schätze, die Moral dürfte hier keine kleine Rolle gespielt haben. Am Ende gibt es eine Abbrecherquote von knapp 30%. Angesichts der Qualität des Läuferfelds finde ich das enorm hoch.

Übers Abbrechen denke ich nicht nach, denn mir fehlt in dem Sinne nix. Meine Schuhe drücken an den Zehen und die Zerrung macht sich bemerkbar, das zermürbt. Hinter km 70 vertrage ich das Brot plötzlich nicht mehr, aber alles noch im vertretbaren Bereich.

Hart ist dann aber doch, dass sich das Stadion immer mehr mit Läufern mit Finishermedaillen füllt, während ich noch über 3 Stunden auf der Strecke sein werde. Örks. Die versammelte Ostelsheimer Fraktion feuert mich inzwischen an, Udo ist auch nicht mehr im Rennen, Günter kennt mich jetzt auch und einige andere kenne ich eben vom Sehen. Mal ne andere Frage: wann wird es eigentlich dunkel?

Um den Cutoff bei km 90, den ich mit 11:30 erreicht haben muss, mache ich mir längst keine Sorgen mehr, der passt. Inzwischen kennen die Streckenposten jeden Läufer mit Namen, denn sie haben Meldelisten und kontrollieren zum Teil den Rennverlauf. Die sind echt nett. Wie überhaupt die ganze Orga ganz hervorragend funktioniert und alles tipptopp hergerichtet ist.

Birgit sehe ich die ganze Zeit nicht. Norbert sagt, sie ist nur knapp hinter mir, und das freut mich tierisch, denn dann läuft es ihr offensichtlich gut. Es ist ihr 100ster Marathon, und der soll ihr ja auch positiv in Erinnerung bleiben 🙂 Wennschon, dennschon. Bei km 88 überholt sie mich und rennt dermaßen von Dannen, dass ich nur noch hinterhergucken kann. Zusammen zuende laufen will keine von uns (selbst wenn ich wollte, ich könnte nicht), und das ist auch ok so.

Ich laufe mein Ding halt zuende so gut es geht. Muss mich ziemlich zusammenreißen 🙂 Zeiten und Schnitte sind vollkommen uninteressant, da ist eh nix mehr zu machen, und es geht einfach nur noch darum, eine Runde nach der anderen abzulaufen und nicht die Nerven zu verlieren. Lustig ist irgendwie was anderes. Aber das gehört dazu, und deswegen muss man sich jetzt auch keine Sinnfragen stellen.

Meine Kondition ist schon deutlich besser als bei den letzten langen Läufen, so langsam machen diese sich positiv bemerkbar. Das finde ich gut, und Wunder zu erwarten wäre irgendwie nicht angemessen. Das Ding ist ja, ich WEISS, dass so ein 100er für mich verdammt schwer ist. Und sollte ich es doch vergessen haben, dann fällt es mir jetzt wieder ein.

Trotzdem ist es tatsächlich sehr viel einfacher als Biel. Nicht nur wegen der besseren Sicht, sondern vor allem wegen dem Wegfall des Schlafdefizits. Müde bin ich zwar auch, aber längst nicht so erschöpft wie bei einer durchgelaufenen Nacht. Höhenmeter hat es auch keine, wobei die mich in Biel nie gejuckt haben. Im Gegenteil, ich glaube die Gehpausen sind sogar gar nicht mal schlecht.

Hier mache ich keine – aus moralischen Gründen und weil ich mir selbst nicht über den Weg traue, laufe ich alles komplett durch. Nur bei km 95 erwäge ich ganz kurz aus kompletter Unlust eine Rennaufgabe, denn jetzt ist einfach definitiv klar, dass ich den Rest schaffe und nix mehr dazwischen kommen kann. Die letzte Runde ist immer die einfachste. Aber ich habe wirklich nur noch so wenig Lust auf den nächsten Kampf mit dem Wind, dass ich wirklich kurz denke, ich kann doch eigentlich machen was ich will, oder? Aber natürlich laufe ich dann doch weiter, sonst ärgere ich mich hinter garantiert. Und auch, um mich noch von allen Helfern zu verabschieden und mich zu bedanken. Das ist wichtig.

Mit 12:13 und einem 7. (= letzten) Platz in der AK komme ich ins Ziel, das ist im Vergleich zu meinen Biel-Zeiten wirklich in Ordnung, aber es täuscht. Wäre das hier Biel gewesen, hätte ich 13:30 bis 14 Stunden gebraucht — und das entspricht auch ziemlich genau meiner Einschätzung vor dem Lauf. Eigentlich passt alles. Nacht ist es auch noch nicht, die nächtlichen Bilder oben stammen noch vom Morgen.

Von 119 gestarteten Teilnehmer enden 87 als Finisher, nach mir kommen nur noch 4 ins Ziel und die Streckenposten sind alle erleichtert, dass niemand jetzt noch die Sollzeit knapp verpasst. Auf den letzten zwei Kilometern begleitet mich noch der Herr auf dem Fahrrad, der eigentlich dafür zuständig ist aufzupassen, dass sich kein Läufer Vorteile durch Fahrradbegleitung verschafft. So erfahre ich ein paar Zahlen und bekomme noch einmal mit, mit wieviel Herzblut die Helfer auch dabei sind. Das ist wirklich schön hier.

Bier ist auch noch da, und dann kommt noch die Siegerehrung 🙂 Birgit hat den 3. in der AK abgestaubt und sogar ich darf noch mit aufs Podium, denn die ersten 8 pro AK werden geehrt. Meine Altersklasse ist zäh: hier haben 7 von 9 durchgehalten, in anderen AKs stehen manchmal nur 2 oder 3 Personen oben. Die Mädels sind aber auch wahnsinnig toll gelaufen, echt wahr.

Wie der neue Deutsche Meister Carsten Stegner sein Rennen erlebt hat, könnt Ihr hier lesen.

und Greppi, DAS ist für Dich :

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und hier noch mehr Bilder vom Norbert 🙂

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6 Antworten zu 100 km DM in St. Leon-Rot – 11.4.2015

  1. Theo schreibt:

    Mensch Kati, da krieg ich den Mund nicht mehr zu. Alle Achtung, dass Du das durchgehalten hast. Deine durchgangszeit beim Marathon: echt klasse! Gratulation auch an Birgit, zählt der 100er für zwei Marathons?
    Herzliche Grüße Theo

  2. Roter Sanitätsbaron schreibt:

    Sauschdarg gloffa, Kati! Ich war (und bin) schwer beeindruckt, des war a aschtreine Leischdong onder denne Bedingonga. Selbscht mei Gschwätz hat Di net aus dr Ruah brocht….ond des will äbbes hoißa! 🙂

  3. Wolfgang Meinolf schreibt:

    Hallo Kati, schöner Bericht. Danke für die nette Unterhaltung auf den ersten paar KM und Entschuldigung, dass ich Deinen Zieleinlauf nicht abwartete. Aber ich war der festen Überzeugung, Du hättest schon vor mir gefinisht und ich wäre einer der Letzten gewesen. Schöne Grüße aus der Pfalz und auf Wiedersehen in Berlin im August.

    • Kati schreibt:

      hallo Wolfgang, hast Du mich nicht sogar noch überrundet? Warten wäre wirklich eine lange Angelegenheit geworden *gg*. Rest PN

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