Maratona di Roma – 22.3.2015

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P1020709 P1020678 P1020672 P1020663 P1020646 P1020557 P1020498 P1020495 P1020475 P1020465 P1020451 P1020429 DSCN8246 DSCN8214 DSCN8206 DSCN8162 DSCN8139 DSCN8128  DSCN8055Vor dem Marathon liegen 4 Tage Stadtbesichtigung – da weißt Du dann auch, was Du gelaufen bist. Bis Donnerstag gehe ich die Treppen bevorzugt noch am Handlauf hinunter, so heftig ist der Muskelkater vom Kleinen Ballon. Marathon am Sonntag? Zum Glück habe ich für diesen Lauf keinerlei zeitlichen Ambitionen. 4:30 oder langsamer, mir ist alles recht.

Rom – das muss mal gesagt werden – ist toll. Barock, Mittelalter, Pomp und Gloria neben Dreck, Krach, Müll und Obdachlosen. Menschenmassen in kleinen Gassen, endlose Warteschlangen fast überall, verstopfte U-Bahnen, Schülerpulks, Japaner, Engländer, Holländer. Die paar Läufer verlieren sich einfach im Stadtbild. Lärm, Hektik, Autos, ein Souvenirshop am anderen. Wir haben alles angeschaut, bei schönem, lauem Frühlingswetter und ein bisschen Sonne.

Am Marathonmorgen trommelt der Regen auf die Blechdächer. Frühes Aufstehen lohnt nicht. Als wir am Frühstück sitzen, kommen die Wolkenbrüche in Wellen. Um 7:50 Uhr beginnt die Startaufstellung, da soll man eigentlich dort sein, der Start ist um 8:50 Uhr. Wir verlassen das Haus nach 8 Uhr, es regnet leicht, aber ertragbar. Mit meiner Wegwerfjacke und dem notgekauften Touri-Basecap kann ich modisch grad noch so bei den Gestalten in Plastiksäcken mithalten. Parade unterm Kolosseum. Zum Glück ist es nicht so kalt.

Am Startbereich werden 12.000 Starter von 2 Helfern kontrolliert, ohne Startnummer kommst Du nicht in den Korridor. Es geht, aber der Sinn erschließt sich mir nicht. Wir starten aus Startblock Y. Der Brutto-Netto-Versatz beträgt ca. 6 Minuten, das Kopfsteinpflaster ist nass und rutschig wie Schmierseife. Es regnet. Das kann ja lustig werden. Die Geschwindigkeit ist höchst langsam, der Party-Faktor auf den ersten Metern extrem hoch. Mir tut jeder leid, der jetzt Schnitte machen möchte. Martin und mir ists wurscht. Wir können hier so lange mittraben, bis es sich entzerrt.

Am Monumento Vittorio Emanuele vorbei, noch ein wenig durch die Prachtbauten, und spätestens bei km 3 sind wir schon draußen aus den Schönheiten der Stadt, von denen wir bis weit hinter km 10 dann auch nichts mehr sehen. Wir laufen einen entspannten 6er-Schnitt, der mich keineswegs langweilt. Es wird wärmer und ich werfe die Jacke weg. Später im strömenden Regen hätt ich sie gern wieder gehabt.

Schön ist anders, aber die Stimmung im Fußvolk ist gut. Wir überholen den 4:45er-Ballon. Alles ganz entspannt. Es ist ein Trainingslauf, die großen Erlebnisse bleiben irgendwie aus. Ich bin nicht überwältigt. Nicht dass ich unzufrieden wäre oder nörgeln wollte, vielleicht bin ich einfach nur schon zu viele Stadtmarathons gelaufen? Zurück Richtung Stadt führt die Strecke am Tiber entlang, was bei Sonnenschein wahrscheinlich schon recht attraktiv wäre. Im Moment ist es einfach nur kalt und windig und der Regen nimmt wieder zu. Die VPs funktionieren hervorragend, so wie überhaupt der ganze Lauf inklusive Messe sehr gut organisiert ist – da hätte ich in Italien eindeutig weniger hohe Ansprüche gehabt.

Martin steigt wie geplant bei km 16 aus und wird bei km 35 ganz in der Nähe wieder auf mich warten. Marathon Griechische Art. Niemand wird betrogen, denn er hat eine reguläre Startnummer und wird durch das Auslassen der Kontrollmatten automatisch disqualifiziert.

Km 17 die Engelsburg, bei km 18 am Petersdom vorbei, das ist ein sehr attraktives Wegstück. Davon kann der gebeutelte Läufer lange zehren, denn was jetzt kommt, ist einfach nur der Kampf um die Kilometer. Unattraktive Strecke durch unattraktive, zuweilen heruntergekommene Gegenden, bestenfalls noch industrielastig. Nun ja. Ich laufe locker bis zum Halbmarathon, 6er-Schnitt ist kein Problem, Halbmarathon in 2:10, da die ersten Kilometer eben doch deutlich langsamer waren. So kann es weitergehen. Doch kaum fertig gedacht, ist der Spaß auch schon vorbei 🙂 Massives Formtief. Blei in den Oberschenkeln. Das Kopfsteinpflaster mit den vielen Pfützen und Löchern, hoch stehenden Steinen und tiefen Kuhlen (die ich oft nicht sehe, sondern nur spüre) war doch anstrengender als gedacht. Meine Muskulatur meldet einen TimeOut, das ist die Rache des Kleinen Ballons.

So what. Dann eben NOCH langsamer, ist mir doch wurscht. Es wird zäh, aber nicht so zäh wie es sein könnte, und ich trabe geduldig einfach weiter und freue mich auf km 35. Pünktlich ab km 28 beginnt die Parade der Lebenden Untoten, in die ich mich unauffällig einreihe. Wir bieten keinen schönen Anblick, aber das macht nichts, denn Zuschauer sind eh nur sehr punktuell vertreten. Wahrscheinlich ist das bei schönem Wetter alles ganz anders, sonst würden nicht so viele Läufer so begeistert von diesem Marathon berichten.

An der Station bei km 35 wartet Martin, und auch der 4:45er-Ballon überholt mich jetzt wieder. Auf die Uhr schaue ich längst nicht mehr. Es nieselt nur noch leicht und die zwei Schichten Shirt lösen sich so langsam wieder vom Körper. Auf den nächsten Kilometern schauen wir uns Innenstadtbereiche an, hier waren wir die letzten Tage schon unterwegs. Bei km 38 geht es die Fußgängerzone hinauf, oben einmal um die riesige Piazza del Popolo, dann über die Spagna zurück. Wenig los ist hier, die Laufstrecke mit Gittern abgegrenzt. Auf der Spanischen Treppe sitzt heute kaum einer. Bei km 40 geht es durch einen langen und grausig beschallten Tunnel, alles auf Kopfsteinpflaster. Hier, so stelle ich mir vor, hat es sicher schon manchem den Kreislaufstecker gezogen. Ich muss an den Ulrich denken, der hier schon eine 4:01 gelaufen ist – saubere Leistung.

Die letzten 2 Kilometer sind ein verwinkeltes Auslaufen, teils bergab. Dieser Marathon ist übrigens nicht wirklich flach. Schnell laufen möchte ich hier wirklich nicht müssen, die Spitze tut mir leid – Du kannst Dir echt schnell den Hals brechen. Seit wann denke ich eigentlich wie ein Rentner? Rollator Alert.

Gut gelaunt schlurfen Martin und ich über die Ziellinie. 4.42 zeigt das Ührchen, na wenn das mal kein Ergebnis ist? Der Zielschluss liegt bei 7 Stunden, der letzte Teilnehmer wird mit 7:08 ins Ziel kommen. Knapp die Hälfte der Teilnehmer sind Ausländer, die Frauenquote beträgt nur ca. 1:5 – untypisch für einen Stadtmarathon.

In kurzer Abfolge gibt es Medaille, Wärmefolie und einen Verpflegungsbeutel. Zusätzlich dazu kann man sich Verpflegung in Einzelteilen und im Überfluss abholen, wenn man denn möchte. Merke: Wir sind hinten, und alles ist noch ausreichend verfügbar. Zusammen mit Marathonrucksack und eher hochwertigem Funktionsshirt ein gutes Angebot. Meldegebühr zwischen 70 und 150 EUR.

Insgesamt ein runder Lauf, und übers Wetter meckern eh nur Anfänger. Mein subjektiver Eindruck ist aber trotzdem, dass dies in großen Teilen, also bestimmt in über 50% der Strecke, einer der hässlichsten, dreckigsten und unattraktivsten Stadtmarathons ist, die ich je gelaufen bin. Wie gesagt: subjektiv. Schön war es irgendwie trotzdem, vor allem im Kontext des gesamten Kurzurlaubs.

* verregnete Bilder könnt Ihr im Bericht von Klaus Klein auf M4you anschauen.

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3 Antworten zu Maratona di Roma – 22.3.2015

  1. jollyjumper123 schreibt:

    Das Video hab ich mir jetzt nicht angesehen, aber ich habe mich gefreut, dass Martin sein Vorhaben dann doch umsetzen konnte. Und der schöne Kurzurlaub in Rom sei euch gegönnt! 🙂

    Wie viele Marathons brauchst du noch bis zum 100.?

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