Bottwartal Halbmarathon – 19.10.2014

www.bottwartal-marathon.de

Ist es wirklich schon 3 Jahre her? Ich mag ja bekanntermaßen nix Neues, und deshalb bin ich gespannt auf die neue Infrastruktur des Bottwartälers, der jetzt nicht mehr in Großbottwar, sondern in Steinheim startet. Seit 2012 gibt es nun keinen Nord- und Süd-Halbmarathon mehr, sondern nur noch einen einzigen. Dafür aber seit 2013 den neuen Urmensch-Ultra mit 50 km. Den ich schweren Herzens nicht laufe, und auch nicht den Marathon, denn was zuviel ist, ist einfach zuviel. Befremdlich ist es aber schon. Ich fahre zu einem Lauf, der verschiedene Streckenlängen anbietet, und ich bin fast auf der kürzesten. Kommt selten vor. Nur Hannes und Biggi können das noch toppen, denn sie melden schnell den Zehner nach. In der Halle treffe ich noch Dani, die als letzten Lauf vor New York einen gemütlichen 3/4-Marathon laufen will und Micha aus meinem Verein, der mir gleich eine Kampfansage macht *hihi* so ists recht.

Birgit, Du bist echt schnell mit der Kamera :)

Birgit, Du bist echt schnell mit der Kamera 🙂

Manu ist im Marathon unterwegs, den ich noch starten sehen hab, allerdings ohne sie zu entdecken. Dafür finde ich Birgit und Norbert, die in keiner Startliste standen. Ulli ist auch mal wieder dabei und auf dem HM. Die Urmenschen mit Gerhard, Harald, Axel und Keule sind schon um 9 Uhr los – Anton und Heidi laufen zu meiner Überraschung auch, und auch sonst kenne ich da glaub mehr Starter als auf den anderen Strecken. Theo und Kerstin haben von unterwegs gesimst, dass sie im Stau stehen und es wahrscheinlich nicht mehr klappt. Schöner Mist. Gerhard P in seiner Eigenschaft als Ober-Organisator springt in der Halle herum, hat aber noch Zeit für eine Begrüßung. Mir scheint, er kennt jeden Einzelnen. Vor lauter überall-Herumschwätzen vergesse ich fast noch, das Shirt abzuholen. Echt schön, Langarm und Schwarz, ohne unnötigen Krempel. Kannst nich meckern. Schnell bei Dani in die Tasche damit, denn ich bin natürlich wieder ohne alles hier und das Auto steht zu weit weg auf dem riesigen Parkplatz von irgendeinem Einkaufszentrum. Stau- und stressfreies Parken mit Einweisern, keine 500 Meter zum Startgelände (vorbildlich). In welcher Richtung, habe ich aber sofort vergessen (dumm).

höhe streckeDie neue Streckenführung habe ich nicht wirklich kapiert, in meinem Hirn bleibt lediglich haften, dass der Lauf flach sei und ein minimales negatives Gefälle habe, weshalb nur nationale, aber keine internationale Bestenlistenfähigkeit gegeben ist. Nun, wird mich wahrscheinlich nicht so betreffen. Mit vielen Bussen (keine Wartezeiten) werden wir an den Start zur Halbmarathonmarke transportiert. Ich fühle mich wie ein japanischer Tourist in Stoffschläppchen auf der Zugspitze. Zur Halbmarathonmarke gefahren werden, und von dort aus ins Ziel laufen, das hat ja schon was von Seniorenstift. Naja. Ich schäme mich. Wir starten in Gronau, dort wo seither immer der Bär ganz besonders steppte. Der Streckenverlauf ist wohl in weiten Teilen mit dem alten Lauf identisch, aber so richtig kriege ich es nicht mehr zusammen. Das meiste kommt mir bekannt vor, auch wenn manche Abschnitte glaube ich früher gegenläufig stattfanden. Keine Ahnung, ist auch egal. Das Ziel ist dort, wo der Lauf aus ist.

Das Wetter ist genial. Es wird 25 Grad geben, und unser Start ist erst um 11:00 Uhr. Bzw AB 11 Uhr, denn die 4 Blocks des HM starten mit je 10 Minuten Abstand, um die Strecke zu entlasten. Was sehr sehr sehr weise ist. Ich bin im dritten Block, bei „ab 2 Stunden“. Ist mir auch wurscht, dann kann ich vielleicht wenigstens mal jemanden überholen. Eigentlich will ich unter 1:50 laufen. Wenn in Ulm 1:52 im Durchgang möglich waren, dann ist das doch nicht sooo abwegig.

Das Startareal in Gronau ist sehr durchdacht gelöst. Der Durchlauf für den Marathon und die ganz schnellen Ultras ist mit Gittern perfekt abgesperrt, und sogar für die Startaufstellung des HM gibt es einzeln abgetrennte Startblöcke. Viele Helfer und eine Moderation gegen die Langeweile, Herr Roy informiert über die Dosierung von Gel… Sehr professionell, ich bin beeindruckt. Mit 1:18 kommt die erste Staffel um die Kurve gerannt, mit 1:19 folgt der Marathonführende. Dann kommt eine Weile nix, und dann kommen sie Schlag auf Schlag. Derweil sich bei unserem Halbmarathonstart nix tut. Die Starts erfolgen zwar im Plan, man hat aber durchaus den Eindruck, dass es keinen der Läufer wirklich auf die Strecke zieht. Hier in der Sonne überm Zaun hängen und die anderen anfeuern macht einfach viel mehr Spaß. Regina kommt konzentriert und gut gestyled mit einer fantastischen Durchgangszeit von 1:34 oder so vorbei, kurz hinter Sissi. Jochen kontrolliert den 3:30-Pacer (ich wollte schreiben „pacet“, aber das kann man nicht lesen). Es ist inzwischen gut warm, und die 21 km stehen den Damen und Herren ins Gesicht geschrieben – so recht locker sieht keiner mehr aus, die vom 3/4-Marathon auch nicht, obwohl die erst 11 km haben. Ich überlege, ob ich nicht doch lieber einen Spaßlauf…

Da kommen Theo und Kerstin, sie haben es doch noch geschafft. Kerstin möchte ja gern mal unter 2 Stunden laufen, aber das scheint heut nicht der ideale Tag dafür zu sein. Ich weiß auch nicht. Gleich geht es los, und ich muss mich jetzt echt zusammenreißen. Die ersten Kilometer gehen ganz gut, aber verdammt, da sind echt Anstiege drin. Und die Sonne knallt nur so herein. 25 Grad hat das mindestens. Es ist herrlich, vielleicht der letzte richtig warme Tag für Monate. Aber laufen kann man da halt nicht so. Ich laufe halt was ich kann und es fühlt sich ok an, aber ich werd mich hier nicht ins Koma laufen. Schon nach wenigen Kilometern sieht man zunehmend schwankende Gestalten, und die haben nicht alle Marathon- oder Ultrastartnummern. Im Gegenteil. Die Ultras, die vor unserem Start durch sind, das sind die ganz Schnellen, von denen macht keiner schlapp. Aber die Marathonisten lassen natürlich nach, ist ja auch klar. Ich versuche mal, jedem den ich überhole etwas Aufmunterndes zu sagen (natürlich nur wenn er nett aussieht, aber auch den Mädels) und verteile Traubenzucker. Das ist jetzt nicht weil ich nett bin, sondern weil ich so gut mitfühlen kann und genau weiß, wie es denen geht. In den schnelleren HM hineinzulaufen ist kein Spaß.

Zwei Läufer werden von medizinischem Personal betreut, aber vielen geht es nicht gut. Ein klares Zeichen für mich, mich hier jetzt nicht ins Rabättchen zu laufen. Ja, und ständig geht es irgendeinen verdammten Hügel hinauf. Was ist das? Wo sind diese 10 km abfallende Strecke? Selbst im hinteren Teil ist es bestenfalls flach… Durst habe ich auch ständig, obwohl die Wasserstationen alle 5 km eigentlich ausreichen, ist schließlich Mitte Oktober. Heute halt nicht so richtig. Voller Schrecken erkenne ich die Begegnungsstrecke vor Beilstein, ich weiß genau, was da gleich kommt. Nee danke *stöhn* – hoffentlich kennt mich hier keiner. Am Aufgang zum Fahrradrondell erwische ich Daniel, km 10, der braucht ganz viel Motivation… Naja, ist ja bloß ein Halber. Gottseidank muss ich jetzt nicht den Marathon laufen. Der Urmensch wär sicher schön, aber auch den vermisse ich nicht soo. Die Stimmung in den kleinen Ortschaften ist bombig. Das Bottwartal hat schon was.

zielAuf den letzten Kilometern habe ich nette Begleitung. Eine Zweier- und eine Dreiergruppe Marathonisten laufen mit mir um die Wette. Alle 5 Männer gewinnen 🙂 Besonders die Zweiergruppe hatte einen tollen Schritt drauf, alle Achtung. Mit 1:58,08 empfängt mich Gerhard nach einem letzten miesen Anstieg im Ziel, die Zielgerade führt auch noch einmal bergauf, ähnlich wie an der Kelter früher, durch die wir auch irgendwann gekommen sind.

Jetzt – ein – Bier. Nein, zwei. Und dann stelle ich mich in die warme Mittagssonne und warte auf die anderen. Manu kommt mit einer für die Bedingungen sehr guten 4:20 rein, Harald und seine Kumpels rennen den Urmenschen unter 5 Stunden – was eine Leistung. Bin echt beeindruckt. Kerstin und Theo haben sich genauso geplagt wie ich. Birgit verpasst die benötigte Quali für den Comrades um 41 Sekunden – aber das macht nix, die wird sie sich woanders holen. Norbert ist mal wieder von äußeren Umständen unbeeindruckt eine 3:35 gelaufen, genauso wie Hannes eine 50er-Zeit auf seinem 10er. Axel sehe ich gerade auch noch hereinkommen. Wir schwätzen alle noch lange in der Sonne herum und genießen den Tag.

Also, die soziale Komponente war beim heutigen Lauf auf jeden Fall besser als die Laufleistung, und ich bin müde, als sei’s ein Marathon gewesen.

Und Herr Schnattopekle, vergiss nicht: Wir setzen jetzt auf Kandel 🙂

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6 Antworten zu Bottwartal Halbmarathon – 19.10.2014

  1. Mathias schreibt:

    Hallo Kathrin, Vielen Dank für den Traubenzucker. Er hat mich noch den letzten Anstieg hoch getragen. Vorher hab ich mich eher gequält und bin meinen Ambitionen hinterher gelaufen. Deine Aufmunterung war wirklich eine nette Motivation.
    Grüße Mathias

    • Kati schreibt:

      Hallo Mathias, das freut mich total, vielen Dank 🙂 Ich hätt gestern echt keinen Marathon laufen wollen 🙂
      (so ganz klar ist mir aber nicht, wie Du mich hier finden konntest). Grüße, Kati

  2. Fendy Kumala schreibt:

    Hallo Kati, ich bin Laufanfänger und laufe seit 6 Monaten. Dein Blog lese ich sehr gerne und es hat mich sehr geholfen um die Strecke abzuschätzen. Und ich muss sagen du bist sehr gut drauf, denn Gestern bin ich auch die HM gelaufen und du hast sie von der Läuferperspektive haargenau beschrieben.
    Ich habe dich Gestern zum ersten Mal gesehen aber traue mich nicht so anzusprechen 🙂
    Also Vielen Dank und schreib weiter.
    Grüße, Fendy

  3. Theo schreibt:

    Hallo Kati, bei diesem Lauf scheiden sich halt die Geister: Den guten Läufern, so wie Dir, machen die äußeren Bedingungen wenig bis nix aus und sie bringen ihre Leistung, während sich die Sonntagsjogger , so wie wir, eine blutige Nase holen. Macht nix, es war trotzdem eine schöne Veranstaltung und nett, Dich getroffen zu haben. Auch von uns „Danke“ für den Traubenzucker!
    Grüße, Theo und auch von Kerstin
    @ Fendy: Kati ist nicht nur eine tolle Läuferin, sondern auch ein echter Kumpel, da kannst Du ruhig „Hallo“ sagen. Respekt vor Deiner Leistung!

  4. Schnattopäckle schreibt:

    So, und genau SO war’s. 25 Gräder sind ja noch weit untertrieben, die wird’s in Kandel nicht haben, wenn wir uns gegenseitig zu einer 3:xx h petzen, äh, päicen. Und dass der Herr Zatopekle den 3:30 h-Pacer kontrolliert hat, war wohl eine Fata Morgana. Auch das gibt’s im Bottwartal.

    Grüße vom

    Homo steinheimensis

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