Allgäu Panorama Marathon – 24.8.2014

P1020294www.allgaeu-panorama-marathon.de

(Start Nr. 3 auf dem Marathon, ältere Berichte HIER)

höhe streckeEinen Marathon mit Höhenmetern eine Woche nach den 100 Meilen zu laufen, das ist wahrscheinlich wirklich nicht die allerbeste Idee, letztes Jahr starb ich schon auf dem Frankenweg eine Woche nach Biel, und von der ganzen Laufbericht-Schreiberei bin ich auch schon total erschöpft. Aber da ist halt noch der Startplatzübertrag aus dem letzten Jahr, und den kann ich doch nicht einfach verfallen lassen, mein zweiter Name ist Teflon. Also Augen zu und durch.

Alles was Rang und Namen oder den Mut der Verzweiflung hat ist auf dem Ultra, nur Anja, Axel, Dieter und ich sind auf dem Marathon. Anja wird das auf einem Bein runterrennen, Axel wird mich wahrscheinlich auch versägen und Dieter wünsche ich, dass er den Cutoff schafft. Erst beim Plain Vanilla habe ich gesehen, wie toll er immer noch läuft, vor allem wie beherrscht, und deshalb nicht mehr am Limit. Was wirklich bewundernswert ist, mein lieber Dieter, auch wenn Du das vom „Alter“ immer lieber nicht hören willst.

10577166_512158475585047_6931968686305287740_n 10639725_512158515585043_2905266425164800695_n<- Greppi und Charly sind auf dem Ultra und schon 2 Stunden vor uns gestartet.Wenn sie gut durchkommen, werden wir uns heute leider gar nicht sehen, denn dann sind wir schon weg, wenn sie ins Ziel kommen.

Kurz und gut. Es regnet am Start und ist schweinekalt, soll aber „gleich“ aufreißen. Schwierig, was man da jetzt anzieht. Ich wähle einen Kompromiss und werde es bitter bereuen, denn es regnet noch die nächsten 3 Stunden, und dazu bläst ein sehr kalter Wind. In den höheren Lagen sind die Temperaturen deutlich unter 10 Grad, ich schätze so um die 5. Auf dem Ultra graupelt es sogar. Ja, es ist dieser Oktober, der ein August sein wollte…

Wie immer wird viel zu schnell losgelaufen. Ich erwische mich dabei, wie ich mich im 5er-Schnitt mitreißen lasse, was wie immer völliger Blödsinn ist. Doch ein Dixi am Sonthofener See bremst mich aus 🙂 Danach geht es bald in die ersten Anstiege, und als einer der ganz wenigen habe ich Stöcke dabei. Ich hätte auch schon eine lustige Antwort parat, falls mich wie so oft wieder einer fragt, ob dies mein erster Marathon ist – aber leider fragt heute keiner. Mit den Stöcken läuft es sich einfach leichter.

Bei km 8 zeigt mir ein Blick nach hinten, dass nach mir nicht mehr viel kommt. 400 Läufer sind unterwegs, und es können nicht mehr viele hinter mir sein. So richtig anstrengen kann ich mich am Berg nicht, also gehe ich einfach zügig so, dass ich noch genügend Luft habe. Bei 3:15 müssen wir in Grasgehren durch, dort ist der Cut-off. Es ist mir aber egal. Wenn ich es nicht schaffe, laufe ich einfach privat zuende. Hier wird nicht wie bei den 4Trails sofort abgarniert, und außerdem kann ich die Strecke wahrscheinlich sowieso auswendig (im Nachhinein: EINEN Abzweig hätt ich nicht bekommen… ). Ich bin also vergleichsweise entspannt, auch wenn es mir lieber wäre, den Cut-off ohne lästige Diskussionen hinter mich zu bringen.

g-1g-2Der Untergrund ist furchtbar matschig und die Muskulatur wird stark beansprucht. Dafür ist es so kalt, dass der Kreislauf quasi von selbst läuft. Schwitzen? wär mir jetzt recht. Meine Hände sind schon an den Stöcken festgefroren, der kalte Wind bläst durch die nassen Haare, hätte ich doch nur die Mütze statt des Visors auf. Mir ist wirklich grenzwertig kalt und wenn ich nicht genau wüsste, dass wir bald wieder absteigen, dann hätte ich jetzt Angst vor Unterkühlung. Auch der Aufstieg auf den Weiherkopf kann es nicht richten. Hier finden wir eine topfebene glatte Rutschbahn, die wir hinauf müssen. Kein Weg mehr weit und breit, nur noch Matsch. Mit meinen Stöcken marschiere ich einfach an den anderen vorbei, kann viele einholen. Mir wird und wird aber nicht warm. Oben trinken zwei Jungs einen Gipfelschnaps und ich frage ungeniert, ob ich auch einen Schluck bekomme. Es ist der beste Schnaps, den ich je probiert habe, und ich komme nicht dahinter, was es wohl sein könnte. Hopfenschnaps, bekomme ich später heraus. Wahnsinn.

g-4g-3Hinunter geht’s zur Hörnerbahn, im dichten Läuferpulk, hier sitzt schon der erste Invalide im Gras, er reagiert kaum auf Ansprache, und so bekomme ich nicht heraus, ob er gestürzt ist oder Kreislaufprobleme hat. Ich rufe ihm zu, dass er sitzen bleiben soll, und dass ich ihm jemanden schicke. Ein Retter ist aber schon auf dem Weg zu ihm und hinterher sehe ich ihn wohlauf im Zielbereich. Immer diese Gewissenskonflikte. Hätte ich da MEHR helfen sollen? Seit dem Knilch in Bellheim bin ich ein gebranntes Kind… natürlich würde ich helfen, wenn ganz klar ersichtlich ist, dass es notwendig ist und dass ich helfen kann. Aber genau da steckt ja der Teufel im Detail – oftmals können diejenigen, die wirklich Hilfe brauchen, es auch gar nicht mehr richtig sagen. Ok, ganz ehrlich: nach 2 Minuten habe ich den Herrn auch schon wieder vergessen. So ist das.

g-5g-6Das Flachstück hinüber, dort hinten kommt die nächste VP. Kontrollblick auf die Uhr, verdammt, das wird eng mit dem Zeitlimit! Dieser Matsch kostet einfach enorm Kraft und macht langsam. Der APM ist IMMER schwierig, und normalerweise leidet man in der Gluthitze wie ein Hund, aber das ist mir immer noch lieber als das heutige Wetter. Aussicht = Null, alles verhangen, dreckig und trostlos. Es wäre ok, wenn mir nicht so verdammt kalt wäre, aber im Moment will ich es tatsächlich nur noch hinter mich bringen.

g-7g-8Vor mir springt Axel aus einem Gebüsch, völlig unerwartet, ich wähnte ihn schon über alle Berge. Das ist eine Freude 🙂 Ich sage ihm, dass wir Gas geben müssen, aber so richtig Gas geht bei mir gar nicht, ich kann mich nicht motivieren. Wir rennen das nächste Flachstück und stürzen uns dann zügig in den zweiten großen Anstieg. Das Zeitpolster schmilzt. Es ist neblig, wir sehen gar nicht, wie hoch wir noch hinauf müssen. Dort sitzt der Fotograf. Seltsam, normalerweise sitzt er immer kurz unterhalb der Kuppe. Mir klappt die Kinnlade herunter, als wir ein paar Schritte weiter tatsächlich auf dem Grat stehen. Wie bitte? schon oben? Das war ja nix. Das Zeitlimit ist im Sack. Es geht nur noch nach Grasgehren hinunter, das dauert keine 10 Minuten, und wir kommen mit 26 Minuten im Plus unten an. Zeit genug für eine ausführliche Verpflegung und einen kleinen Stopp.

g-9g-10Hier unten wird es schon etwas wärmer, der Regen hört langsam auf und man kann fast schon ahnen, dass es aufreißen wird. Wirklich? Die nächsten Kilometer laufen Axel und ich einträchtig zusammen und die Zeit vergeht schnell. Ich denke an die armen Ultras, die 5 Stunden unter diesen Bedingungen laufen mussten. Das ist hart. Aber hart war es auch 2011 bei 38 Grad, da kam man körperlich glaube ich mehr an seine Grenzen.

g-11g-12Es hat tatsächlich aufgerissen, die Sonne kommt raus, und es wird ein schöner, warmer Spätsommertag. Wer hätte das für möglich gehalten… Bergab laufe ich schneller als Axel und warte immer wieder auf ihn. Eigentlich wollen wir bis ins Ziel zusammen bleiben, aber das passt heute irgendwie nicht so recht. Axel ist auch schon geschlaucht und läuft mir auch in der Ebene etwas zu langsam. Blöd vor allem, weil es mir grad total locker läuft und ich am liebsten RENNEN würde. Irgendwann mache ich das dann auch, Axel ist da cool und hat kein Problem damit. Es sind noch 13 km bis ins Ziel und ich überhole dann zum 3. oder 4. mal dieselben Leute, ganz zum Schluss auch noch das nette Mädchen vom Anfang.

Die letzten 7 km laufe ich mit Thomas, der ein Shirt vom Bottwartal-Marathon trägt und der Anja gut kennt. War ja klar. Thomas läuft noch ordentlich schnell, und die letzten 3 km wird es dann für mich doch noch zäh. Was bin ich froh, dass das heute nicht der Ultra ist 🙂

Mit 5:41 bin ich gar nicht mal so langsam. Anja ist natürlich unter 5 Stunden gelaufen und Axel kommt knapp unter 6 herein. Nur Dieter kommt nicht, er hat den Cut-off ganz knapp verpasst. Wir bewundern noch lange die schnellsten Ultraläufer und können nicht fassen, wie schnell die da im Gelände herumhirschen. Greppi und Charly kommen auch bald ins Ziel, sie haben in Oberstdorf den Bus genommen, sind aber trotzdem zufrieden. Norbert läuft knapp unter 9 Stunden, Klaus 10-einhalb, Horst ist auch noch unterwegs, und Birgit wird es noch rechtzeitig schaffen – nicht dass ich daran Zweifel gehabt hätte. Gerne hätte ich noch ein paar Selfies aus dem Whirlpool gepostet, aber es war auch ohne Fratzbook lustig 🙂 Martin kommt von seiner Radtour zurück und ist auch zufrieden. Gruselig sind allerdings meine Schuhe – die stinken extrem nach Kuhfladen 🙂

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Eine Antwort zu Allgäu Panorama Marathon – 24.8.2014

  1. Frankenblitz schreibt:

    Hi Kati,
    war ja eine super Leistung! Aber ich bin schon froh, diesmal nicht beim APUT gestartet zu sein. Dann eben in 2015 😁
    Erhol Dich gut!
    der Frankenblitz

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