Bellheim – or not to be

was habe ich mich auf mein Bellheim gefreut. 25 km flach, Westheim – Lustadt – Zeiskam. Hach. Den ganzen Tag schon scharre ich mit den Hufen. Ich will LAUFEN. Ich will sogar SCHNELL laufen, ja ich will RENNEN !!! Das Wetter ist lauwarm mit 25 bewölkten Grad, für den Abend sind starke Gewitter mit Hagel und Unwetterwarnung angesagt – selbst darauf freue ich mich. Bellheim ist einfach Bellheim.

Viel zu früh um 16:30 Uhr fahre ich zuhause los, das Navi errechnet eine Ankuftszeit von 17:48,  Start ist um 19:00 Uhr. Das reicht dicke. Doch schon Pforzheim ist die Autobahn dicht, und zwar GANZ dicht. Alles steht. Schnell rausgefahren und über Land. Errechnete Ankunftszeit 18:20. Na bitte, war der Puffer doch nicht ganz umsonst.

Durch Pforzheim. Geht nicht, denn es gibt eine Großbaustelle, die den ganzen Enzverkehrskreis zum Erliegen bringt. Einige Fußgänger werfen sich lebensmüde vor meinen nichtvorhandenen Kühlergrill. Immer dasselbe, beim Touran traut sich das keiner. Endlich draußen aus Pforzheim, errechnete Ankunftszeit 18:40. Verdammt das wird knapp. Jetzt darf aber nix mehr…

Es zieht sich kilometerweit über Dörfer, teils im Schritttempo, und ich verzweifle fast. An einer roten Ampel reiße ich den Korb aus dem Kofferraum und sortiere während der Fahrt schonmal meine Siebensachen, damit ich in Bellheim nur noch aus dem Auto springen muss. Die errechnete Ankunftszeit stabilisiert sich tatsächlich auf 18:40.

Um 18:25 Uhr beginne ich an den Erfolg zu glauben. Vielleicht holt Theo ja auch schon meine Startnummer ab, oder Biggi, oder Hannes. Gut wenn man Freunde hat. Ein Handy wäre jetzt auch nicht schlecht, liegt aber natürlich zuhause. Egal. Ich bin gleich da.

Plötzlich spricht die Navigation seltsame Worte „Jetzt auf Fähre fahren – dann Fähre verlassen“. Ich bin wie vom Donner gerührt. Leopoldshafen heißt das Kaff. Tatsächlich stehen vor mir ca 200 Autos, aufgeregte Menschen rennen gestikulierend hin und her. Links ist ein 100 Meter breiter Fluss, einfach lächerlich. Das muss der Rhein sein, wirkt aber total mickrig. Von einer Fähre ist weit und breit nichts zu sehen. Wenn das überhaupt eine Autofähre sein soll, dann ist es mit Sicherheit nur so ein Floß, auf das keine 10 Autos passen. Das kann ich knicken. Zumal die Fähre eh gar nicht zu sehen ist, denn es ist Hochwasser, und so ist auch die Uferstraße vor mir überflutet und totalgesperrt.

Richtig gewesen wäre jetzt, durch das Flüsschen zu schwimmen und schnell nach Bellheim zu laufen. Zum Start hätte es nicht mehr gereicht, aber immerhin wäre ich angekommen. Aber nein. Ich wende und fliehe in irgendeine Richtung, von der ich glaube, dass sie parallel zum Rhein verläuft. Irgendwo muss ja wohl mal eine Brücke kommen. Doch es geht nicht. Das Navi findet keine Route, sondern möchte mich immer nur wenden lassen. Standhaft entferne ich mich so weit als möglich von Leopoldshafen. Die durchfahrenen Käffer sagen mir nix, ich weiß aber, dass ich zu weit östlich bin. Da – eine Navigation ist gefunden. Mittlerweile ist die Ankunftszeit bei 19 Uhr. Egal. Dann steige ich nach der Stadtrunde in den Lauf ein, dann ists eben nur ein Halbmarathon. Besser als nix, und jetzt bin ich schonmal da.

Nach einer Weile stehe ich wieder am Hafen vom Leopold. Also nochmal dasselbe Spiel in die andere Richtung, und am Schluss noch einmal in eine dritte. Ich kann machen was ich will, immer wieder führt mich der Weg zur Fähre zurück. Fähren ausschließen kann mein Navi nicht, denn es ist alt. Ich möchte ein neues bitte. Um 19:10 Uhr gebe ich auf. Selbst wenn ich jetzt noch irgendwie nach Bellheim kommen würde, wovon ich weit weit weit entfernt bin – Luftlinie natürlich nicht – dann wäre eh schon alles gelaufen.

Also fahre ich wieder nach Hause. Ankunft 20 Uhr, nach 199 völlig sinnfrei zusammengefahrenen Kilometern. Jetzt wäre ich gerade zwischen Westheim und Lustadt, auf den Feldern würde gearbeitet, das Heu schwebte in der Luft und vielleicht braute sich auch ein niedliches kleines Unwetter zusammen. Es wäre einfach herrlich… Was willst machen…

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10 Antworten zu Bellheim – or not to be

  1. jollyjumper123 schreibt:

    Schöner Sch….!! Eher ein Fahr- als ein Laufbericht. 😉

  2. Schauläufer schreibt:

    Upps, was für ein R(h)ein)fall. So eine Horrorfahrt, da leidet man ja richtig mit. Bisher blieb mir sowas noch erspart. Auch wenn ich oft genug knapp dran war um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
    Am besten du vergisst die ganze Pleite möglichst schnell und die Vorfreude auf Berlin überwiegt. Darf da dieses Jahr auch noch hin, ein Viertel(e) 😉 deiner Strecke abjoggen.

    Grüssle Klaus

  3. Theo schreibt:

    Liebe Kati, habe mich sehr gefreut über diesen Horrorbericht, denn gestern Abend haben wir Dich schmerzlich vermisst und uns noch viel schlimmere Sachen vorgestellt. Die hatten aber auch im Radio gesagt, man solle besser zu Hause bleiben wegen Ferienbeginns und Staugefahr, zudem gabs noch eine Unwetterwarnung für BaWü. Die gute Nachricht: Nächstes Jahr gibt es wieder den Bellheimer Sommernachtslauf und die Möglichkeit, dass wir beide fit und pünktlich am Start stehen. LG Theo

  4. Christof schreibt:

    Liebe Kati,

    auf der Suche nach Berichten und Bildern zum Sommernachtslauf bin ich per Googlesuche auf Deinen Blog gestoßen. Dein DNS ist echt bedauerlich, zumal die Bedingungen dieses Jahr gut waren und das angekündigte Unwetter sich mit ein paar wenigen Regentropfen begnügte. Und in der der Tat sind die Rheinübergänge in dieser Gegend dünn gesät.

    Uns ist das Selbe vor drei Wochen an einem Freitagnachmittag in umgekehrter Richtung aus der Kurpfalz nach Stuttgart passiert. Nicht zum Laufen sondern in die Oper sollte es gehen. Wir waren 2 Stunden vor Konzertbeginn noch 8 km vom Ziel entfernt, aber ein ebensolanger Stau Richtung Innenstadt hat die Zeit aufgefressen und wir sind dann unverrichteter Dinge wieder heimgefahren.

    LG Christof

    • Kati schreibt:

      hallo Christof, das tröstet mich jetzt 🙂 Eine verpasste Oper ist ja noch gemeiner. Schade. Aber sowas passiert halt… Grüße, Kati

  5. Dani schreibt:

    Hi Kati, das soll doch alles net wahr sein, das tut mir wahnsinns leid, so eine Tortur, das kann man wirklich mitfühlen – wie grausam! Ich hatte Dich schon vergeblich in den Ergebnissen gesucht und nun so etwas … nun sind wir also beide erstmals nicht in Bellheim gestartet, nach unserer Bellheim-Serie seit 2008 😦 . Bei mir hat; s doch diesmal auch nicht geklappt, weil wir bei Freunden auf deren Hochzeit eingeladen waren. Und auch ich habe um 19 h an „unseren“ Start gedacht – wow aber näxtes Jahr sind wir wieder mit dabei – das ist schon jetzt fest eingebucht !!! 🙂

    Dicke Grüßles sendet Dir Dani

  6. Nicole schreibt:

    Hallo Kathrin, das kann passieren. Wir kennen noch einen, der auch schon mal an der Rheinfähre auf dem Weg nach Bellheim stand 🙂 Und beim Karlsruher 80er wären wir letztes Jahr ohne die Hilfe von Freunden auch am Stau auf der Autobahn gescheitert. Schade ists trotzdem … Beim nächsten Mal wieder … Grüße von Nicole, die lieber genäht hat, als nach Bellheim zu fahren.

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