4Trails – 9. – 12.7.2014

www.4-trails.com

es ist ein Ding der Unmöglichkeit, diese 4 Tage auf ein paar Worte zu komprimieren. Geht gar nicht. Nicht mal dann, wenn ich nur bei den Fakten bleibe. Und es gibt für jeden Tag noch so viele extra-Geschichten, besondere Momente, Emotionales, Ergreifendes, Nüchternes… Dieser Bericht muss unvollständig bleiben, schon allein auch, weil wie immer Vieles nicht für jeden bestimmt ist 🙂

Ein Stück der 4Trails verschließe ich in meinem Herzen und behalte sie als meine und Martins private Erinnerung, als eine sehr sehr sehr durchwachsene Erfahrung, die ich trotzdem nicht missen möchte. – Wo soll ich nur anfangen.

Vorneweg: Ich bin gescheitert. Furios, mit Pauken und Trompeten, die Berge waren einfach stärker als ich. Ich gehöre zu dem guten Viertel oder fast Drittel der Loser, die bei den 4Trails in keiner Ergebnisliste mehr auftauchen, denn nur FINISHER lohnen der Erwähnung (ok, man findet mich bei Etappe 1). So what. Muss mir egal sein. Ich weiß, was ich geleistet habe.

Geleistet habe ich 4 Tage mit einer gesamten Laufzeit von 27:55 Stunden (die Siegerin der Damen benötigte 18:31 für die bei ihr natürlich vollständige Strecke), 119,71 Kilometern, 8.745 Höhenmetern im Aufstieg und 5.569 Höhenmetern im Abstieg. Eine gewisse Mühe kann ich mir also nicht absprechen. Und auch wenn das pathetisch bis trotzig klingt, ich bin durchaus stolz auf mich. Darauf, WIE ich diesen Lauf gemacht habe, vor allem darauf, was ich alles eben NICHT falsch gemacht habe – aber das mögt Ihr zwischen den Zeilen lesen.

Ich bin an allen 4 Tagen gestartet und jeweils so weit gelaufen, wie ich im Rahmen der Zeitlimits berechtigt war. Leider war es nicht wirklich möglich, ohne Wertung die Distanz auf eigene Faust zuende zu laufen, weil das vom Veranstalter nicht gewünscht war, und konsequent mit Erreichen der Zeitlimits ein Läufer losgeschickt wurde, um die Markierungen zu entfernen. Man hätte zwar auf eigenes Risiko dann noch den Spraymarkierungen folgen können, aber DAS war mir dann echt zu heikel.

Ich bin für meine Verhältnisse sehr gut gelaufen und habe alles gegeben. Trotzdem habe ich nur auf der ersten Etappe alle Zeitlimits geschafft. Ich war einfach zu langsam.

Alle Kilometer- und Höhenangaben in meinem Bericht stammen von meinem Garmin und sind möglicherweise nicht exakt. Die Messungen weichen zum Teil vom offiziellen Streckenplan ab, manchmal bis zu 5%. Das ist mir alles zu kompliziert zum Nachrechnen und auch nicht sooo wichtig. Ich zeige in den Bildern auch nur die Distanzen, die ich gelaufen bin, nicht die kompletten Strecken.

Tag 1 – Mittwoch, 9. Juli

E1-Höhe E1-Strecke E1-Wetter40,01 km
2.619 HM im Aufstieg
2.319 HM im Abstieg
Laufzeit 7:50 Stunden

Ich laufe ohne mich abzuschießen recht ordentlich immer mit einer Stunde Vorsprung vor dem Zeitlimit und befinde im Ziel, dass das die anspruchsvollsten 36/38/40 (?) Kilometer sind, die ich je gelaufen bin. Wohl wissend, dass dies die „einfache“ Einstiegsetappe ist.

Unterwegs lerne ich Roland und Birger kennen, die mir bis zum Schluss erhalten bleiben und die mir ganz arg ans Herz wachsen.

Martin läuft die Etappe auch sehr souverän, allerdings mag er nicht so gern, wenn ich hier über ihn schreibe 🙂

1 2Inzwischen kann ich mich an die Etappe gar nicht mehr erinnern, vor lauter Eindrücken. Es nieselt und regnet den ganzen Tag und ist feucht-warm. Die Sonne werden wir die ganzen 4 Tage gar nicht sehen. Der Boden ist schon von den Vortagen extrem aufgeweicht, schlammig und rutschig, und je höher wir kommen, desto schwieriger wird das werden. Vollends noch, wenn bereits 400 Paar Speedcross vor mir durchgepflügt sind.

Ich bin schon hinten im Feld, aber immer noch mit genügend Menschen. Es sind viele Nette dabei, die auch in meiner Preisklasse laufen. Mit drei Damen fühle ich mich sehr wohl, die aber auch nur noch am zweiten Tag dabei sein werden. Schade.

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Tag 2 – Donnerstag, 10. Juli

E2-Höhe E2-Strecke E2-Wetter.

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33,45 km
2.402 HM im Aufstieg
1.911 HM im Abstieg
Laufzeit 8:06 Stunden

Die absolute Killeretappe, vor der alle zittern. Der ursprüngliche Streckenverlauf muss geändert und entschärft werden, da es frischen Neuschnee gibt und der Veranstalter kein Risiko eingehen will. Als ob es nicht schon Risiko genug wäre, 450 Menschen im Schweinsgalopp durchs Hochalpine zu jagen. Aber jeder ist für sich selbst verantwortlich und muss wissen, was er tut. Martin macht heute einen Ruhetag, aus guten Gründen. Er fährt bei Horst mit, der als Tourist dabei ist.

Trotz der Streckenkürzung ist die Etappe knallhart. Das Feld hinten ist schon dünner geworden, und bald lerne ich Matze kennen, den Schlussläufer. Furchtbar. Ich fühle mich schrecklich und versuche, wieder ein paar Menschen zu überholen. Das gelingt auch, nur gehen die dann schon an der V1 freiwillig raus. Es ist wie ein Fluch: Jeder den ich überhole, gibt das Rennen auf.

Zwischen V1 und V2 ist die Strecke so, wie ich noch nie eine gesehen habe. Senkrechte Aufstiege und senkrechte Abstiege, die ich ohne Stöcke nur auf dem Hintern geschafft hätte. Die Stöcke sind Gold wert. Oben laufen wir auf einem schmalen Grat und blicken viele hundert Meter in Täler rechts und links hinab. Inntal. Unglaublich. Leider ein kurzes Vergnügen, denn die Sicht ist schlecht. Der Boden immer noch sehr aufgeweicht, auch wenn es heute trocken ist. Ein  kurzes Stück ist mit Fixseilen versichert und wird von Bergwachtlern bewacht, die Begehungsanleitung und Hilfe anbieten. Ich schaffe es gut und ohne Angst, aber langsam.

Der Weg zieht sich endlos, es ist so steil, dass ich hoch konzentriert gehen muss. Ein paar andere rennen hier noch, sehen aber äußerst unkontrolliert aus. Sollte man dann vielleicht nicht machen. An der V2 – 6 km vor dem Ziel – bin ich 17 Minuten über dem Zeitlimit und muss aus dem Rennen. Ungeachtet der Tatsache, dass das Limit für die Zielzeit so weit hinten liegt, dass ich es lockerst noch schaffen könnte. Die Zeiten werden hier streng nach Lineal berechnet, 4 km/h müssen gelaufen werden, komplett ohne Berücksichtigung des Höhenprofils. Für die fehlenden 6 km auf breiten Forststraßen und Asphalt bergab hätte ich 1:13 brauchen dürfen.

Ich möchte gerne die Etappe außerhalb der Wertung zuende laufen, aber das geht nicht, da die Schlussläufer die Markierungen schon abgebaut haben. Mein Unverständnis ob soviel Intoleranz kann man sich vorstellen – wir haben es hier mit einem absolut sicheren Wegstück zu tun. Heini, der Plan-B-Chef erklärt mir reichlich ungehalten, dass er die Leute vor sich selbst schützen müsse und dass Läufer oft nicht mehr zurechnungsfähig sind. Ich bin not amused, denn der arme Heini kann nicht wissen, dass man mir ALLES sagen kann, aber mir nicht meinen gesunden Menschenverstand absprechen sollte. Er bekommt meinen Frust ab, und ich seinen, der sich aus jahrelanger Erfahrung mit noch schlimmeren Kandidaten als mir aufgestaut hat. Am nächsten Abend können wir das aber wieder klären. Mit dem jeweiligen Hintergrundwissen kann ich seinen Standpunkt gut nachvollziehen, und er meinen dann auch. Aber in dem Moment ist es absolut Scheiße.

Im Bus sitze ich mit Udo, der das Limit nur um 5 Minuten oder noch weniger verpasst hat, und das auch noch, weil er jemandem geholfen hat. Er wird in den nächsten Tagen alle anderen Limits einhalten, und trotzdem kein Finisher sein. Udo trägt das mit sehr viel Gelassenheit und Größe, was ich sehr bewundere. Frank dagegen ist genauso frustriert wie ich. Ihn treffe ich glaube ich am nächsten Tag nochmal, und dann nicht mehr. Seltsam.

Von den 8 Leuten, die mit mir im Bus abfahren, sehe ich am nächsten Tag nur noch Frank und Udo. Mir geht es gut. Ich habe gegeben was ich konnte und bin natürlich müde, aber noch nicht erschöpft. Meine Beinmuskulatur allerdings ist überlastet. Probleme habe ich gar keine, weder mit der Ernährung noch mit sonstigen Dingen. Das ist kein Zufall und auch kein Glück, sondern das Resultat einer gesunden Selbstwahrnehmung.

Tag 3 – 11. Juli 2014

E3-Höhe E3-Strecke E3-Wetter23,48 km
1.888 HM im Aufstieg
660 HM im Abstieg
Laufzeit 6:37 Stunden

Es ist mein Geburtstag und es schifft aus Kübeln. In einem Steilhang kurz vor der V1 bleiben Franz (70 Jahre alt und einfach fantastisch) und die Schlussläufer stehen und singen mir ein Geburtstagsständchen. Es ist schön, aber auch skurril. Die Stimmung ist unheimlich. Viel Nebel, der Boden fast nicht mehr gehbar.

Das Feld hinten ist komplett ausgedünnt. Eine Frau kann ich noch überholen, die dann aber sofort aussteigt. Die Schlussläufer sind Matze und Wolfi, an der V1 kommt noch die wunderbare Anni dazu, die mir den Tag retten wird. An der V1 bin ich noch anständig im Zeitlimit, ahne aber schon, dass ich es bis zur V2 nicht halten können werde. Es ist mental absolut zermürbend, mit den Schlussläufern unterwegs zu sein, die die Markierungen abbauen. Das muss man aushalten. Die drei sind total nett, keine Frage, aber ein schreckliches Gefühl ist es trotzdem. Ich muss mich SEHR überwinden, das auszuhalten. Aber mir geht es noch gut, und ich möchte nicht aufgeben, nur weil andere aufgegeben haben. Franz ist nach vorne weg. Blei in den Oberschenkeln, die Motorik ist schwer zu kontrollieren. Ich laufe komplett auf Sicherheit.

An einer Alm bei km 15 bietet sich eine Möglichkeit zum Ausstieg, die ich aber nach kurzer konstruktiver Diskussion und Abwägung der Fakten ablehne. Ich kann noch und ich will noch, das hat nichts mit Trotz oder Wichtigmacherei zu tun. Bis km 23 zur V2 geht es nun rechtschaffen hochalpin durch den strömenden Regen. Nur ab und zu sehe ich auf den Gipfeln vor mir noch 2 – 3 vereinzelte Restläufer. Das Feld ist längst weg, Martin auch. An der Alm sind die Schlussläufer eingekehrt, sie brauchen was Warmes und ich darf Vorsprung rauslaufen – gleich fühle ich mich besser. Die Strecke ist schwierig, aber das macht mir nichts. Die Stimmung ist schwer zu beschreiben. Leider ist nicht viel zu sehen, denn ringsum ist dichter Nebel. Es geht in Wellen über mehrere Gipfelkreuze, der höchste Punkt liegt bei knapp 2.500 Metern.

3-1 3-2An der V2 habe ich das Limit um fast 30 Minuten überschritten und das Rennen ist gelaufen.

Markus hat heute auch Geburtstag, und das nette Mädel an der VP empfängt mich mit einem Geburtstagskuchen mit Kerze. Made my day. Das Bild ist grässlich, aber ich hab mich so gefreut, dass es einfach in diesen Bericht muss.

Wieder fehlen mir nur 7 km ins Ziel, diesmal sind sie aber anspruchsvoller und steil. Ich hätte nicht Nein gesagt, habe mich mit den Fakten aber inzwischen arrangiert und meine Enttäuschung, sie nicht laufen zu dürfen, hält sich in vertretbaren Grenzen. Anni und ich werden von der Medical Crew abtransportiert. Ich bekomme viele Einblicke in organisatorische Details und bin beeindruckt. Hier wird wirklich ganze Arbeit geleistet.

In Landeck suche ich dann erstmal die Unterkunft, wie jeden Tag. Hier zahlt sich eine lückenlose Vorbereitung mit Stadtplänen etc sehr stark aus, denn den Nerv, jetzt noch irgendwas nicht zu finden, den hast Du da nicht mehr. Vor dem Abendessen mit dem üblichen Abendprogramm (Briefing für den nächsten Tag, Fotos, Filme, Siegerehrung) bleibt mir gerade noch Zeit für eine Grundsanierung, aber keine 2 Minuten mehr zum Hinsitzen und Ausruhen. Dann kommt der nächste Tiefschlag: Meine süße Kathi, die Tiroler Berglaufmeisterin, in Etappe 1 und 2 souverän auf Gesamtrang 3 und für mich überhaupt DIE Läuferin schlechthin, hat es heute rausgehauen. Ich könnte heulen.

Tag 4 – 12. Juli 2014

E4-Höhe E4-Strecke E4-Wetter20,77 km
1.836 HM im Aufstieg
679 HM im Abstieg
Laufzeit 5:22 Stunden

Mit debilem Grinsen und Zuversicht stehe ich auch am letzten Tag am Start. Ich weiß genau, dass ich heute keinerlei Chance auf ein Durchkommen habe und vermute sogar, dass ich nichtmal das erste Limit schaffe. Und der erste Streckenabschnitt ist absolut hässlich und unattraktiv, der bringt wirklich nichts.

Aber ich finde, dass ich keine Wahl habe. Ich bin nicht hier um zu kneifen. Und auch wenn ich es nicht schaffen kann, dann lauf ich eben das, WAS ich kann, so gut ich kann. Basta. Heimlich wünschte ich mir Schleimbeutelentzündung, Shin Splint, offene Blasen, Kreislauf- und Magenprobleme oder aufgeschlagene Knie, um einen guten Grund zum Aufgeben zu haben. Aber mir geht es heute sogar noch besser als gestern, denn das Blei in den Oberschenkeln hat wieder nachgelassen. Laufen wirst Du. Mir war von Anfang an klar, dass das hier für mich keine garantierte Erfolgsgeschichte ist, also nehme ich eben, was ich kriegen kann 🙂

Und es beginnt toll, ich bin diesmal tatsächlich nur der Vorletzte im Feld, irgendwer ist noch hinter mir, und so kann ich bis zur V1 tatsächlich alleine laufen. Nur die nervige Dame aus Israel ist wieder in Sicht. Die blöde Kuh geht mir inzwischen so dermaßen auf den Zeiger, dass ich es gar nicht sagen kann. Zu meiner großen Befriedigung erfahre ich später, dass sie die komplette Orga auf Trab hält und alle sie schon hassen *grins*. Das lenkt ja dann vielleicht von mir ab, denn als Schlusslicht bin ich ja im Grunde auch ziemlich lästig. Es geht hässlich und endlos über senkrechte Skipisten, nur noch Dreck und Steine. Mondlandschaft im Nebel, kalt und regnerisch.

An der V1 sammeln mich Matze und Anni mit einem unbekannten dritten Schlussläufer auf, denn die andere ist ausgestiegen. Matze läuft vorneweg, und mit dem anderen ist es nicht so nett wie mit Anni. Auch die ist heute im Stress, denn auf der heutigen Etappe gibt es viele Ausfälle, die zügig weg-organisiert werden müssen. Nach einer Stunde kommen wir an eine Hütte, und zeitlich ist bereits klar, dass ich das Limit nach weiteren 800 Höhenmetern Aufstieg nicht mehr schaffen kann. Anni bittet mich auszusteigen, da hier günstig ein Abtransport zur Verfügung steht, während sich an der V2 schon zuviele Aussteiger sammeln. Ich wäre so gern noch weiter gelaufen, aber es macht ja eh keinen Sinn, es ist kalt und regnerisch, und ich muss nun wirklich keinen unnötigen Ärger verursachen.

Martin und Kerstin sind an der Hütte, große Überraschung. Mit Jochen fahre ich ins Ziel nach Samnaun. Mit im Auto ist ein Läufer, der gestenr schwer gestürzt ist und der eine Kopfwunde hat. In Samnaun wird es für mich richtig hart, denn es laufen schon die vorderen Läufer ein. Alle fallen sich glücklich und erschöpft in die Arme und genießen ihren hart verdienten Erfolg. Es fällt mir furchtbar schwer, ein guter Verlierer zu sein – erst jetzt tut es so richtig richtig weh. Ich schäme mich.

Ich bin noch nichtmal richtig erschöpft und habe immer noch genügend Reserven übrig, um noch weiterlaufen zu wollen und zu können. Natürlich war ich zu langsam und deshalb zu schwach für das Rennen, das ist völlig in Ordnung und damit kann ich gut leben. Aber ich hätte mich auch gerne so müde gemacht wie die, die jetzt ins Ziel kommen. Alle die es bis hierher schaffen sind noch in einem guten Zustand, es sind gerade keine abschreckenden Beispiele dabei.

Entgegen der Einlaufrichtung gehen Martin und ich zu unserem Hotel und feuern jeden an, den wir sehen. Die Läufer sind dankbar, wirklich dankbar dafür. Ich verteile Traubenzucker für den letzten Kilometer und langsam geht es mir dann auch moralisch wieder besser. Dass ich kein Finisher bin, das kann ich gut verkraften. Ich bin zufrieden mit mir und meiner Leistung, keine Frage. Ich wusste im Vorfeld, dass es so und so ausgehen kann, und ich bin nach wie vor nicht der Ansicht, dass ich mich mit diesem Lauf gnadenlos überschätzt habe. Es schmerzt halt trotzdem.

Thomas ist am Abend so fertig, dass er nicht mal mehr was essen möchte. Roland und Birger sind müde und glücklich, aber durch einen Computerfehler nicht in der Wertung – das lässt sich vermutlich aber berichtigen. Martin ist völlig einig damit, zwei Etappen gut gelaufen zu sein. Franz bewahrt Haltung – er konnte heute morgen nicht mehr antreten und musste eine ganz harte Vernunftsentscheidung treffen. Ich bewundere ihn sehr dafür und sage ihm das auch. Günther hat 400 Bilder gemacht, die Ihr auf Trailrunning.de anschauen könnt und ist das Ding lockerst gelaufen.

Am Abend steigt die große Finisher Party, auf der man sich als nicht-Finisher einfach nur verloren und schlecht vorkommen kann. Mit keinem Wort werden diejenigen erwähnt, die es nicht geschafft haben – aus über 440 Startern resultieren 310 Finisher, der Rest hat es nicht gepackt. Uns gibt es einfach nicht. Das ist hart. Ich ertränke meinen Frust im alkoholfreien Weizen.

Mein Fazit ist durchwachsen:

Der Lauf ist geil und absolut perfekt organisiert, da gibt es gar nix zu meckern. Das Wetter war beschissen, auch vom Erlebnisfaktor her – aber dafür kann keiner was, und muss man so nehmen, wie es ist und damit umgehen können. Ich war einfach zu langsam. Wer dort laufen will, sollte schon auch im Gelände trainieren, und zwar fleißig. Diese Erkenntnis hat mich nicht wirklich überrascht, aber ich hatte halt gehofft, diesen Mangel vielleicht doch noch durch meine unzähligen anderen guten Eigenschaften irgendwie kompensieren zu können. Hat halt nicht geklappt, und ich kann das wegstecken. Für diesen Lauf musst Du ALLES mitbringen: viel Lauferfahrung auf langen und harten Strecken, einen sehr wachen Verstand und ein geschärftes Wahrnehmungsvermögen für die eigenen Bedürfnisse, unerschütterliche Moral, außerordentliche Kondition, eine geschulte Motorik und viel Bergtraining. Das ich nicht hatte. Selbst schuld, ganz einfach 🙂 Ausreden brauch ich keine.

Ich bin so lange gelaufen, wie ich durfte, und jeden Tag wieder angetreten. Ich habe nicht aufgegeben, aber auch nicht den „ich-gebe-niemals-auf“-Clown gemacht und keine albernen Töne gespuckt. Ich bin einfach nur mein Ding gelaufen, und ich denke das wurde auch respektiert. Mir ging es immer super, ich hatte mein Befinden immer sehr gut unter Kontrolle. Es gab auch Leute, die brauchten Infusionen oder wurden blutig vom Berg geholt. Ich habe meine Kräfte gut eingeteilt und bin jetzt nicht nennenswert erschöpft oder ausgelaugt, wenn auch emotional noch etwas angegriffen.

Ich habe in den letzten Tagen viel über mich gelernt und mir selbst vieles in der Praxis bestätigen können, was ich in der Theorie von mir angenommen hatte. Was ich NICHT kann, das wusste ich vorher schon, aber was ich WIRKLICH kann, weiß ich jetzt mit absoluter Sicherheit. Das ist eine Erfahrung, die mich in vielerlei Hinsicht weiter bringt.

im Günter-seim Laufbericht bei Trailrunning.de seht Ihr sehr eindrückliche Bilder 🙂

Und hier noch seinen Film. Wenn ich mir den so anschaue, dann frage ich mich wirklich, WIE langsam ich eigentlich war? irre, wie das täuschen kann.. (gleich auf dem allerersten Bild bin ich zu sehen, mit der grünen Mütze)

 

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14 Antworten zu 4Trails – 9. – 12.7.2014

  1. Thomas schreibt:

    Supermegahammerrespekt Kati 🙂 Kannst stolz sein auf dich, das noch so durchgezogen zu haben!!!
    P.S. Nachträglich noch alles Gute zum Geburtstag 😉

    • Kati schreibt:

      dankeschön 🙂 wir sehen uns beim APM ?

      • Thomas schreibt:

        Jetzt kommt erst mal Füssen am Sonntag (mit Charly und Greppi) und am 2.8. der Gebirgsmarathon in Immenstadt, da hab ich vom letzten Jahr noch was gutzumachen 😉

  2. binoho schreibt:

    Toller Bericht von einer super Veranstaltung. Ich bewundere nicht nur deine Laufleistungen, sondern auch deine mentale Stärke, die „unguten“ Ereignisse so wegstecken zu können. Mal schauen ob ich dieses Jahr nochmal zum WK laufen komme (fast 3 Jahre AS Probs), dann werde ich bestimmt auch irgendwo Roland wieder mal treffen. Alles Gute und Grüße, Norbert

  3. Volker schreibt:

    Einfach Klasse, Kati!

    Gruß,
    Volker

  4. Grit schreibt:

    Klasse Bericht! Und noch einmal… Chapeau, liebe Kati!!! 🙂
    Beste Grüße, Grit

  5. jollyjumper123 schreibt:

    Danke für deinen Bericht, der wirklich klasse und ehrlich ist.
    Die Dame, die mit Niko die letzten 30 km zusammen beim ZUT gelaufen ist, hat sich hinterher bei ihm gemeldet und mitgeteilt, dass sie es geschafft hätte, aber noch nie in ihrem Leben so etwas hartes erlebt hat. Und sie hat zweieinhalb Wochen vorher den ZUT gefinished in Nikos Tempo!

    Insofern habe ich noch mehr Respekt vor deiner Leistung und deinem guten Umgang mit deinen Resourcen.

  6. jollyjumper123 schreibt:

    Unsere Rennente nimmt übrigens dieses Jahr wieder am Fuschlsee-Crossing teil. 🙂

  7. Frankenblitz schreibt:

    Hi Kati,
    komme erst jetzt dazu, Deinen Bericht zu lesen.
    Mach Dir nichts draus, Du kannst trotzdem sehr stolz sein, so weit gekommen zu sein. Wie Du schon treffend sagst: für die Läufe bei Plan B muss man viel Erfahrung im schwierigen, am besten hochalpinen Gelände haben. Ich hab’s zwar gut geschafft, musste aber jeden Tag an meine Grenzen gehen. Und wir hatten noch Glück: bei einem Wetter wie in den letzten Tagen wären wir reihenweise eingegangen! Und wir wollten doch schon immer mal unseren gemeinsamen Geburtstag im strömenden Regen auf einem Bergrücken feiern, oder…?
    Ich hoffe, ich schaffe meinen Bericht endlich am Wochenende. Die Bilder schmeiße ich auf Dropbox.
    Weiterhin alles Gute,
    Thomas (der Frankenblitz)

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