Fidelitas Nachtlauf (28.6.2014) + Stuttgartlauf (29.6.2014)

Das Doppelte Lottchen ist gelaufen 🙂 Ja, ich lebe noch – und ja, es ging gut.

www.fidelitas-nachtlauf.de

Schon lange möchte ich den Fidelitas Nachtlauf in Karlsruhe machen. Der Start um 17 Uhr ist früh genug, um sich nicht komplett in die Übernächtigung zu laufen, und spät genug für eine komfortable Anfahrt. Der Lauf gilt in einschlägigen Kreisen als schön. Trotzdem kennen Anja und ich am Start kaum eine Handvoll Menschen. Natürlich ist Gerhard da, auch Franz, und Anja trifft noch jemanden vom letzten Jahr.

höhe Strecke990 Höhenmeter zählt der Garmin

später: Unterm Strich bin ich von dem Lauf wenig begeistert. Das mag an den ungünstigen Wetterverhältnissen liegen, aber auch daran, dass es mir einfach zu einsam, zu finster und zu gruselig ist. Und von der Laufstrecke her zu eintönig. Trotzdem möchte ich bestimmt nichts Schlechtes über den Lauf sagen. Die Helfer sind super nett, die Stimmung ist – dort wo man mal einen Menschen trifft – sehr positiv, die Verpflegung ist gut und ausreichend (aber nicht spitze, und Ersatz-Cola ist halt einfach nicht Cola), die Streckenmarkierung zwar nicht üppig aber lückenlos und unproblematisch, und das Preis-Leistungsverhältnis ist prima. Das möchte ich kurz vorausschicken, damit kein falscher Eindruck entsteht. Das einzig wirklich Miese am Fidelitas Nachtlauf ist die Website, die es einem wirklich schwer macht, sich für den Lauf zu entscheiden.

Mir läuft es mittelmäßig, nicht schlecht, aber auch nicht direkt gut. Die Regeneration der letzten Wochen hat mir wohl nicht gut getan. Die ersten 20 (oder so) Kilometer ziehen sich recht flach über Land und durch kleine Karlsruher Vororte, hier nerven wir Passanten, Radler und Hundehalter, vice versa. Mir fällt auf, dass in der Radstadt Karlsruhe fast konsequent ohne Helm gefahren wird.

Der Regen des Tages hört pünktlich zum Start auf und die Sonne kommt heraus. Es ist dämpfig und schwül, und es braut sich ganz eindeutig etwas zusammen. Das Laufen ist anstrengend und der Salzverlust hoch. Zwischen km 10 und km 15 sind zwei Kreislaufopfer zu beklagen. Auch die Staffelläufer tun sich zum Teil sehr schwer. Die Begleitradler nerven saumäßig. Zwar verhalten sie sich weitgehend ordentlich, aber ein Radler, der gelangweilt im unrunden Tritt neben einem herschwankt und mal vor, mal hinter einem auftaucht, der S-T-Ö-R-T einfach. Die Konzentration oder was auch immer. Ich frag mich auch, wozu ein 40jähriger Mann auf einer voll verpflegten 80-km-Strecke bei Tag und im Sommer nu unbedingt einen Begleitradler mit zwei prall gefüllten Satteltaschen braucht. Die Regenjacke bringt man ja wohl irgendwie selbst unter, oder nich? Begleitradler sollten eigentlich nur bei Nacht erlaubt werden und ab einem Streckenabschnitt, an dem die Läufer wirklich alleine sind. Das ließe sich ja wohl ausrechnen?

Hinter km 20 geht es in den hügeligen Teil und Waldstücke wechseln sich mit freiem Feld ab. Einige wirklich traumhafte Ausblicke sind geboten. Im Wald ist es angenehm kühl, dafür werden aber auch die Wege holpriger. Es ist nicht mehr flach. Dafür aber relativ langweilig. Zwischen km 20 und 40 habe ich nur noch ganz wenige visuelle Eindrücke parat. Das Feld hat sich angenehm entzerrt. Es sind 163 Personen am Start, am Ende werden 118 Männer und 17 Frauen ins Ziel kommen (Anja auf Platz 5, ich auf Platz 9).

Ich schwimme gut mit und werde hinter km 40 nur noch selten überholt. Bei km 45 ist es stockfinster und der erste Schauer liegt schon hinter uns. Ich suche nach Begleitung, mag mich aber auch niemandem aufdrängen und auch kein fremdes Tempo mitlaufen müssen, egal ob zu schnell oder zu langsam. Irgendwann laufen wir nur noch im Wald. Ab km 55 geht es fast nur noch eben und bergab, aber die Laufstrecke ist an Finsternis und Eintönigkeit kaum noch zu überbieten. Längst hat es wieder begonnen zu regnen, und mittlerweile regnet es Bindfäden.

Von Station zu Station hangle ich mich, und versuche, zumindest in Sichtweite zu anderen zu bleiben. Noch sind es nicht immer dieselben, die man trifft. Petra und Rüdi haben sich zusammen getan, sie scheinen sich zu kennen und haben Gesprächsstoff, bin nicht sicher, ob ich da willkommen bin. Im allerfinstersten finsteren Wald, im strömenden Regen, nass bis auf die Haut, es ist um Mitternacht herum und keine Menschenseele weit und breit – ich stelle mir die Sinnfrage. Schaue nur noch 20 cm vor meine Füße, bloß nicht den Blick ins Gebüsch gleiten lassen und dort womöglich irgendwelche Augen sehen… vor Jahren schrieb der Joe Kelbel einen gar schröcklichen Bericht, an den ich mich ausgerechnet jetzt natürlich erinnern muss.

An einer Straßenkreuzung warte ich auf Petra und Rüdi und beide verstehen gut, dass ich nicht alleine laufen will. Zu dritt kämpfen wir uns über die letzten 30 Kilometer, die Sinnfrage muss ich dabei ausblenden. 30 km klingt nach nicht viel, ist in Wirklichkeit aber endlos, weit und lang. Demut und Geduld – beides kannst hier lernen. Respekt vor der Strecke sowieso. Aufgeben kommt nicht in die Tüte, aber SCHÖN ist definitiv was anderes. Mit den beiden ist es so nett, wie es unter diesen Umständen halt sein kann – man darf sich in so einer Situation auch nicht unnötig runterziehen lassen, und ich bin einfach froh und dankbar, dass ich sie getroffen habe und wir uns gegenseitig motivieren. Der Empfang im Ziel ist äußerst lau, obwohl wir noch gut im Mittelfeld liegen. Nunja, es ist 3 Uhr morgens, man darf da auch nicht zu viel erwarten 🙂 Anja schreit quer über die ganze Anlage „Wo bleibsch denn so lange !!!“ – ihr ists langweilig, sie ist schon eine ganze Stunde da. Ihre Laufzeit von 9:05 finde ich sensationell.

Meine 10:06 sind in Ordnung, aber durchaus verbesserungswürdig. Mal sehen, wie lange es mit dem Verdrängen dauert, und wann ich hier wieder laufen werde.

Um 4:30 Uhr sind wir zuhause, um 6:00 Uhr klingelt der Wecker und um 7:00 Uhr ist Abmarsch zum Stuttgartlauf.

IMG_9968Darüber gibt es nun wirklich nicht viel zu erzählen, es läuft erstaunlich leicht und geht viel besser, als ich angenommen hätte. Ohne Tiefpunkte komme ich relativ gleichmäßig durch, angefangen mit 6:20, habe ich am Schluss einen 6:29er-Schnitt und 2:17,44 auf der Uhr. Nicht mal der ausgiebige Platzregen ab km 12 kann mich sonderlich aufregen.

Zwischen dem Anpfiff beim Fidelitas und der Zielüberquerung in Stuttgart liegen 18 Stunden und 17 Minuten. Die addierte Laufzeit ergibt 12:23 für 101 km, auch wenn man das SO natürlich nicht rechnen kann. Für mich eine absolut gute Bilanz und eine prima Übung im Etappenlaufen. Ich bin bereit 🙂

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7 Antworten zu Fidelitas Nachtlauf (28.6.2014) + Stuttgartlauf (29.6.2014)

  1. Theo schreibt:

    Respekt Kati! Meine Befürchtung beim Lesen war, dass das „Doppelte Lottchen“ irgendwann um Mitternacht vom bösen Wolf gefressen wird, oder ist das jetzt ein anderes Märchen?

  2. schauläufer schreibt:

    Mein lieber Scholli, sowohl Körperlich, als auch Mental ziehe ich meinen Hut, respektive Glatzenschoner:-), vor dir. Ich weiß nicht ob mich nach deiner Schilderung Karlsruhe noch reizt, wär für mich wohl eine neue Herausforderung in Richtung Ursachenbewältigung durch Frontalkonfrontation;-) Ich glaub Ulm wär eher was für mich. Für einen Etappenlauf ist die Regeneration aber heavy. Zwischen 3:00 und 9:00 Uhr sind zwar 6 Stunden. Als Erholungsphase mit ausreichend Schlaf würd ich das aber nicht bezeichnen was du bis zum 2.Start gemacht hast.
    Grüssle Klaus

    • Kati schreibt:

      Ulm ist aber fast genauso einsam. Aber von der Strecke her irgendwie attraktiver. Mag aber auch am Wetter gelegen haben 🙂 Danke für die Blumen, aber hättest Du auch geschafft !

  3. Carmen schreibt:

    Hallo Kati!
    Schade, dass Dir der Fidelitas nicht so sehr gefallen hat.
    Geschmäcker sind eben verschieden. Gerade die einsamen Passagen im Wald haben mir letztes Jahr besonders gut gefallen. 🙂

    (Dafür finde ich Streckenführungen wie z. B. beim Bellheimer Sommernachtslauf furchtbar – Blick auf die schönsten Waldwege, aber nur eine öde breite Straße nutzen dürfen…).

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