Limes Marathon Welzheimer Wald – 25.5.2014

www.limes-marathon.de

höhe strecke2009 oder 2010 sind wir hier schonmal den Halben gelaufen, und ich habe ihn in schöner Erinnerung. Nicht zuletzt, weil der Lauf damals nur 20,3 km lang war und so eine bombenmäßige Bestzeit heraus kam, über die ich mich ganze 2 Minuten ins Koma gefreut hab – bevor irgendein gemeiner Mensch daher kam und …

Seis drum. Die Streckenlänge sei inzwischen angepasst, wird auf der Homepage versprochen. Auch beim Marathon, der seinerzeit nur knapp 40 km hatte. Mit ein Grund, warum mir die Anfahrt für den Lauf die letzten Jahre dann doch zu weit war.

Es ist der dritte Wertungslauf, und Anja (diejenige aus dem Verein) fällt leider aus. Mein Zwilling auch. Unabhängig voneinander drohen mir Brigitte und Sibille, dass WIR ALLE deshalb ins Ziel kommen müssen. Naja, das wird sich ja wohl einrichten lassen. Noch ist es kühl und perfektes Laufwetter, es wird aber gleich warm. Ich möchte alles geben und 1:50 laufen. Hans-Dieter meint, das sei ihm zu schnell. Bis km 3 laufen wir in der Nähe, dann zieht er nach vorne weg und rennt eine entspannte 1:46. Genial.

Während ich – mal wieder – nicht so richtig aus dem Quark komme. Eigentlich läuft es gut, ich finde mich so auch gar nicht schlecht, und würde denken, dass ich schnell genug unterwegs bin. Aber die Uhr sagt etwas anderes: nämlich Durchschnittspace 5:25. Die Strecke ist wellig und der Untergrund nicht immer einfach, aber trotzdem. Ich kann einfach nicht schneller, es hängen zuviele Wettkampfkilometer in den Gräten und eine Grundmüdigkeit, die sich heute aber wenigstens nicht als Lähmung bemerkbar macht. – Das muss ich akzeptieren und tue es auch. Ich geb trotzdem mein Bestes und komme letztlich mit einer Durchschnittspace von 5:20 und 1:54,17 ins Ziel. Ohne Hänger und gleichmäßig durchgelaufen, und hinter km 15 sahen doch etliche schlechter aus 🙂 Das ist nicht wirklich ein gutes Ergebnis, aber es hat sich richtig angefühlt und ich bin trotzdem zufrieden. Denke, die Richtung passt!

Pflicht erfüllt, jetzt kommt die Kür:

Mit Dieter von der Orga habe ich im Vorfeld geklärt, dass ich jetzt zurück auf die Marathonstrecke darf, sozusagen als Geisterläufer, ohne Zeitchip und Wertung, aber mit Nutzung der VPs. Die Weiche ist knapp hinter km 20, und es gibt eine kleine Abkürzung dort hin. Mein Angebot, den Differenzbetrag zum Marathon zu entrichten, wurde sehr nett abgelehnt, das sei doch ok so (die kennen meinen Durst eben nicht). Den Marathon konnte ich ja nicht von Beginn an melden, da wir ja die HM-Wertung für die Mannschaft brauchen. Das Personal an der Weiche guckt ein wenig irritiert, aber freundlich. Direkt geht es einen fiesen Stich hinauf. Oben bietet sich ein Waldweg für einen kleinen Stopp an. Ich bin doch schon ganz schön beansprucht.

Wie geplant laufe ich jetzt im lockeren Tempo weiter, anfangs ohne zu trödeln. Wettkampftempo muss jetzt wirklich nicht mehr sein, da müsste ich mich zu sehr quälen, und dazu bin ich nach den letzten Wochen mental nicht mehr frisch genug 🙂 Ich denke, der Trainingseffekt mit dem schnellen HM und den zusätzlichen Kilometern ist mehr wert, als sich jetzt komplett aus der Reserve zu laufen. Und außerdem macht es mehr Spaß, ätsch. Es ist warm. Die Strecke führt zuerst in einem Bogen außenherum zurück, erst die letzten 13 oder 14 km laufen wir rückwärts das Teilstück vom Anfang.

Es ist schön. Tolle Landschaft. Sehr wenig Asphalt und kaum ein unschöner Streckenabschnitt. Ein wirklich schöner Lauf. Obwohl nur 70 Marathonläufer unterwegs sind, sehe ich immer noch welche. Schnell schließe ich mich einem netten Herrenstammtisch an, bei dem ich bis km 28 bleiben kann, dann werden sie mir zu schnell. Weitere eingeholte Herren sind entweder grießgrämig oder schon zu langsam, und Frauen sehe ich gar keine. Wo der Hannes ist, weiß ich auch nicht. Wenn er schnell ist, dann ist er durch die Weiche, während ich die Schleife zum HM machen musste. Da er aber angekündigt hat langsam laufen zu wollen, schaue ich auf langen Geraden immer nach hinten, sehe ihn aber leider nicht.

Es ist alles super entspannt, und die Verpflegungssituation ist sehr kommod: gefühlt alle 3 km kommt eine Wasserstation, schon ab km 5 mit Iso und kurz hinter km 10 sogar mit Cola und Bananen. Es ist auch nichts „leider schon aus“. Die Helfer sind super nett und versichern mir immer wieder, dass auch ich es bis ins Ziel schaffen werde. Ich fange jetzt auch an zu trödeln und bleibe länger stehen. So what. Wenn es hier auch noch ein paar Salzstangen oder Ähnliches gäbe, wäre es verdächtig perfekt. Aber das erwarte nicht mal ich bei einem Marathon. Mein Fehler, dass ich nur Traubenzucker dabei habe, und deshalb ab km 35 in einen massiven Hungerast hineinlaufe. Ich möcht mal wissen, ob ich EINMAL irgendeinen Lauf schaffe, bei dem ich nichts falsch mache?

Die Kilometrierung ist eigenwillig. Schon bei km 19 stand ein zweites Kilometerschild mit einer weiteren „19“ um die nächste Kurve, und ein Mitläufer, der seine Kilometerzeiten an den Schildern abstoppt sagt, dass die Abstände nicht stimmen. Den HM habe ich mit 21,2 gemessen (das verbuche ich als Garmin-Abweichung), und seit ich auf der Marathonstrecke bin, habe ich konsequent 2 km mehr auf dem Tacho, eben durch den Umweg. Ich finde es passt. Ab km 30 achte ich auf die Schilder, weil es sonst nix mehr zu tun gibt. Deshalb fällt mir auch auf, dass das Schild für km 39 keine 200 Meter nach dem 38er-Schild steht. Nun, mir solls echt recht sein, ich will nach Hause, das Knurren im Magen bringt mich um. Tatsächlich kommt jetzt sehr lange gar kein Schild mehr, wahrscheinlich steht die 39 einfach nur falsch… An der nächsten VP spricht man mir Mut zu: es seien nur noch 2 km (hä? – aber das hat in Biel hinter km 99 auch schonmal einer behauptet). Nach einer gefühlten Ewigkeit taucht das km-40-Schild auf, doch es steht nicht 40 drauf, sondern 41. Ja was denn jetzt? Wo sind wir überhaupt?

Zurück im Zickzack durch die schön hergerichteten Reste der Limesmauer und durch das Tor, das gefällt mir. Schon geht es in den Ort hinein, etwas wirr über eine Baustelle, ich fürchte kurz, mich verlaufen zu haben, aber alles stimmt. Die Auszeichnung ist sehr vorbildlich. Den nächsten Streckenposten befrage ich, und der gibt wahrheitsgetreu zu Protokoll, dass es nur noch 500 Meter ins Ziel sind. Hier fehlen ein paar Pfeile auf dem Boden, und da keiner mehr vor mir läuft und ich die Streckenposten am Ende der Straße nicht gleich als solche erkennen kann, bin ich nicht sicher, wo ich jetzt genau ins Stadion hinein muss. Der HM kam nämlich vorher über einen anderen Weg. Aber alles passt, und ich bin drin 🙂 Und werde von Eberhard empfangen, das ist schön! Eberhard hat heute geschafft, wovon viele ein Leben lang nur träumen können: Er war 4 Minuten vor Michael Sommer im Ziel 🙂 (wer das erklärt haben möchte, möge sich melden)

Meine eigene Stoppung (ohne Zwischenstopps) zeigt 4:12,33 für 43,06 Kilometer. Das ist Bombe, gemessen daran wieviel Zeit ich hinter km 25 vertrödelt hab. Die Tendenz geht eindeutig zu einer Zeit sub 4 für einen ernsthaft gelaufenen Marathon. Es geht aufwärts, und die Langstreckenkondition stimmt so langsam wieder. Nächste Woche noch Schefflenz, dann einen ganz entspannten Juni, und dann… dann habe ich zumindest ein reines Gewissen, was die Vorbereitung des UNAUSSPRECHLICHEN betrifft.

Ich denke, der Marathon ist tatsächlich immer noch einen Kilometer zu kurz – andere bestätigen das auch. Stört mich heute jetzt nicht, aber könnte tatsächlich eine Erklärung für die auffallend geringe Teilnehmerzahl sein, die dem tollen Lauf leider absolut nicht gerecht wird. Mein Tipp an die Welzheimer: Hängt den Kilometer noch dran, oder macht gleich einen Mini-Ultra mit einer krummen Zahl um 45 km draus, das wäre ein wunderbarer Trainingslauf. Mehr laufen müssen/dürfen ist bei einer Strecke, die ohnehin nicht für Bestzeiten taugt, kein K.O.-Kriteritum, „zu kurz“ allerdings ein echter emotionaler Killer.

Im Ziel gibt es diesmal kein Handtuch, sondern wahlweise ein Buff oder eine Trinkflasche mit schönem Veranstaltungsaufdruck. Herrlich ist es, im Stadion in der Sonne zu sitzen und die Gräten zu lockern. Sommer ist doch was Wunderbares 🙂 Wir warten entspannt auf Hannes und Angelika, und ich treffe die Mitläufer von halber Strecke wieder. Nett ists, sehr nett. Vielen Dank an Dieter, dass ich die Rückrunde noch laufen durfte 🙂 Es war mir ein Vergnügen.

HM – 1:54
M – 4:12,33 – 409 Höhenmeter

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter run veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Limes Marathon Welzheimer Wald – 25.5.2014

  1. Volker schreibt:

    Hi Kati,

    bist ja voll auf Kurs! Sauber. Wenn du 2 Wochen vorher :-), das tapern anfängst, passt das besimmt!

    Gruß,
    Volker

  2. Schauläufer schreibt:

    2010 hab ich mir dort auch das graue Handtuch geholt, dass ich regelmäßig zur Hallengymnastik als Mattenunterlage benutze. Ja und ein Hungerast wird dir nächste Woche wohl erspart bleiben, denn dann kannst du: Futtern wie bei Muttern.

  3. Dieter schreibt:

    Herzlichen Dank für den schönen eigenen Bericht. Die Anregung mit den 45 km habe ich mal aufgegriffen. Schaun wir mal….Dieter

  4. jollyjumper123 schreibt:

    Das klingt sehr schön und merkenswert. Dein Trainingsfleiß ist toll. Rechtzeitig tapern, dann das Unaussprechliche, und dann nach der Regeneration läufst du den Marathon deines Lebens!!

    • Kati schreibt:

      Danke für die Blomen 🙂 genau das hab ich vor. Der ganze Juni ist mehr oder weniger Runterfahren, da bohre ich nur etwas mit den Zehen im Sand. Und dann, nach dem UNAUSSPRECHLICHEN und dem, DAS NIEMAND VOR HAT …

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s