Salinenlauf – 30.4.2014

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p1020476(geklaut bei  Birgit)

P1010960 P1010963 P1010964 P1010965 P1010966 P1010967 P1010968 P1010969 P1010970 P1010971 P1010972 P1010973 strecke-1 strecke-2Walpurgisnacht, 0:00 Uhr, Bad Dürkheim an der Saline – ich sitze auf dem Klappstuhl der Klofrau der öffentlichen Kurparktoilette und freckle mir Steine aus dem Schuh – draußen beginnt es gerade zu regnen. Ich muss weiter, schnell, bevor es richtig los geht. Seit Beginn des Laufs um 21:00 Uhr hören wir Donnergrollen und sehen Blitze, hoffen aber noch, dass das Gewitter an uns vorüber zieht.

1:00 Uhr – pitschnass, nach ein paar Runden mit dem Regenschirm (ich bin nicht die einzige), flüchte ich ins Zelt. Ich mag nicht mehr. 34,2 km hab ich jetzt nach 4 Stunden auf dem Garmin, in der Zeiterfassung sind es nur 31, aber ich bin bisher gleichmäßig gelaufen, das kann nicht stimmen. Bei Norbert stimmen Garmin und Zeiterfassung ziemlich genau überein. Mir ists erstmal wurscht, den Chip lasse ich später checken. Er sei ok, sagt der Zeitnehmer. Es prasselt auf die Zeltplane, das Gewitter ist nicht direkt über uns, aber die Ausläufer reichen. Ich geh da nicht mehr raus! Die Uhr zählt rückwärts, es sind noch 8 Stunden zu laufen. ACHT Stunden !!!

2:00 Uhr – Gerhard kommt herein, er hat nur ein Shirt und kurze Hosen an. Um uns herum hektisches Umziehen und Packen. Wer die Möglichkeit hat, verlässt die Lokation. Ich wäre längst weg, bin aber Birgit und Norbert ausgeliefert; die beiden werden das Ding bis zum bitteren Ende durchziehen, da brauch ich mir gar keine Hoffnungen zu machen. Die sind gnadenlos, ich bin eher so der Typ Warmduscher – und draußen duscht es ziemlich kalt.

Wer sich Ultraläufer nennen will (was ich bekanntermaßen ja nicht anstrebe), der kann und darf jetzt hier nicht kneifen 🙂 Neben mir flötet Didi grad ins Telefon, hat die Gattin aus dem Schlaf gerissen und beflirtet sie nun gerade erfolgreich, ihn doch bitteschön netterweise abholen zu wollen. Zwei Stunden einfache Fahrt sind das mindestens… Auch der führende Läufer stolpert ins Zelt, greift flugs zum Telefon: Er ist aus dem Ort und ruft Mutti an. Ich bin ein wenig neidisch. Aber nein, das hier ist noch weit davon entfernt ein Notfall zu sein, und ich wollte das ja so.

kurz vor 3:00 Uhr – der Regen hört auf. Die Laufuhr zeigt immer noch eine Restlaufzeit von über 6 Stunden an. SECHS Stunden. Die zweite Hälfte der Runde steht komplett unter Wasser. Ich hatte vergessen, wie verdammt müde man um 3 Uhr in der Nacht ist, und ich bin so durchgefroren, dass mir ein Loslaufen in Richtung der spärlich beleuchteten Riesenpfützen grad wie ein Hohn erscheint. Ich habe einen massiven Stimmungsverlust. Ich will nur noch nach Hause. Nicole und Jochen sind nicht mehr an der VP, vor denen muss ich mich also nicht mehr schämen.

Restlaufzeit 6 Stunden – ich laufe also mal los. 6 Stunden stehen wie ein Berg vor mir. Ich möchte vorspulen und wertvolle Lebenszeit vergeuden, aber ich kann es mir beim besten Willen jetzt nicht irgendwie schön reden. Wenigstens wird mir nach ein paar Runden warm, aber in den Trott komme ich nicht mehr. – Die Führenden laufen unverzagt und schnell, so als sei überhaupt nix.

Stein im Schuh, Stopp am Klohäuschen, die Jacke ist nass und es tropft eklig irgendwo rein, die Hose reibt, der Schuh ist zu eng, die Socke hat Falten … was auch immer. Pfützenspringen auf der Rückrunde, das kalte Spritzwasser ist obereklig. Auch die noch verbliebenen Mitläufer betrachte ich zum Teil mit sehr wenig Toleranz. Viele marschieren seit Stunden verbissen im Stechschritt und mit seitwärts schlenkernden Armen. Mein Gesicht dürfte zwar nicht weniger verbissen aussehen, aber ich denke trotzdem, dass die das im Unterschied zu mir freiwillig tun.

Ständig halte ich an und an der VP sowieso. Sogar zum Kaffeetrinken. Irgendwie muss ich ja wach bleiben… Kilometer kommen so keine zusammen, ist mir aber auch längst egal. Es geht nur noch darum, die verbleibenden Stunden IRGENDWIE zu überstehen. Und andere möglichst nicht mit runterzuziehen, ich reiß mich zusammen.

Restlaufzeit 3:34 – die Restzeit verkürzt sich, allerdings liegt zwischen 6:00 und jetzt schon eine gefühlte Ewigkeit. 3:34 – im Wettkampf reicht das für 30 km, das ist furchtbar lange… Immer wieder treffe ich Birgit und laufe ein Stück mit ihr, aber jetzt ist sie grad weg. Ich merke, wie ich im Laufen einschlafe, ein paarmal werden die Füße weich wie Gummi. Das hatte ich jetzt auch noch nie. Sekundenschlaf, der unweigerlich in einer dieser Pfützen enden wird.

Ich halte Norbert an und lasse mir zeigen, wie die Standheizung im VW-Bus funktioniert. Richtig schlafen kann ich nicht, aber alles ist besser, als weiter da draußen rumzulatschen. Bald prasselt wieder der Regen aufs Dach, und die gerade abgetrockneten Gladiatoren werden wieder zu grauen Jammergestalten und nassen Schatten ihrer selbst. Norbert kommt auch in den Bus – wir haben die besten Plätze, direkt an der Laufstrecke. Ist schon ein bißchen grotesk, aber ich bin so platt, dass es mir nicht mal mehr Spaß macht. Wir reden nix, sondern stieren apathisch vor uns hin. Vielleicht schlafen wir auch.

P1010981 P1010986 P1010988 P1010990 P1010994Restlaufzeit etwas über 1:30 – es nieselt nur noch, und wir steigen wieder aus. Gemessen an den 12 Stunden erscheint 1:30 wirklich wenig, aber die Minuten ziehen sich wie Kaugummi. Ich will noch ein paar Runden machen, um wenigstens die 50 km voll zu bekommen. Auf dem Garmin hab ich sie schnell, aber wer weiß, was die Zeitmessung ausgibt. Noch ein paar Kaffees, „Frühstück“ an der VP, es regnet wieder mehr, aber es gibt Nusszopf… ich hab heute sicher mehr gegessen als jeder, der anständig durchgelaufen ist. Gabi ist ganz frustriert, dass es ihren schönen und so sorgfältig und detailbewusst geplanten Lauf so verregnet. Merke: Vor 2 Jahren musste relativ früh ganz abgebrochen werden, da ein Unwetter die gesamte Infrastruktur nebst Elektronik wegriss. Dieses Jahr sollte alles besser werden, jetzt ist vielleicht gerade mal noch die Hälfte der Starter auf der Strecke, wenn überhaupt. Arme Gabi. Aber wenigstens hat sie einen dicken warmen Wintermantel an und vermutlich auch nicht seit Stunden nasse Socken 🙂

Restlaufzeit 5 Minuten – ich erwache aus der Lethargie und laufe die letzte Runde als „Pace“ für Birgit. Wir schaffen es 7 Sekunden vor dem Abpfiff über die Messmatte – das hat den Vorteil, dass Peter die Vermessung der Restmeter direkt bei uns beginnt – nur der Gerd ist noch näher dran – und wir nicht lange warten müssen. Was bin ich froh. Die Nacht hat ein Ende. Der Rest ist Umziehen, Frühstück, Siegerehrung mit der Bad Dürkheimer Weinprinzessin (mit Goldkrone aber profan gekleidet) und dann Heimfahrt.

Ja, in 2 Jahren werde ich dort wieder hingehen. In einer trockenen Nacht wären Saline, Kurpark, Bächlein und die vielen gemütlichen Zelte der Betreuer besser zur Geltung bekommen. Für heute hake ich es erstmal ab. Mit lumpigen 52,6 Kilometern (Garmin 56,9) habe ich in 12 Stunden weniger zusammen bekommen als bei meinem schlechtesten 6-h-Lauf… Platz 75 von 113 zeigt aber, dass es vielen anderen genauso ging. Das schlechte Ergebnis ist mir herzlich egal, ich will nur noch schlafen 🙂

PS: danke dem Grünen Lieblingsknallfrosch für die Bilder in den Trockenphasen 🙂 🙂

Mehr Bilder vom Regen gibts bei Laufticker.

lt-01… und das da musste ich beim Laufticker ausleihen 🙂

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