Frankfurt Marathon – 27.10.2013

www.frankfurt-marathon.com

Das ewige Dilemma: Albmarathon oder Frankfurt? Zwei wahre Kultläufe, immer am selben Wochenende – und leider für ein Doppel in der falschen Abfolge. Für 2013 hatte ich mir „Fokussieren statt Verzetteln“ auf die Fahne geschrieben, und deshalb alle Berg- und Spaßläufe den schnellen 10ern etc. geopfert – mit dem heheren Ziel, in Ulm die 3:40 zu knacken. Mit München und Frankfurt als Sicherungsläufen. Nicht dass ich so überheblich wäre zu behaupten, dass ich die 3:39 auf jeden Fall schaffe. Aber bei 3 Anläufen wird schon ein Guter um 3:45 dabei sein.

P1010512 P1010513 P1010514 P1010515 P1010516 P1010517 P1010518 P1010523 P1010527 P1010528 P1010530 P1010536Na, was daraus geworden ist, das haben wir ja gesehen. Übrigens, falls es jemanden interessiert, auch wenn ich gerade meilenweit davon weg bin, aber die 3:39 sind immer noch mein Ziel. Ich werd das in diesem Leben noch laufen, i schwörs! So schnell geb ich nicht auf 🙂

Also, Frankfurt bereits in der ersten Meldewelle im Dezember 2012 gemeldet. Auch wenn keiner mit wollte. Gero, Philipp 1 und Philipp 2, der Herr Schauläufer und Horst haben sich im Frühjahr einen Freistart bei BMW rausgelassen. Horst hat seinen der Anja geschenkt – die wär ja lieber die Alb gelaufen, aber so ohne mich ist das halt auch langweilig, gell 🙂

Der Klaus chauffiert uns, und so ist die Anreise – zumindest für uns – schon recht entspannt. Startnummern abgeholt und folgende Botschaft vernommen: Das Tragen von Startnummernbändern sei ab sofort nicht mehr erlaubt. Diese Regel hätte irgendein Verband erlassen. Wahrscheinlich irgendein Textilverband, damit wir wieder schneller löchrige Shirts haben.

Beim Rumhängen auf der Messe treffen wir noch Christiane, Philipp mit Familie, den André, Klaus Duwe, Rolf und Tobi mit Sohn, die als Pacer im Rennen sind. Tobi macht 4:14, und da er hinter mir startet hoffe ich, dass ich dann auf den letzten Kilometern bei ihm mitlaufen kann – wenn ich noch kann. In Mainz konnte ich nicht mehr, aber diesmal wird er mich erst später einholen. Ich gehe von einer Zielzeit um 4:30 aus, ein bißchen drunter wäre schön, aber 4:15 sehe ich noch nicht. Rumjammern hilft aber nix, ich bin nicht da wo ich hin wollte, aber es gibt einen Status Quo, und den habe ich (für den Moment) akzeptiert. Mit Gewalt ist hier eh nix zu erreichen. Illusionen hab ich auch keine und nachgemeldet hätt ich auf keinen Fall.

Thomas, Floh und Kerstin treffen wir nicht, sind aber für hinterher verabredet. Auf den Lauf habe ich wenig Lust. Ich weiß dass es hintenraus wieder total zäh wird und dass ich es hassen werde. Das Dilemma ist, dass es mir bei so einem riesigen Lauf gar nicht möglich ist, schon am Anfang ein moderates Tempo zu laufen. Nein. Es wird mich wieder mitreißen, und ich werde viel zu schnell loslaufen, weil ich einfach nicht wahr haben will, dass ich mir das im Moment nicht leisten kann. Und dann ist halt ab km 15 wieder Schicht im Schacht. Übrigens ist auch blödes Wetter angesagt. 18 Grad mit Regen und Windböen von 8 – 9 Beaufort. Was ich mir überhaupt nicht vorstellen kann – Windstäke 10 ist schließlich schon Orkan.

mp-1 mp-2 mp-3 mp-4 mp-5 mp-6 mp-7Auf dem Weg in die Startaufstellung treffen wir noch Dieter Baumann, der uns viel Spaß wünscht. Er moderiert fürs Fernsehen. Es ist tierisch voll und wir sind echt froh, als wir endlich im Startblock stehen. Frankfurt ist mit kurzen Wegen sehr gut organisiert, aber bei 15.000 Startern ist es einfach ein Gedränge und ein stressiges Durcheinander. Plötzlich stehen Thomas und Floh im Startblock direkt hinter uns. Floh ist nervös, denn Thomas hat ihm gesagt, er soll heute unter 3:30 laufen. Merke: der Frankenweglauf war sein erster Marathon, und nur weil er den Transalpine Run gelaufen ist … kurz und gut, er kann noch nicht so recht wissen, was ihn erwartet. Ich bin ein bißchen neidisch, weil ich ziemlich sicher bin, dass er das mit einer spielerischen Leichtigkeit drauf hat (hat er auch). Thomas will 3:45 laufen.

Anja kriegt keine Satelliten, und schon geht es los. Sie wird sofort von der Menge verschluckt. Bis km 5 laufe ich immer in Sichtweite mit Thomas, dann ist er mir auch zu schnell. Kerstin ist am Straßenrand gut zu erkennen, sie hat einen langen Stecken im Rucksack, an dem zwei neonfarbene Stirnbänder baumeln. Noch strahlt die Sonne und es ist richtig warm, denn der Start war erst um 10:30 Uhr. Stärkerer Wind ist allerdings schon zu spüren. Einigen Läufern reißt es die Mützen vom Kopf und hinter mir höre ich auch irgend etwas umfallen. Im Pulk ist der Windschutz aber ganz gut. Die Stimmung in der Stadt ist klasse, wir laufen von einer Band in die nächste.

Ich laufe irgendein Tempo, das mir vertretbar scheint. In Frankfurt kann man sich die ersten 10 km nicht auf die Angaben der Uhr verlassen. Durch den verwinkelten Kurs und die Hochhäuser stimmt alles nicht. Bei mir ist es eh wurscht. Über die 10-km-Matte gehe ich mit 55 Minuten, das ist ein Schnitt von 5:30 und genau so fühlt es sich auch an – die Uhr zeigt aber 5:12 an und mehr Kilometer. Das Blöde ist, dass sich diese Fehlmessung ja bis zum Ende durchzieht und hochrechnet. Mir kanns heute egal sein. Ich werde langsamer, aber der erwartete Einbruch hinter km 15 bleibt aus. Dafür setzt aber jetzt Regen ein. Zwischen km 15 und 18 schüttet es mal kurz richtig, und es wird auch richtig kühl mit dem Wind.

Zum Halbmarathon komme ich weniger angeschlagen als in den vorherigen Läufen und mit 2:00,17. Ich denke, das kann mir heute doch unter die 4:30 reichen. Bei km 22 moderiert der Vanman gerade die Sieger mit 2:06 ins Ziel. Bei km 23 kommt ein kleines Tief, doch ich weiß, dass Theo und Kerstin bei km 26 mit Cola stehen. Cola gibt es in Frankfurt bei km 30, 35 und 40, und es ist kein Coca Cola, sondern irgendeine alternative Plörre mit Orangengeschmack ein anderes Fabrikat, das nicht so gut wirkt.

theo-1 theo-2 theo-3 theo-4Die VP bei km 25 lasse ich aus, aber was ist, wenn Theo und Kerstin das blöde Wetter abgeschreckt hat? Doch auf die beiden ist Verlass, ich sehe sie schnell in der Menge. Theo hält die Cola schon in einer großen Kaffeetasse bereit. Ich inhaliere tief 🙂 Das Zeug geht direkt in die Blutbahn und legt irgendwas in meinem Gehirn lahm. Rennmodus „ON“. Viel Zeit für ein Schwätzchen bleibt eh nicht, die beiden sagen, dass sie in 2 km wieder an der Strecke stehen. Ich bestelle gleich die nächste Cola…

Plötzlich laufe ich wie auf Rädchen – aber das kenn ich schon, das wird nicht lange anhalten. Also Vorsicht. Kurz darauf kommen wir zu einer Begegnungsstrecke, auf der ich Anja sehe. Sie ist so 1,5 km vor mir und macht – mit Verlaub – nicht den motiviertesten Eindruck. Wir rufen uns was zu. In der nächsten Kurve steht Jan Fitschen an Krücken und gibt ein Interview. Ich bin inzwischen in einem Cola-Delirium und könnte Bäume ausreißen. Da stehen nochmal Theo und Kerstin, und ich ziehe den nächsten Becher Cola. Die beiden werden sich ihren Teil denken 😉 Und weiter geht’s. Plötzlich finde ich den Lauf große Klasse. Mir fällt es total leicht, ich laufe ganz locker. Zwar nicht schnell, aber locker. Ob der Theo da sonst noch was reingetan hat, in die Cola?

Die Strecke ist relativ öde und der Wind nimmt zu. Die Kilometer vergehen schnell, und das Leichte Laufen hält an. Diesmal wird es keine Quälerei werden. Als ich bei km 32 durch komme, habe ich 3:08 auf der Uhr und weiß, dass ich es unter 4:15 schaffen kann. Es fühlt sich gut an, und was sind schon 10 km. Ich beginne zu überholen. Ein „Vegan Runners“ torkelt mir erschöpft in den Weg und ich möchte ihm zurufen „Hättsch halt was Gscheits gegessen!“, unterlasse es aber – höflichkeitshalber. Ihr wisst schon. Ich überlege, ob ich wohl schneller laufen könnte – kann mich aber nicht dazu aufraffen. Das Feld ist nicht mehr so dicht, und der Wind pfeift immer wieder böse herein. An manchen Passagen kommt er direkt von vorne. Dass inzwischen ein Sturm über Frankfurt bläst, der sogar Bäume entwurzelt und den Moderatoren das Dach überm Kopf wegreißt, das bekomme ich aber nicht so mit. So dramatisch fühlt es sich nicht an.

Mir geht es gut, so wahnsinnig gut. Zwar bin ich nicht schnell, aber ich laufe LEICHT. Zum ersten mal seit langer langer Zeit habe ich das Gefühl, wirklich zu LAUFEN, und nicht nur, meinen Kadaver über irgendeine Distanz zu schleppen. Das ist herrlich. Ich bin halt leider so gar nicht zur Askese geboren sondern erfreue mich lieber an den schönen Momenten.

Und der Moment hält an. Mit jedem Kilometer werde ich sicherer, dass es so bis ins Ziel reichen wird, ich weiß es einfach. Bei km 39 kassiere ich Anja. Sie will aber nicht mit mir zusammen fertiglaufen, sondern schickt mich weg. Auf den letzten 3 Kilometern sehe ich mindestens 5 kollabierte Läufer – was eher ungewöhlich ist, meistens liegen die doch weiter vorne. Die sind wahrscheinlich am Limit gelaufen und haben den Wind unterschätzt. Der wird jetzt auch immer stärker. Einmal bläst es so sehr von vorne, dass ich kaum noch vom Fleck komme. Es ist nicht leicht zu laufen heute, wirklich nicht.

cache_2437609246Die Zielgerade ist endlos, und auch hier kachelt es direkt von vorne. Es bläst mich beinahe in die Absperrung. Hinein in die Festhalle, auf den Roten Teppich, Stimmung bombastisch, Luft zum Schneiden, aber alles einfach nur geil. Ich müsste sprinten, um noch unter den 4:10 zu bleiben, will aber lieber den Zieleinlauf genießen. Der Kompromiss funktioniert: 4:09,51

Ich will auf Anja warten, muss mich aber kurz setzen. Genau in dem Moment verpasse ich sie. Die Bewirtungszone ist wie immer proppenvoll, ich treffe niemanden und gehe, bevor es zu kalt wird.

box-beideIn der Halle sammeln wir Klaus wieder ein, der echtes Schaulaufen gemacht hat. Erst locker gelaufen und nebenher fotografiert, hat er dann doch gemerkt, dass er zu schnell zum Trödeln ist. Also hat er sich dann doch noch bisschen angestrengt und mit 3:18 eine Bestzeit reingelaufen. Kein Kommentar. Hier ist dem-Klaus-sein Bericht.

autogrammThomas, Floh und Kerstin treffen wir auch wieder. Ich bin ganz gerührt, denn sie schenken mir ein Teamshirt der Frankenblitze und ernennen mich zum Ehrenmitglied. Oh mein Gott, und dann bekomme ich sogar noch eine Autogrammkarte. Wahnsinn! Das war MEIN Tag heute !!

hier ist der Bericht von Thomas

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3 Antworten zu Frankfurt Marathon – 27.10.2013

  1. Theo schreibt:

    Erste Sahne, Kati! The trend is your friend. Ich schwörs, die Cola war sauber, außer unseren guten Wünschen (rechtsdrehend, isotonisch) war nix drin! Hätte für die Anja auch noch gereicht, doch wir konnten sie im Läuferpulk nicht erkennen.
    Liebe Grüße Theo und Kerstin

  2. Carmen schreibt:

    Schön. Einfach schön, wenn es läuft. 🙂

    @ Theo: Coke mit rechtsdrehenden isotonischen Wünschen…. Klasse! Hihi!

  3. jollyjumper123 schreibt:

    So, endlich auch gelesen. Ja, das ist einfach toll, wenn es sich tatsächlich wie LAUFEN anfühlt und mit einer gewissen Leichtigkeit verbunden ist. Hab ich in letzter Zeit leider auch nicht so oft… Vielleicht 2014 wieder! 🙂

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