München Marathon – 13.10.2013

www.muenchenmarathon.de

21 is only half the truth

Diesen Lauf – sofern man dabei von „Lauf“ sprechen kann – widme ich der Kathi aus Österreich. Kathi läuft nämlich zeitgleich in Graz ihren allerersten Marathon, und zwar in … nein das erzähl ich erst später.

P1010461 P1010450 P1010447  P1010438 P1010437 P1010436 P1010434   P1010428  P1010420

… jetzt funktioniert das mit den Bildern wieder nicht gscheit …

.

.

.

Martin und Jo kommen mit nach München. Solange ich mich durch die Stadt plage, vergnügen sie sich im Tierpark Hellabrunn. Ganz nettes Alternativprogramm so.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

Ich bin immer noch müde von Ulm und vom Schönbuch und rechne mit einer Laufzeit von um die 4:30, was mir aber nicht wichtig ist. Ich will nur sehen, ob es hintenraus wieder so hoffnungslos wird wie in Ulm. Und ob die Muskulatur wieder so verkrampft wie im Schönbuch.

Auf der Messe treffen wir noch Martin aus Augsburg, er macht wieder den 4-h-Pacer im schnieken Wickingerkostüm. Später treffe ich ihn bei der Halbmarathonmarke, da er deutlich hinter mir gestartet ist. Die Startnummern sind wieder groß wie Bratpfannen, und dann bekomme ich auch noch zwei Stück, als Teilnehmer der Deutschen Marathonmeisterschaft sei man dazu verpflichtet, eine zusätzlich auf dem Rücken zu tragen. Ich mache lieber beide an den Gürtel, sonst werd ich unterwegs zur Lachnummer.

mp-1 mp-2 mp-3 mp-4 mp-5 mp-6 mp-7Es ist kalt und hat um 8 Uhr noch richtig geschüttet, aber kurz vor dem Start reißt der Himmel auf, und die versprochene  Sonne kommt heraus. Als Anfänger bin ich mal wieder zu warm angezogen, das Unterziehshirt hätt ich mir heut besser gespart. Also rolle ich es zu einem Rettungsring über dem Hosenbund zusammen, wo es gehörig nervt. Das Startnummernband hält nicht gscheit. Aufs Dixie kann ich so auch nicht, denn das System kostet zuviel Zeit, das krieg ich nie mehr stabil hin. Wegwerfen will ich das Shirt aber auch nicht. Naja. Erstmal verdrängen, beides…

Ich mag den Kurs. Gleich zu Anfang geht es grob Richtung Marienplatz, am Siegestor vorbei auf die Wendestrecke. Dort sehe ich auch Regina – sie winkt und sieht aus, als würde sie noch verhalten laufen. Mir sind sogar die 5:15 noch zu schnell und mir ist klar, dass es keinen Sinn hätte, sich zu quälen. Ich trabe halt mal so mit.

Bei km 8 herum geht es in den Englischen Garten, und das wird jetzt dauern. So schön es dort ist, so zäh ist es auch, und so voll. Die erste Staffel kommt von hinten, 20 Minuten nach uns gestartet. Der Typ kann laufen !!! Der Begleitradler dirigiert die Marathonisten von der Strecke. Ist ja alles schön und gut. Natürlich mache ich gern Platz, nehme gern Rücksicht auf Schnellere oder Langsamere und möchte niemanden behindern. Kein Thema. Trotzdem finde ich es beknackt, was für ein Zirkus hier wieder um die Staffeln gemacht wird. Kann mir das mal einer erklären? Warum für die Veranstalter die Staffeln so wahnsinnig wichtig und offensichtlich so prestigeträchtig sind? Warum müssen jetzt hunderte matter Marathonisten zur Seite springen, nur weil da einer schnelle 10 km läuft?

Ich halte nach Charly Ausschau. Er hat mir versprochen, dass er im Englischen Garten auf mich wartet. Eigentlich ist er mit Iris unterwegs, die auf 3:50 läuft und das auch schafft. Iris ist gut 🙂 Ich trabe so weiter und genieße es, soweit möglich. Meine Muskulatur ist nicht so verspannt wie beim Schönbuchlauf, das lässt hoffen. An einer Stelle ist es nicht gut, aber die fühlt sich so an, als würde sie sich weglaufen. Was sie tatsächlich auch tut.

Bei km 13 bin ich eine geschlagene Kreatur und schalte vollends in den Jogging-Modus. Ich hab nix drauf. Ein Halbmarathon wäre heute mehr als ausreichend. Bei km 15 kommt Iris von hinten, sie ist 10 Minuten nach mir gestartet. Ich laufe 200 Meter bei ihr mit und muss dann aber sofort abreißen lassen. Diese 200 Meter haben mir aber gezeigt, was normalerweise meine Geschwindigkeit wäre. Nämlich eine, die sich so verdammt gut anfühlen würde – könnte ich sie denn laufen. Es ist, als wenn Du ein altes Fotoalbum öffnest und darin alte Freunde siehst, von denen Du nicht mehr gewusst hast, wie sehr Du sie vermisst.

Nun jetzt wollmer aber mal nicht dramaturgisch übertreiben. Das anständige Laufen kommt hoffentlich auch wieder. Kurz darauf steht da tatsächlich der Charly. Sofort reiße ich mir das lästige Shirt runter und bitte ihn, das mitzunehmen. Sowas kannst auch nur beim Marathon bringen, aber jeder der mal Zuschauer war kennt das 🙂  Keine 2 km später kann ich mich dann auch ins Dixie retten, soviel Zeit hab ich heute. Endlich Laufen ohne das lästige Genestel. Danke Charly !

Bei km 16 kommt eine kleine private VP neben einer Combo mit gar schaurig unrhythmischem Geschrammel. Es sind junge Leute, sie bieten Tee und alkoholfreies Bier an. Ich bin begeistert und nehme ein Bier. Das beste Bier aller Zeiten 🙂

Die VPs in München sind perfekt gemacht, meistens beidseitig und sehr langgestreckt, mit Abstand zwischen den Tischen und guter Beschilderung. Es gibt auch an den Zwischenstationen meist noch ISO, spätestens aber alle 5 km. Leider gibt es nix mit Kohlensäure und auch hintenraus immer noch keine Cola. Das hab ich ja noch nie verstanden, warum die Münchner das Cola einfach dermaßen boykottieren. Zwischendurch gibt es Bananen (vertrag ich nicht) und wohl auch Gel, hab ich aber verpasst. Gel vertrag ich auch nicht, hätte es aber nochmal probiert. Zum Glück hab ich einen ranzigen kleinen Powerbar dabei. Ich glaub der war 2010 schon in Athen. Den brauche ich später, so hinter km 25.

Jetzt muss ich erstmal bis zum Halbmarathon kommen. Ich fühle mich schon sehr viel müder als in Ulm auf derselben Distanz. Um ehrlich zu sein, jeder Kilometer fühlt sich an wie zwei. Durch den Halbmarathon laufe ich mit 2:05, das dürfte ein trauriger Rekord sein *lach*. Mir egal. Jetzt sind es gleich nur noch 20 km, also total überschaubar. Man kann sich alles einreden. Zur Ablenkung mache ich Laufstil- und Ausrüstungsanalysen und lese mal ein paar Sprüche auf den Laufshirts.

Das ewige „pain is temporary, pride is forever“ geht mir tierisch auf den Nerv. Ein Wort wie „temporary“ in einem Slogan, sowas dichtet doch kein Muttersprachler. Beschließe mir ein Shirt „glory lasts“ zu beschaffen. Besser gefällt mir da schon „21 is only half the truth“, denn der Träger kommt in etwa so daher wie ich *lach*. Werde ihn später noch öfter sehen. Auch den  „Watt leeft datt leeft“ (oder so ähnlich) überhole ich später mehrfach. Schön ist auch die Werbung für eine Laufstilanalyse, die der Promoter nicht wirklich überzeugend verkörpert. Ein paar Leute gehören zu den „Vegan Runners“, „Musterstadt Marathonis“ oder sonstwelchen betont witzigen Vereinen. Italiener laufen immer in Gruppen und sind laut. Einer will mit Jesus ins Ziel. Jesus sehe ich aber auch diesmal nirgends. Schätze mal, der wird woanders nötiger gebraucht. Mal wirklich im Ernst: Was würde Jesus zu sowas sagen ???

Ok, nachdem das vor mir laufende Material abgelästert ist, mache ich mal den Window Check. Was bei km 15 zwar langsam, aber doch noch sichtbar locker und aufrecht lief, joggt jetzt mit versteiftem Schulterbereich und kurzen unsportlichen Schritten: Mittelgewichtige Mutti Mitte 40, schlecht trainiert, aber wollte halt auch mal  Marathon laufen. Nicht gerade das Bild, das ich von mir selbst so haben möchte. Also Augen demütig auf den Asphalt und weiter im Text.

Bei km 25 sind wir durch, immerhin gehen hier schon etliche. Ein paar haben auch Schnappatmung, sind aber trotzdem nicht schneller. Irgendwas stimmt mit dem Kurs nicht. Wir müssten doch an den Marienplatz kommen. Dort ist aber heut irgendeine Kirchenfete (vielleicht ist Jesus dort?) und deshalb wird die Strecke geändert.

KathiBei km 28 werfe ich einen der wenigen Blicke auf die Uhr: 2:57 – unwillkürlich habe ich eine Vision: Kathi aus Österreich auf der Zielgeraden. Und tatsächlich: Sie beendet ihren allerersten Straßenmarathon mit einer Wahnsinnszeit von 2:58 und wird damit 6. bei der Österreichischen Meisterschaft. Dazu fällt mir nix mehr ein. Einfach Bombe. Das katapultiert mich endgültig in die Liga der Jogger.

An den Marienplatz kommen wir dann bei km 30, und nur einmal. Beim Odeonsplatz bei km 32 moderiert Herr Heringhaus und sieht mich endlich mal. Ab jetzt wird es einfacher, es ist mehr Stimmung an der Strecke und viele Zuschauer. München ist ein toller Lauf, das Wetter ist bombig. Die Rahmenbedingungen könnten nicht besser sein. Und ich habe inzwischen gemerkt, dass es mir doch schon deutlich besser geht als in Ulm. Ich bin zwar nicht schneller und mir fällt wirklich jeder Kilometer schwer, aber es ist kein Kampf ums Überleben und es geht mir gut. Die Probleme im Fußgewölbe ignoriere ich so gut es geht. Was auch immer das jetzt für eine neue Baustelle wird, ich will es jetzt noch nicht wissen und hoffe, dass ich es auskurieren kann.

Ein paar Schleifen und Begegnungsstrecken noch, und schon sind wir bei km 35 am Siegestor und auf dem Heimweg. Die Stimmung ist großartig, und ich laufe es einfach vollends nach Hause. Bzw eigentlich hab ich ab km 36 noch einen schönen Hungerast, aber da kannst jetzt auch nix machen. Bei dem Tempo ist es eh egal. Mehrere Moderatoren stehen auf den letzten 10 Kilometern an der Strecke und die Orga hat die Stimmungshochburgen gut gesetzt.

Im Olympiapark sind Massen unterwegs. Den Einlauf durchs Marathontor genieße ich, und die Schlussrunde im Stadion erst recht. 4:30 sind schon durch, also kann ich mir jetzt ordentlich Zeit lassen. Es macht Spaß, aber trotzdem bin ich froh, im Ziel zu sein. Mehr brauchts für heute nicht 🙂  4:33 muss man nicht diskutieren, es kann nur besser werden 🙂

Später seh ich noch die HM-Sieger mit 1:07 herein laufen. Was für ein Wahnsinn !!

PS: vielen Dank an den netten Menschen, der mir mein Chipband samt Chip aufs Autodach gelegt hat  🙂

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter run veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu München Marathon – 13.10.2013

  1. Carmen schreibt:

    Gratulation für’s erfolgreiche Durchbeißen.
    Zum Thema Baustellen: tja…. So ist das halt
    mit uns alten Weibern… *zwinker*

  2. Theo schreibt:

    Hallo Kati, „Verliere nie den Respekt vor der Strecke“ beinhaltet doch wohl auch, dass man nach einer längeren Verletzungspause keine Bestzeiten erwarten sollte. Also: Kopf hoch, das war doch nicht so schlecht! Und was der Chef sagen würde? Vielleicht Mt.11.28

  3. Jörg schreibt:

    Schon erstaunlich, wie man sich einen Marathon auch nur mal so durchschummeln kann.

    Jörg

  4. Kati schreibt:

    Theo, jetzt muss ich wieder googeln. Aber warum denkt Ihr denn alle immer, dass ich ständig „Bestzeiten“ erwarte? So blöd kann doch nichtmal ich sein 🙂

    Jörg, also bitte, ich habe nicht geschummelt !!! das war echt harte Arbeit 🙂 So einer ist schwieriger zu laufen als einer, bei dem es einfach nur rollt *lach*

  5. Pingback: 2:58:50 – Mein erster Straßenmarathon und vorne die 2 – Ich freu mich! | nutsaboutrunning

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s