Frankenweglauf – 16.6.2013

www.frankenweg-lauf.de

und hier ist ein wunderbarer Bericht von Andrea Helmuth für m4y aus dem letzten Jahr. Hoffentlich wirds genauso schön 🙂

und hier es Video aus 2012 von den Runningbros, sehr gelungen 🙂 Die beiden waren auch wieder am Start.

(es komme noch mehr Bilder)

P1010015 P1010016 P1010014 P1010013 P1010012 P1010011 P1010009 P1010008 P1010007BATTERIES LOW –
Rennen gegen den Besenwagen

5:00 Uhr. Abrupt verlasse ich das Land der Träume. Wer ist der fremde Mann neben meinem Bett und was will er? Es ist Thomas. Er sagt, Kerstin habe Frühstück gemacht, und ob ich nicht aufstehen wolle. Es sei Marathon.

Achso. Nee, eigentlich, wenn ich ganz ehrlich bin, will ich nicht. Ich bin müde. Und letzte Woche war Biel. Aber Kerstin und Thomas haben mich eingeladen, vor dem Frankenweglauf bei ihnen zu übernachten.  Von mir zuhause aus wäre die Anfahrt mit Start um 8 Uhr unrealistisch gewesen, und wenn ich den Lauf jemals machen will, dann muss ich jetzt zuschlagen.

Gestern haben sie mir Nürnberg gezeigt, und heute wird gelaufen. Denn – getreu dem viel bemühten Zitat eines gewissen Herrn Wimmer: „Ein Marathönle geht immer.“ ((merke: man sollte vielleicht nicht dauernd Zitate von Leuten verwenden, deren läuferische Klasse man selbst so gar nicht hat)). Überhaupt hat Thomas damit angefangen, und ich nicht. Thomas ist schuld.

Der Frankenweglauf ist ein Lauf auf dem Frankenweg, und der Frankenweg ist ein 500 km langer Wanderweg durch die Fränkische Schweiz und andere schöne Gebiete. So einfach ist das. Der Frankenweg mündet irgendwann sogar in den Rennsteig, was für mich den Grusel aber eher noch erhöht.

Wir laufen 42 km von Streitberg nach Obertrubach, dabei kommen wir durch Muggendorf, Behringersmühle, Gößweinstein und Pottenstein. Durchaus sinnvoll wäre es gewesen, sich diese Ortsnamen und ihre Reihenfolge vorab einzuprägen, doch das merke ich erst, als es zu spät ist. ((der aufmerksame Stammleser dürfte jetzt schon ahnen, was kommt…))

Vor dem Start unterhalten wir uns kurz mit Herbert Peter, dem Organisator. Eindeutig selbst ein Läufer alter Schule, da braucht man gar nicht erst zu fragen. Er berichtet von 80 Voranmeldungen. Auf der Starterliste kenne ich niemanden außer Anton und KLaus, und KLaus kann leider nicht kommen. Antons Bericht für Marathon4You findet Ihr hier.

Thomas läuft mit Floh. Floh ist – Achtung, bitte strammstehen, Promialarm – Mittelfränkischer AK-Vizemeister über 800 Meter und läuft heute seinen ersten Marathon. Angesichts des noch streng geheimen Vorhabens der beiden im Herbst ein durchaus guter Plan … (stellt Euch mal vor, Ihr geht zum TAR und habt noch nie einen Marathon gemacht *kreisch*).

Jedenfalls, soviel ist klar, die beiden werde ich nur am Start in einer Staubwolke sehen. Kerstin und Flohs Freundin kommen als Betreuer und Fotografen mit.

Das Startbanner ist über einen schmalen Weg gespannt, rechts Kuhweide, links Wiese, Startnummernausgabe ohne Schnickschnack vor Ort, kein großes Gewese. Ich bin doch etwas überrascht, dass die meisten Läufer von Kopf bis Fuß in SALOMON gekleidet sind und die meisten auch mit Rucksack laufen. Rucksacktrainingsläufe wahrscheinlich. Auch die wenigen Damen sind bewaffnet bis an die Zähne. Zum Glück habe ich wenigstens meine Träälhose an.

höhe m4y-01 m4y-02 m4y-03 m4y-04 m4y-05 streckeMein Bestreben für den heutigen Tag ist es, nicht grad Letzter zu werden. Allein mit roter Birne und dem Besenradler, und das über viele Kilometer, nein danke. Es gibt übrigens auch gar keinen Besenradler, denn der Frankenweg ist ein anständiger Trääl mit Wurzeln, Steinen und senkrecht nach oben führenden Holztreppen, da kannst gar nicht radeln. Herbert sagt, dass die Bergwacht die Funktion des Besenwagens übernimmt.

Die Streckenführung sei ganz einfach, wir sollen immer der offiziellen Beschilderung des Frankenwegs folgen. An den unübersichtlichen Stellen sind weiße A4-Blätter mit der Laufrichtung aufgehängt und am Boden finden sich zusätzlich neonpinkfarbene Richtungspfeile. Klingt alles logisch.

In der Praxis ist es aber so, dass die Streckenmarkierung immer dort vorbildlich ausgeführt ist, wo der Streckenmarkierer noch mit dem Auto anfahren kann. Allein das ist richtig viel Arbeit. An den unzugänglichen Stellen im Wald jedoch ist die zusätzliche Markierung mehr als sparsam *hüstel*. Es ist auch klar: bei einem Lauf mit 80 Startern kannst Du nicht 10 Leute mit der Streckenmarkierung beauftragen.

Genug Vorgeplänkel, es geht los. Wir starten im Wald, schön schattig, es geht ein warmes Lüftchen. Flach bleibt es nicht lang, schon schraubt sich der Lauf im Zickzack irgendwo hinauf. Es ist ein wunderschöner Waldwanderweg. Mir gefällts, und es sind auch noch genügend hinter mir.

An der ersten VP gibt es Wasser, das genügt auch. Waldstücke wechseln mit Wiesen- und Feldpassagen ab, ständig komt irgend etwas anderes. Die Anstiege sind anstrengend, aber immer überschaubar lang. Hinter km 6 laufen wir durch die Oswaldhöhle, hier führt auch der Wanderweg hindurch. Stockfinster ist es da drin, und ich bin froh, nicht allein zu sein. Das  Vergnügen ist kurz. Gleich danach ziemlich senkrechte Treppenstufen.

Ich merke schon, dass es mir schwer fällt. Die Abwechslung im Laufrhythmus ist ohnehin etwas, womit ich schwer zurecht komme. Kraft hab ich auch wenig und meine Augen sehen heute nicht gut, muss mich sehr konzentrieren. Macht nix, ich versuhe einfach, locker zu bleiben. Hinter km 10 unterhalte ich mich grad mit zwei Herren aus Zeil über deren Waldmarathon, schon stehen wir in der Pampa. Der Weg ist hier so schmal, dass man ihn schnell verlieren kann. Ein paar andere sind uns hinterher gelaufen.

T-01 T-02 T-03 T-04 T-05 T-06 T-07 T-08 T-09 T-10 T-11 T-12 T-14 T-15 T-16 T-17 T-18 T-19 T-20 T-21 T-22 T-24 T-25 T-26 T-27 T-28 T-29 T-30 T-31 T-32 T-33 T-34 T-35 T-36(danke an Kerstin und Thomas für die Bilder !!)

Einer meint, er wisse wo es weiterginge, aber das stimmt dann leider alles gar nicht, und wir laufen in verschiedene Richtungen, bis wir endlich umdrehen und den Ausgangspunkt suchen. Als wir wieder auf den Weg kommen, laufen dort grad die letzten Läufer. 10 Minuten sind dabei mindestens drauf gegangen.

Elke und eine Dame in einem ganz tollen Rock kennen den Weg, das ist schonmal nicht schlecht. Aber ich habe Adrenalin und will nicht Letzter sein. Die Platzierung wär mir wirklich wurscht, aber ich hab Angst, verloren zu gehen. Das hat sich schnell… Ich könnte ja nicht mal nach dem Weg fragen, da ich gar nicht weiß, wo ich hin muss. Und den „Frankenweglauf“, den kennt hier garantiert keiner.

Wir kommen durch das nächste Highlight, eine riesige eingestürzte Höhle, durch die wir auf abwärts führenden Treppen hindurchlaufen. Die beiden Zeiler Weinbergschnecken (so stehts auf ihren Shirts) sind auch wieder dabei.

Die Reihenfolge bringe ich nicht mehr zusammen, aber die ersten 17 km des Laufs sind definitiv die schönsten. An der VP warten Kerstin und Flohs Freundin. Ich gehe schon seit km 14 am Stock und bin nicht mehr gesprächsbereit. Es ist schwül.

Vollverpflegung die keine Wünsche offen lässt gibt es bei km 17, 27 und 37, genau wie ausgeschrieben. Davor und dazwischen immer Wasser und oft Cola. Das sollte ja für einen lumpigen Marathon mehr als genug sein, denkt man. Ist es auch.

Trotzdem möchte ich mein Gesicht gern gesehen haben, als wir nach mehrfachem Verlaufen ziemlich durstig die VP an km 32 erreichen und die aus einem Trinkwasserbrunnen nebst aufgestelltem Tischchen mit Bechern besteht. Personal? Hat schon Feierabend. Menschliche Ansprache und 2 Salzstängel wären schon nett gewesen…

Doch der Reihe nach. Ich sehne den HM herbei, denn bisher lief es ja noch ganz gut und ich liege auf einer Zielzeit deutlich unter 6 Stunden, eher Richtung 5:30. Wieder geht es über anspruchsvolle Trails und dann senkrecht Stufen hinauf. Das Blut rauscht in den Ohren, ich bin klatschnass und muss mehrfach anhalten.

Oben kommen wir wieder vom Weg ab, zwei ortskundige Mitläufer wissen aber zumindest, an welchen Ortsausgang wir gelangen müssen. Einmal quer durch eine Stadt, ich glaube es ist Muggendorf. Wir werden angestarrt wie die Mondlandung.

Dann geht es auf ein schönes Flachstück, immer an der Wiesent entlang, dem größten Fluss der Fränkischen Schweiz. Für mich laufbares Gelände, aber es bleibt nie lange gleich.

Inzwischen hab ich mich mit den Zeiler Weinbergschnecken angefreundet und wir laufen immer mal wieder stückweise zusammen. Hinter uns kommen Elke und Susanne und noch ein paar vereinzelte Läufer. Der Besenwagen ist nicht in Sicht. So vergeht die Zeit bis km 27.

Hier ist die nächste größere VP und ich brauche eine Pause. Eigentlich hätt ich schon genug. Es ist heiß, meine Speicher sind leer, und ich will nimmer so recht. Mit einem bärtigen Herrn sitze ich auf einer Bierbank und wir jammern so lange, bis wir beide lachen müssen. Die anderen sind längst weg, und irgendwann raffe ich mich zum Weiterlaufen auf. Der bärtige Herr steigt glaub ich aus.

Übel ist, dass jetzt auch die ganzen Wanderer und Spaziergänger aufgewacht sind. Die meisten grüßen, schauen aber doch recht befremdet was wir da so rumrennen bei dem Wetter… , feuern an, gehen aus dem Weg und sind sehr nett, aber mir fällt es zunehmend schwerer, mich entsprechend zu bedanken oder von hinten bemerkbar zu machen.

Ich wär gern allein. Der Weg ist nicht immer einfach zu finden. Einmal geht es mitten durch einen Biergarten, Thomas hat mich schon gewarnt. Leider hat er mir nicht gesagt, wo dort der Ausgang ist. Kurz darauf dasselbe an einem großen Parkplatz, hier ist aber gut ausgeschildert.

Bei km 30 will ich nur noch nach Hause. Noch kann ich gut unter 6 Stunden bleiben, und das krieg ich auch vollends hin. Hinter mir sind höchstens noch 3 Leute. Der Besenwagen besteht aus 2 jungen Berwächtlern auf einer Art Quad, sie fahren uns aber nicht hinterher, sondern machen Durchlaufkontrolle alle paar Kilometer.

Ich passe höllisch auf, um den Weg nicht zu verlieren. Einmal zeigt das Frankenweg-Schild in zwei Richtungen: Geradeaus auf dem Hauptweg und nach rechts auf einen winzigen Trampelpfad. Da sonst keine Markierung vorhanden ist, bleibe ich auf dem Hauptweg. Auf einem geröllartigen Weg laufe ich in der sengenden Sonne ein endloses Flusstal entlang. Es kommen keine Markierungen.

Am nächsten Abzweig kann ich mich gar nicht entscheiden, laufe dann aber wieder geradeaus weiter. Zwei Wanderer sagen, sie hätten schon länger keine Läufer mehr gesehen. Also drehe ich um. Zurück zu dem Abzweig… dort geht es steil einen Anstieg hinauf.

Oben ein kleiner Platz mit 5 weiteren Abzweigmöglichkeiten. Hier stehen Susanne und noch eine Dame, ziemlich ratlos. Sie waren schon noch weiter oben, ist aber auch falsch. Ein befragter Wandersmann hat wohl auch keine Vorstellung, wo er selbst hin will.

Gemeinsam gehen wir zurück bis zu der Stelle an der dieser winzige Trampelpfad abbiegt. Das ist unser Weg. Unterwegs treffen wir noch einen Herrn, der den GPS-Track auf die Uhr geladen hat. Die Aktion hat doch jetzt mindestens 20 Minuten gekostet.

Die restlichen 12 Kilometer schleppen wir uns gemeinsam von X nach Y und suchen den Weg. Landschaftlich Erwähnenswertes kommt nicht mehr, dafür laufen wir viel in der Sonne.

Es passt. Susanne und ich sind gleich schlapp und ergänzen uns gut, die beiden anderen machen einen fitteren Eindruck, wollen aber wie es aussieht auch nicht alleine laufen. Ich bin wahnsinnig froh, dass ich hier jetzt nicht alleine rumgurke, was hätte ich das gehasst. Der Besenwagen stört mich dann auch nicht mehr 🙂

Als die 4 Letzten erreichen wir zusammen bei 6:29 das Ziel und sind echt froh. Die Siegerehrung ist grad vorbei und alle anderen verlassen bereits die Lokalität. Was für ein Lauf. In der Erinnerung werde ich ihn eher als Ultra denn als Marathon behalten. Sapperlott….

Wer die Demut vor der Marathondistanz zu verlieren droht, der sollte hier mal hergehen 🙂

Statistik:
Offiziell +1.087 / -969 Höhenmeter (Garmin +1.357 / -1.248)
gelaufene Strecke: 45,02 km
Zielzeit: 6:29:54
Platz 8/8 AK, Platz 11/11 Frauen, Platz 71/72 gesamt (80 Meldungen)

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PS: Die Fränkische Schweiz ist eine wunderschöne Gegend mit hohem Erholungswert. Es gibt zwar schon ordentlich Tourismus, trotzdem erscheint es noch nicht wirklich überlaufen. Kann man sich merken, auch zum Radeln und Baden 🙂

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7 Antworten zu Frankenweglauf – 16.6.2013

  1. Mensch Kati, Du darfst Dir doch nicht alles schon vorher anschauen!!! Dann ist es ja gar keine Überraschung mehr. Ich freu mich auf Sonntag!

  2. Philipp schreibt:

    „ich bin froh, nicht allein zu sein.“…“Ich wär gern allein“…“Ich bin wahnsinnig froh, dass ich hier jetzt nicht alleine rumgurke“….
    Bemerkenswert wie sich Gefühlslagen innerhalb 42 km ändern kann. =)
    Den Lauf sollten wir aus m RW Forum mal zusammen machen… mal schauen, wie viele ihren Bericht dann bei „mitten durch einen Biergarten“ beenden müssen!
    Merci für den Bericht & Göückwusch zum Finish!

  3. Dass Du Dich so oft verlaufen hast, hast Du mir noch gar nicht erzählt. Also – eigentlich war die Markierung eindeutig (aber auch wir haben sie manchmal übersehen, hatten aber immer das Glück, dass uns andere drauf aufmerksam gemacht haben). Ich hatte am Ende 42,5 km und 1225 Hm. Der Ort beim HM war Gößweinstein, nicht Muggendorf (aber ist wahrscheinlich auch egal :-))
    Ich glaub trotzdem: mehr als ich mich kannst Du Dich gar nicht gequält haben!
    Noch mal Glückwunsch, dass Du es trotz allem durchgezogen hast.

  4. Harald Lutz schreibt:

    Hallo
    Hier ist noch mal einer der Zeiler Weinbergschnecken.Alles gute für die Zukunft und vielleicht sehen wir uns beim Zeiler Waldmarathon.
    Übrigends war es mein erster Marathon und ich bin nächstes Jahr wieder dabei.
    Grüße

    Ein Zeiler Weinbergschneck

    • Kati schreibt:

      Hallo Harald, so locker wie Du da gelaufen bist, war der erste Marathon aber LÄNGST überfällig !! Wir sehen uns jetzt sicher öfter. Grüße, Kati

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