Albmarathon Schwäbisch Gmünd – 27.10.2012

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Ein Winter-Alb-Traum

Ja, es war kalt beim Albmarathon. Sehr kalt, stellenweise bestimmt mehr als nur -1. Und es hat geschneit. Sehr viel geschneit. Die ganze Zeit. Da hat die Wettervorhersage recht behalten. Trailschuhe wären kein Fehler gewesen, ansonsten war ich richtig angezogen. Wer weiß wie sehr ich Kopfbedeckungen hasse, der versteht das Wetter am besten wenn ich berichte, dass ich mir die Mütze bereits IN der Halle aufgesetzt hab. Freiwillig.

Also um es auf den Punkt zu bringen: Es war unwirtlich und nass und klamm. Die meisten Probleme hatte ich mit dem Schnee in den Augen, der teils waagrecht und mit Wind kam. Mir wird bei Schneegestöber ja gern auch schlecht und schwindelig, was mit meinem Sehfehler zusammenhängt und damit, dass mein Gehirn dann endgültig überfordert ist (bitte sich diesbezüglicher Kommentare zu enthalten *gg*). Die Finger durchblutet zu halten ist mir auch nicht immer gelungen. Also ein Haufen Nebenkriegsschauplätze.

Von meinem Vorhaben, das Ding in 5:30 laufen zu wollen, verabschiede ich mich deshalb schon am Start. Besser ist das, und es kann eh nicht klappen. Wer Bilder vom Albmarathon bei strahlendem Wetter sehen möchte, kann gern  in meinem Bericht von 2010  schauen.

Der Lauf hat es so und so in sich. Die 1.070 Höhenmeter sind nicht nur auf die 3 Kaiserberge Rechberg, Hohenstaufen und Stuifen, sondern auch auf viele andere kleine und mittlere Anstiege verteilt. Durchaus anspruchsvoll. Dazwischen kommen etliche Traversen übers freie Feld, auf denen man dem Wind schonungslos ausgesetzt ist. Aber auch sehr schöne Waldstücke. Die traumhafte Aussicht hat heute natürlich frei.

… vorher (Quelle: Erwin)


Thomas hat die schönste Mütze, Gerhard kurze Hosen, Birgit strahlt und bei Norbert hab ich auch was Unglaubliches entdeckt, aber darüber kann ich jetzt leider nicht berichten, sonst darf ich nie mehr mitfahren 😉

Schön ist es, schon im Prediger und am Start ganz viele Bekannte zu treffen, da ist mords Geschnatter. Jochen meint, dass es wenig Sinn macht, die Kamera mitzunehmen. Der Lauf ist der letzte Wertungslauf zum ECU – Europacup der Ultramarathons, und nicht ganz ohne Eitelkeit freue ich mich mitteilen zu dürfen, dass der Rennsteig und Biel mich in die Wertung bringen 😉

KATIS PACE TEAM hat heute einen richtig großen Auftritt, denn mit Anja, Carmen und mir haben wir eine Mädelsmannschaft, Philipp, Volker und Hannes machen die Männermannschaft. Philipp2 startet auch für uns. Starke Sache. Wir Mädels schlagen die Damen aus Vohenstrauß aus dem Rennen, sind aber so durchgefroren, dass wir nimmer bis zur Siegerehrung durchhalten. Unsere Herren landen auf Platz 6. Ein Mannschaftsfoto schaffen wir auch nicht. Nun, da ist zumindest in der B-Note noch Luft nach oben 🙂

Carmen hat uns den Pokal noch abgeholt 🙂

Die Betreuung unterwegs ist sensationell gut, die armen Helfer frieren sich für uns stundenlang alles ab und sind trotzdem bis zum Schluss gut drauf und freundlich. Was die Stimmung angeht, gewinnt der Lauf durch die harten Bedingungen. Jeder ist schneller zu einem Gespräch bereit, und wenn einer hinfliegt, dann hilft man sich. So komme ich zu vielen netten Schwätzchen unterwegs. Zwischen km 10 und 20 überholen Volker und ich uns immer wieder gegenseitig, und auch Axel treffe ich immer wieder. Anja und Hannes sind schon nach vorne weg. Die ersten 15 (oder mehr) Kilometer bis zum Hohenstaufen hab ich einfacher in Erinnerung, es geht aber auch hier schon pausenlos rauf und runter. Nett ist die Bergpassage am Hohenstaufen, hier musste ein kleiner Streckenabschnitt geändert werden, was die Begegnungsstrecke verlängert. Keine Sicht oben, aber dafür Großes Winken und Hallo. Schnell geht es weiter zum Rechberg. Hier wurde ein Stück des Anstiegs gekürzt, das kommt mir sehr entgegen. Die Blaskappelle trotz dem Wetter, wow.

Kurz vor dem Rechberg spricht mich Matthias an, der Matthias aus Schmiden, der mich da so toll angefeuert hat. Wie hat er mich nur in der Montur erkannt? Heute und hier läuft er auf meine Empfehlung und findet den Lauf super, das freut mich saumäßig. Die Bedingungen sind nicht die besten, aber das Schneetreiben hat doch was Weihnachtliches und es macht auch Spaß. Die ausgesetzteren Streckenabschnitte kommen mehr auf der zweiten Hälfte, oder vielleicht fallen sie da auch nur mehr ins Gewicht weil man müder ist und so langsam doch auskühlt. Meine Schuhe und Socken sind klatschnass, ist nicht der Hit. Auf dem Rechberg könnte man auch auf 25 km umbuchen und dort ins Ziel laufen, Busse für den Rücktransport stehen bereit. Aber da Anja weitergelaufen ist, ist das für mich auch nicht wirklich eine Option. Lukas ist hier auch schon zuhause, aber Rainer läuft weiter. Die zwei-drei Kilometer mit den Jungs waren jetzt richtig nett 🙂

Auf dem Rechberg bin ich bei 2:50 und erkläre noch, dass die zweite Hälfte schneller geht, weil da ja weniger Höhenmeter drin sind. Denkste. Jetzt kommt nämlich erst der härtere Teil. Hier liegt richtig Schnee, es ist richtig Winter, aber zu nass um schön zu sein. Der Trampelpfad auf den Stuifen hinauf ist eine rechte Herausforderung. Reiner läuft in Schuhen mit der Auflagefläche von Moonboots, da kennt er nix. Einen lustigen älteren Franzosen haben wir noch im Schlepp, der mehrfach betont, dass wir alle vorbei dürften, außer wir seien Franzosen der AK65, dann nicht. Bin ich froh, als wir von dem Berg wieder drunten sind. An der nächsten Station so bei km 30 gibt es die besten Müsliriegel der Welt, und da treffen wir auch den Erwin. Erwin, das muss ich jetzt mal sehr lobend und dankbar erwähnen, holt egal in welcher Lebenslage immer sofort seinen Foto heraus, damit ich Bilder für den Blog bekomme. Das ist ein Service, *hihi*. Hier ist Erwins Bericht.


Bild vom Erwin. Mit Gabi und Reiner. Mein Gesicht: unbezahlbar 😉

 


(ein paar Stimmungsbilder von der Conny)

Es sind nur noch 20 Kilometer, nicht mal mehr ein lausiger Halbmarathon, aber es wird richtig anstrengend. Die Temperaturen sind gesunken und der Schnee kommt härter und waagerecht.

Ein Mitläufer erklärt mir, dass jetzt das übelste Stück des ganzen Laufs kommt – ähm ich hätte gehofft, das haben wir gerade hinter uns? Auf einer gesperrten Straße geht es ziemlich lang eine Begegnungsstrecke hinunter. Die, die uns entgegen kommen, sind eindeutig schneller, es kann also dauern, bis wir hier wieder ausgespuckt werden. Am Ende des Zubringers wird eine große Schleife gelaufen, in deren Mitte wiederum eine ganz kurze Begegnungsstrecke mit Wende angelegt ist. Hier kommt mir Anja entgegen, sie hat keine 5 Minuten Vorsprung, eher 3.

Doch anstatt mich auf die Jagd zu begeben, verfalle ich nun endgültig in den Trödelmodus. Der reichlich ausgeschenkte warme Tee zwingt mich zu einem kleinen Aufenthalt bei km 35, und weil da grad eine VP ist, gerät die Pause dann doch etwas länger. Es gibt vornehmlich Toastbrot und Salzbrezeln, Riegel sind nicht überall zu sehen. Hab nicht so sehr drauf geachtet, aber ich glaub sooo üppig ist die Verpflegung nicht gerade. Egal, ich brauch heute wenig. Im zweiten Teil der Strecke kommen die Stationen sehr dicht aufeinander, und überall gibt es Cola. Die schöne Rennstrecke bergab laufe ich mit angezogener Handbremse, ist doch arg rutschig und mein Knie ist auch nicht mehr so entspannt.

(Quelle: Laufreport)

Viele Straßen müssen gequert werden, jeder Punkt ist mit 2 – 4 Helfern besetzt. Die haben sich ihren Samstag bestimmt auch anders vorgestellt. Auf den letzten 20 Kilometern ist das Feld schon sehr entzerrt, so dass ich zwischen den Stationen meistens alleine laufe. An den VPs trifft man aber immer wieder auf dieselben.

Wieder zurück auf der Begegnungsstrecke treffe ich Birgit (von ihr ist das Bild), Thomas, Carmen, Conny und Jörg. Alle laufen für sich, nur Conny ist in einem Männerpulk 🙂 Jörg hat auch ein paar Begleiter. Bei denen ist es sicher lustig, aber ich bin trotzdem total froh, dass ich aus dem Schleifenkurs schon wieder draußen bin.

Bei km 40 erzählt mir Frank, dass das sein erster Ultra ist, mehr als HM ist er noch nicht gelaufen, allerdings ausreichend lange Strecken im Training. Mir tut ja schonmal jeder leid, der hier ins Ungewisse läuft. Ich bin wirklich froh, als wir endlich im einstelligen Bereich sind, jetzt ist es absehbar. Der Schnee wird fast schon zu Schneeregen, hier unten ist auch nur wenig liegengeblieben. Die Marathonmarke passiere ich bei 5:04, das darfst auch keinem erzählen…

Die letzten Kilometer ziehen sich halt so dahin, es geht minimal abfallend auf einer langen Geraden Richtung Heimat. Mir machen solche Strecken nix aus, im Gegenteil, da kann ich es rollen lassen und mein Laufrhythmus wird nicht dauernd unterbrochen. Lustlos schlurfe ich dahin, mir ist kalt und ich hätt jetzt dann genug. Die letzten 2 km durch Schwäbisch Gmünd sind besonders lang, ich bin froh, dass ich endlich im Ziel bin. 5:54 ist ok, da kann ich mich noch freuen, unter 6 geblieben zu sein. Frank kommt keine 2 Minuten nach mir rein, Gabi ist 2 Minuten vor mir, und als der Streckensprecher unsere Namen ansagt kapieren wir dann auch, dass wir uns ja aus FB auch schon kennen.

Schnell Tasche geholt, mir ists schon wieder schnatterkalt. Anja tauscht im Foyer Jägerlatein mit den beiden Philipps aus, die sind schon geduscht. Sie hat mir auf den letzten 20 km noch ganz schön Zeit abgeknöpft, 13 Minuten war sie vor mir im Ziel. Hannes finden wir auch zügig wieder, er ist 5:29 gelaufen, was mir etwas unheimlich ist. Wie macht er das, dass er sämtliche Umweltfaktoren einfach immer ausblendet?

  … nachher

Ja, ein Lauf, der in Erinnerung bleiben wird, sicher bei allen die dabei waren 🙂 So richtig schön war es jetzt nicht, aber auch nicht so richtig doof. Es war halt von allem was dabei. Die gute Stimmung und die vielen netten Leute unterwegs haben das Wetter ziemlich ausgeglichen, so dass das Positive überwiegt. Die zweiten 25 km hätt ich läuferisch nicht wirklich gebraucht, aber Rausgehen wär auch blöd gewesen. Rausgehen ist eh immer ganz schlecht für die Moral, das möcht ich mir für die Fälle vorbehalten, in denen es gute Gründe gibt 🙂

Statistik:
Albmarathon: Platz 8/14 W45, Platz 37/54 Frauen, plus 348 Männer
ECU: Platz 10/21 Frauen, Platz 4/9 W45

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4 Antworten zu Albmarathon Schwäbisch Gmünd – 27.10.2012

  1. frawel schreibt:

    Danke Kati für den tollen Bericht. Dein Gesicht am VP ist in der Tat unbezahlbar 🙂

  2. Carmen schreibt:

    Hallo Kati!
    Auch von mir ein dickes Dankeschön für den tollen Bericht. Trotz des Mistwetters war es ein richtig schöner und gut organisierter Lauf. Durch Deinen „Schubs“ für die Anmeldung/den Start dort kann ich nun einen richtig guten Langstrecken-Jahresabschluss verbuchen und bin nun so richtig zufrieden mit mir. 🙂

  3. Rainer schreibt:

    Schöne Grüße auch vom Rainer (290), der Dich ein kleines Stückchen mit dem Lukas zusammen vor km 25 begleitet hat 🙂

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