München Marathon – 14.10.2012

www.muenchen-marathon.de

„Wenn das Pferd tot ist, dann steig ab…“ (frei nach John Wayne)

München 2000, 2001, 2011, 2012… Ist das wirklich schon ein ganzes Jahr her, dass wir hier waren? Das Olympiagelände ist immer noch schön, die Architektur eigenwillig und unverwechselbar, auch nach 40 Jahren noch. Mir gefällt das.

Ich brauche noch ein Startnummernband, doch die Messe ist nicht mehr dort, wo sie im letzten Jahr war. Und die Startnummernausgabe ist nicht mehr auf der Messe, sondern in einem viel zu kleinen Foyer. Wie dort die erwarteten 18.000 Teilnehmer abgefertigt werden sollen ist mir ein Rätsel. Man darf nur in eine Richtung gehen, und nachdem ich in der Schlange vor den Toiletten 15 Minuten gewartet habe, möchte uns eine Helferin dort wegscheuchen (vergiß es…). Die Frau am Helpdesk weiß nicht, was ein Locher ist. Auch Schere kennt sie nicht, und Kugelschreiber gibt sie nur widerwillig heraus. In der Startnummer sind keine Löcher, dafür ist sie so groß wie eine Bratpfanne. Bis wir wieder draußen sind, sind wir schon völlig entnervt. Was ist hier heute los? Da ist Greppi, leider nicht viel Zeit. Wir traben zur Gepäckabgabe, das klappt reibungslos. Dann zum Start, vorher nochmal schnell in diverse Gebüsche. Alles bereit.

(Quelle: ganz-muenchen.de)

Es ertönt die Nationalhymne, schließlich sind wir auf einer Deutschen Meisterschaft. Auch ich laufe da mit, wozu hab ich einen Startpass, und es vergrößert nur die Leistung der Sieger, wenn man eine deutliche Distanz zu den Letzten sieht. Startschuß. Perfektes Anfangstempo. Mir läuft’s richtig gut. Noch… Da ist Olli, aber den kann ich jetzt nicht aufhalten. Auf dem 10. Kilometer merke ich, dass doch nicht alles so perfekt ist. Irgendwas stimmt nicht. Über die 10-km-Matte gehe ich mit 50:03, das ist noch gut, aber die Beine werden gerade schwer. Der 11. Kilometer ist sehr unlustig. Wir sind schon im Englischen Garten, und der 3:30 Zugläufer ist genau hinter mir, möchte aber nicht vorbei. Bis km 14 kann ich das noch mitlaufen, dann muss ich mir eingestehen, dass heute ein ganz, ganz mieser Tag ist. Autsch.

Was jetzt? Das Wetter ist wunderbar, die Sonne kommt raus (die war nicht angesagt und ich bin für kühlere Temperaturen angezogen), es ist herrlich. Ein Prachttag. Das Feld ist noch ein bißchen eng, aber es lässt sich gut laufen, und spätestens ab km 15 hat es sich ausreichend entzerrt. Die besten Bedingungen. Ich musste damit rechnen, dass es mir heute schwer fällt. In den 14 Tagen vor dem Marathon 3 Wettkämpfe am Anschlag zu laufen ist nicht wirklich intelligent, aber mir war halt danach. Damit muss ich jetzt klar kommen und jammern hülft nüscht. Ich könnte mich jetzt hängen lassen und mit 4:10 locker ins Ziel traben, aber ich hab mir vorgenommen, auf jeden Fall das beste machbare Ergebnis mitzunehmen. Beißen muss man auch trainieren, sonst kann man es auch dann nicht, wenn es sich mal lohnen würde… Plan A sieht 3:45, Plan B 3:49 vor. Noch glaube ich, dass sich Plan B einrichten lässt.

(Quelle: Abendzeitung.de)

Siegestor: Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend.

(Quelle: Runner’s World)

(Quelle: Runner’s World)

Über den HM gehe ich trotz gib-alles mit 1:50, das tut in der Seele weh. Meine hintere Oberschenkelmuskulatur ist völlig hart, so als sei ich schon weißgottwieviele km gelaufen. Das kenne ich überhaupt nicht, doch nicht beim Halbmarathon? Paradoxerweise sieht es hier auch schon aus wie sonst immer hinter km 30 – ein Schlachtfeld: das schleifende Geräusch von Laufschuh-auf-Plastikbecher, keuchendes Schweigen, emotionale Ödnis, viele schwer angeschlagene Läufer – HALLO wir sind erst beim Halbmarathon, und im übrigen immer noch auf 3:40-Kurs, irgendwas stimmt hier doch nicht? Über den Rest gibt es nicht so viel zu erzählen, ich beiß mich da halt durch. Ein wenig wundere ich mich darüber, dass immer wieder minimale Anstiege kommen – laut Veranstalter hat der Lauf 40 Höhenmeter, der Garmin gibt 150 aus, die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Der Lauf ist toll, München ist toll. Viele Highlights, nicht nur in der Innenstadt, Marienplatz bei km 30, da moderiert der VANMAN, sieht mich aber nicht, gute Stimmung, wenn auch nicht überbordend. Olli sehe ich auf der Begegnungsstrecke bei km 32, auf meinem Heimweg treffe ich dort Hannes, der sieht noch locker aus, Martin erkenne ich unter dem Wikingerhelm nicht. Charly hole ich kurz darauf ein, der will aber nicht mehr mit mir mitlaufen. Arg viele Staffeln sind unterwegs, die jucken mich aber nicht, obwohl ein paar – vornehmlich Herren – sich beim Überholen schon wie Götter fühlen. Meine Meinung zu Staffeln im Marathon ist relativ eindeutig, wenn auch nicht mehr militant, was Theos Verdienst ist 🙂 Ich denke inzwischen, mit gegenseitiger Rücksichtnahme müsste es schon machbar sein.

(Bild von Thomas Dahmen) Ich bin ausreichend damit beschäftigt, einfach nur in einer „höheren Geschwindigkeit“ weiterzulaufen, also höher als mir eigentlich lieb ist. Da noch eine Schippe draufzulegen oder irgendwelche Schnitte zu laufen, das bekomme ich nicht mehr hin. Aber ich schaffe es, mich nicht aufzugeben. Km 41 ist der allerschlimmste, das ist grotesk, warum ausgerechnet jetzt noch? Mit 3:52,20 laufe ich ins Ziel, und ich hab alles gegeben. Mehr war einfach nicht drin. Damit habe ich sogar mein Minimalziel von 3:49 verfehlt, aber Hochmut kommt eben vor dem Lauf. Gemessen daran wie schwer mir dieser Lauf fiel und wie steif und unrund sich alles anfühlte, kann ich über diese Zeit absolut glücklich sein. Das wär vor ein oder zwei Jahren noch ganz anders ausgegangen, ehrlich wahr. Deshalb bin ich jetzt auch voll zufrieden mit mir 🙂 Da geht noch was 😉

Im Stadion wird schon der Halbmarathon-Sieger anmoderiert. Sören Kah kommt jetzt bald zu km 19, heißt es. Unsinnigerweise startet der HM dieses Jahr mit 3 Stunden Versatz bei km 21, so dass die Spitze sich von hinten her durch das Hauptfeld pflügen muss und mit den 4:10-Leuten ins Ziel kommt. Wer hat sich diesen Schwachsinn ausgedacht? Auch die „Freizeitläufer“, die auf 1:30/1:45 laufen, möchten nicht durch die 4:30/4:45er Slalom laufen müssen, auch denen ist ihre Zeit wichtig, stellt Euch das mal vor… Sören Kah ist jetzt bei km 19 durch, er wird einen Streckenrekord und eine persönliche Bestzeit laufen, und Du glaubst doch nicht, dass ich mich jetzt auch nur einen Meter aus diesem Zielbereich wegbewege, wenn ich schonmal da bin. Unauffällig stelle ich mich direkt hinter die Kameras und habe nun genau die Perspektive, die man sonst nur im Fernsehen bekommt. Wow, es reißt mich einfach weg, kann der laufen… Und so schön, wie er sich freut. Ich stehe jetzt nicht im Ernst da und habe Tränen in den Augen, oder? Bin ich bekloppt?

Statistik:
Marathon: Platz 48/202 W45, Platz 306/1163 Frauen gesamt
Deutsche Meisterschaft: Platz 14/21 W45, Platz 94/514 Frauen gesamt
schnellster km 4:39, langsamster km 6:08

PS: Es gibt kein Cola in München, obwohl ich das mehrfach als Verbesserungsvorschlag angebracht hab. Nur ISO-Zeugs und Wasser. Auch die tollen Müsliriegel im Ziel gab es dieses Jahr nicht mehr. Genervt hat mich auch das penetrante Abnudeln von „An Tagen wie diesem“ .. sowohl am Start als auch beim Zieleinlauf, und offensichtlich nicht nur bei meinem… schrecklich… Wer braucht beim Marathon sonne Lullimusike? Nach dem Lauf steht auch die Olympiaschwimmhalle nicht mehr zur Verfügung. Durfte man letztes Jahr noch schwimmen, so darf man inzwischen nur noch über einen Lieferanteneingang und tausend Treppen in die gnadenlos überfüllten Duschbereiche. Im Starbereich könnten gern auch ein paar mehr Dixies sein. Und die Zeitmessmatte bei km 32 lag falsch, nämlich bei km 31,5 (ist ja wurscht, aber sollte man dann halt auch mit km 31,5 angeben und die Splitzeiten entsprechend berechnen)

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