Allgäu Panorama Marathon – 19.8.2012

www.allgaeu-panorama-marathon.de

Berichte zum   Marathon von 2010   und zum   Ultra Trail von 2011   🙂

APM reloaded, Vol. III – was erwartet uns diesmal? Zuerst einmal der große Schwund der Helden und Hoffnungsträger: Tina, Niko, Horst, Philipp, Volker, alle nun doch nicht am Start, jeder aus gutem Grund. Nur Lisa und ich bleiben übrig. Horst und René halten als Zuschauer die Stellung.

Der Wecker klingelt erst um 4:00 Uhr, aber ab 3:30 hab ich Panik zu verschlafen, deshalb steh ich lieber gleich auf. Abfahrt 4:45 Uhr, Ankunft Sonthofen 7:00 Uhr, Parken dankenswerterweise bei Ingrid und Roland. Auf dem Weg zum Outlet treffe ich gleich mal Horst, der kommt grad vom – Laufen. Scheint also auf dem Weg der Besserung zu sein 🙂

Am Start ist schon richtig Betrieb, aber keine Hektik. Als ich vor 2 Jahren hier gestartet bin, kannte ich niemanden. Wilfried ist da und muss als ältester Teilnehmer (M70) erstmal ein Interview ans Fernsehen geben. Er wird mich heute gnadenlos versägen und im Ziel mit seinem Von-wegen-alter-Mann-Grinsen auf mich warten 🙂 Er ist der Hammer. Herr Neumann bemängelt mein Outfit, das würd ja farblich nicht zusammen passen. Nicole sagt, es passt. Wem würde IHR da jetzt glauben?

(alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Klaus Duwe von marathon4you)

(Jörg fand das Motiv auch nicht so schlecht)

Statt Finisher Shirt gibt es diesmal einen richtig guten Rucksack und ein Buff, dazu noch ein Massagegel von Allgäuer Latschenkiffer. Martin wird wieder sagen, hier riecht es wie im Pflegheim, aber ich steh ja total auf das Zeugs. Ich nehme einen Riegel und eine Flasche mit auf die Strecke. Hinter Grasgehren komme ich mit den Wasserstationen aus, da kann ich die Flasche dann einfach stehen lassen. Bei den Temperaturen kann ich mich einfach nicht dazu überwinden, mit dem Rucksack zu laufen. Gespannt bin ich auch auf die Versorgungslage, die ich 2010 im Marathon als sehr üppig, 2011 im Ultra aber als absolut katastrophal empfunden habe. In der Ausschreibung stehen Stationen mit Wasser und ISO, ab Grasgehren mit Wasser, ISO und Cola. Von fester Nahrung steht da nix. – Tatsächlich gibt es auf der Strecke aber an fast jeder Station etwas zu essen, Obst, Kuchen oder Riegel, mindestens 1x gibt’s auch Salz. Cola ist zwar an einigen Stationen schon aus (das gibt leichte Abzüge in der B-Note), aber nicht durchgehend. Für den Marathon ist die Verpflegung sehr gut. In Grasgehren ist üppig aufgetischt, hoffentlich sind das die Reste vom Ultra, denn dann haben die genügend bekommen. ((ich will jetzt echt nimmer mit den alten Geschichten anfangen))

Es geht los. Bei km 1 spricht mich Andreas an, der jetzt auch keine Internet-Bekanntschaft mehr ist. Also man kann über Facebook denken wie man will, aber es hat auch viele gute Seiten 🙂 Ich darf vor lauter Quatschen Ingrid und Roland nicht verpassen, die stehen am Sonthofener See als Streckenposten.


(Bilder von Roland)

Gleich am Anfang wurde die Strecke geändert, denn dort sind wir sonst nicht vorbei gekommen. Anhalten kann ich bei den beiden jetzt leider nicht, da ist im Moment noch zu wenig Puffer nach hinten. Bei der ersten VP sind wir schneller als sonst. Danach geht es in den Hang. Udos Hund überholt mich ungefähr 5x, dann sind die beiden auch weg.


(Bilder von Markus)

Ich wusste gar nicht mehr, wie lange es beim APM bergauf geht. Einzelne Streckenabschnitte hatte ich in der Erinnerung einfach ausgeblendet. Boah zieht sich das !!! Lisa überholt mich bald schon locker wandernd, bleibt dann aber immer irgendwo in Sichtweite. Ich bin eine Blei-Ente und komme nicht vom Fleck, heute fällt es mir wieder einmal ganz besonders schwer. Ein Stück weit laufe ich mit Klaus Duwe, der eine echt schwere Kamera mitschleppt. Aber die Bilder sind halt auch entsprechend.

Nach der Weltcuphütte verläuft die Strecke rechts um den Hügel anstatt wie gewohnt links. Das ist etwas länger und holt die unten abgekürzten Meter wieder rein. Es ist jetzt schon affenartig heiß. Ach ja, ganz vergessen, heut ist ja der heißeste Tag des Jahres, haben sie doch im Radio die ganze Zeit gesagt. Ist klar, ist ja auch APM… das muss so sein. Wer hier über die Hitze klagt, der ist bei der falschen Veranstaltung.

Klaus möchte, dass wir uns da reinlegen, damit er ein paar lustige Bilder kriegt. Nix zu machen, tut mir leid. Wir haben wenig Zeit zu verlieren, denn das Durchgangslimit bei Grasgehren ist auf 3:15 angesetzt. Das kann schnell eng werden.

ja, es zieht sich, bis auf den Weiherkopf hinauf. Dann wieder steil hinunter, und dann erstmal rollen lassen bis zum Berghaus Schwaben. Hier hab ich Lisa schnell wieder eingeholt. Der letzte Anstieg zur VP ist grausig, da bleiben meine Füße jedesmal von selbst stehen. Auch Gerd und Stefanie hole ich hier ein. Sie macht heute ihren ersten Marathon, weiß aber offensichtlich was sie tut und läuft ganz leicht.

An der VP ist Thomas, der macht aber keinen so motivierten Eindruck und erklärt mir gleich, dass er an Grasgehren vielleicht aussteigt. Ich sag ihm, dass das nicht geht. Ob er deswegen durchläuft? Nebenbei bemerkt: Die Kulisse ist einfach wieder umwerfend. Gestochen scharfe Fernsicht, harmonische Bilder, immer wieder neue Ausblicke auf den Grünten, einfach traumhaft.

Der Weg auf das Riedberger Horn ist fest in der Hand von Kühen, deshalb hänge ich mich an Gerd und Stefanie, ich alter Schisser. Es ist und bleibt ein Dilemma: So eine Kuh mitten auf dem Weg sieht einfach wunderbar aus, ich liebe Kühe, im Allgäu sind die so schön hellbraun, und sie haben so nette Gesichter. Aber wenn ich dann direkt an einer vorbeilaufen soll? Oder womöglich noch zwischen welchen mittendurch? Die Kilometer über Kuhweiden sind immer meine schnellsten.

Auf dem Riedberger Sattel stehen Horst und René und geben Durchhalteparolen aus. Sie laufen mit uns hinunter bis nach Grasgehren, Ankunft bei 2:54 – das sind 10 Minuten langsamer als 2010. Mir beginnt etwas zu dämmern. Im Vergleich zu 2010 bin ich an den Steigungen nämlich inzwischen deutlich besser geworden und die Vorbereitung dieses Jahr war ja auch nicht sooo schlecht. Wenn ich also jetzt schon langsamer bin? Der heißeste Tag des Jahres scheint zu halten, was er verspricht.

Meinen Riegel hab ich pflichtbewusst gegessen obwohl ich noch keinen Hunger hatte, und meine Flasche lasse ich jetzt hier auch stehen. Jetzt hab ich endlich die Hände frei. Das nasse Halstuch binde ich mir um die Schultern, es trocknet in Rekordgeschwindigkeit, aber zum Glück kommen wir immer wieder an Brunnen vorbei.

Es stimmt nicht, dass es jetzt nur noch bergab geht – auch wenn es so aussieht. Es ist ein Wechsel von Laufen und Gehen. „Laufenlassen“ iss nich. Eigentlich geht es nur darum, möglichst locker weiterzulaufen ohne zu trödeln, und dabei nicht aus den Latschen zu kippen. Wir sind grad mal beim Halbmarathon und echt schon nimmer ganz frisch.

An der Ultra-Weiche schockiere ich die Helfer mit dem bescheiden vorgebrachten Anliegen, ob ich vielleicht noch auf die Ultrastrecke abbiegen dürfe. Höflich werde ich mit Hinweis auf die große Hitze aber abgewiesen. Leute Ihr wisst gar nicht wie FROH ich bin, dass ich da jetzt NICHT hin muss !!! (von Conny hab ich grad erfahren, dass viele gute Läufer, z.B. auch der Gerhard, mit ihr in Oberstdorf rausgehen mussten, weil es einfach nicht möglich war, das Zeitlimit zu schaffen)

Wir sind jetzt auf Asphalt, und die Hitze scheint direkt aus dem Boden zu kommen. Zum Glück weiß ich, dass hinter km 24 eine wunderbare Abwärts-Autobahn kommt, die müsste zum Teil sogar im Schatten liegen. An der VP davor werden wir nochmal extra gut verpflegt und auch gut beraten. Der VP-Chef würde wahrscheinlich selbst gern mitlaufen und weiß genau, was wir jetzt brauchen: Salz und Cola UND Wasser hinterher … Steht ja alles da. Mir geht es noch gut, und das soll jetzt auch so bleiben.

Bergab rollt es sich gut, aber Gasgeben ist einfach nicht mehr drin, und auf meine Knie soll ich ja auch aufpassen. Trotzdem überhole ich eine Menge anderer Läufer auf den nächsten 5 Kilometern. Den Vorsprung verdaddle ich aber dann gleich wieder, weil mich ein menschliches Bedürfnis zu einem Umweg zwingt. An der nächsten VP bekomme ich ein Privatcola, das offizielle ist schon leer. Immer wieder trifft man jetzt auf dieselben Leute und kennt sich schon. Wie immer halt, es ist nett. Gerd und Stefanie kommen immer dann an die VP, wenn ich grad am Loslaufen bin.

Die nächsten Kilometer gehen schnell und unspektakulär vorbei, ich weiß dass bei mir jetzt nix mehr passiert, weder in die eine, noch in die andere Richtung. Als ich gefühlt bei km 31 bin, gibt meine Uhr den 5-km-Meldeton von sich. Was – doch erst bei km 30? Leicht frustriert denke ich, dass ich doch gern so langsam im einstelligen Bereich laufen würde, und dass ich mich besser konzentrieren muss. Es wird immer noch heißer und noch heißer, wir sind jetzt auch wieder fast im Tal und da steht die Luft, Atmen fällt schwer… An der nächsten Ecke steht das 35-km-Schild. Hä? Wir sind auch schon am Illerdamm, aber noch im Halbschatten. Schwül ist es. Trotz der Hitze sind ausnahmslos alle Helfer immer noch total nett und motiviert, den ganzen Lauf durch. Das ist zwar meistens so, aber trotzdem keine Selbstverständlichkeit.

Der Rest geht gut, ich laufe etwas über 6er-Schnitt, viele müssen hier schon gehen. Ich denke immer nur noch bis zum nächsten Läufer. „Einsammeln“ – nicht wegen der Platzierung, ist eh wurscht, sondern nur damit etwas passiert, denn die Strecke ist jetzt halt extrem eintönig. Auslaufen… Es kommen auch noch 2 VPs mit kühlen Getränken. Die letzten 5 km sind schutzlos in der prallen Sonne. Kurz vor km 40 wird eine Gießkannendusche angeboten. Verlockend, aber ich weiß mein Kreislauf verträgt sowas nicht. An der Iller liegen wieder die Badenden herum wie hingemetzelt. Viele Radler sind unterwegs, viele davon feuern uns ganz toll an. Andere gucken als kämen wir vom Mond. Das Übliche halt.

Auf dem letzten Kilometer beschließe ich, dass es nun gut ist. Kurz stelle ich mir vor, ich wäre jetzt auf dem Ultra. Nein danke 🙂

Auf der Zielgeraden steht Roland und macht ein Foto, Axel freut sich wohl auch, dass er dieses mal nicht wegen mir Überstunden machen muss, Klaus und Wilfried empfangen mich auch sehr nett. Eine hübsche junge Dame von der Orga möchte mich unbedingt gratulationshalber in den Arm nehmen, sehr lieb. Ingrid hat die Melonenschnitze unter sich, aber ich brauch erstmal ein Erdinger. Das verdunstet quasi noch im Becher, schnell nochmal eins. Es sind auch schon einige der schnelleren Ultraläufer im Ziel, und die sehen nicht fertiger aus als wir. Jochen kommt auch kurz nach mir rein. Andere Liga…

Mit 5:59 ohne Endbeschleunigung bin ich 34 Minuten langsamer als 2010 – das sagt viel über die Bedingungen aus. Das gibt Platz 13/21 in der AK und Platz 35/52 bei den Frauen. Ich bin platt aber nicht am Ende, und an sich ganz zufrieden mit mir selbst 😉 Diesmal hat wieder alles gepasst beim APM, und wenn es nächstes Jahr nicht ganz so heiß ist (was kein Mensch wirklich glaubt), dann lauf ich wieder den Ultra 🙂

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8 Antworten zu Allgäu Panorama Marathon – 19.8.2012

  1. Philipp schreibt:

    Glückwunsch hier auch noch mal! Und witzig oben über die Hitze zu lesen und drunter direkt die Regenbilder vom Gondo im Augenwinkel zu haben 😉 Verrückte Welt!

  2. Axel schreibt:

    Hi Kati,
    gratuliere zum Finish unter diesen Umständen, konnte leider diesmal nicht mitleiden, freue mich aber auf die grosse Runde in Kempten (auf Deine Empfehlung hin).
    LG Axel, z. Zt. Trainingslager Kreta 😉

  3. Jörg schreibt:

    Klingt nach einer tollen Laufstrecke, wenn auch wieder sehr weit.
    Andererseits bin ich auch froh, bei solchem Wetter kein Marathon gelaufen zu sein.
    Grüße
    Jörg

  4. derbolk schreibt:

    Gratulation zum Hitzelauf! Klasse Bericht, Kati!

    Gruß,
    Volker

    • Gerhard Bracht schreibt:

      Hallo,Kati,
      Zunächst Gratulation zu Deinem Marathon.Mal wieder Klasse gemacht.
      Jetzt aber eine Richtigstellung zu meiner Person.
      ICH habe in Oberstdorf abgebrochen,da wir die letzten waren,welche noch
      weiterlaufen durften,ich aber keine Lust hatte von Radfahrern als Schluss begleitet zu werden.
      DAS IST JETZT KEINE AUSREDE!!
      Hier meine Einlaufzeit in Oberstdorf:
      8:05…
      Zeitlimit war 8:15.
      Und über den Sonnenkopf brauchst es die volle Konzentration.
      Das war´s.
      Gruss
      GERHARD

      • Kati schreibt:

        mein lieber Gerhard, wer wüsste das besser als ich (das mit dem Radfahrer)…
        schäde, wäre gern wieder mit Dir unterm Zelt gesessen in der Arena. Wir hätten Zeit für ein zweites Bier gehabt 🙂
        Grüße, Kati

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