Ensinger Laufcup, HM – 30.6.2012

www.tsv-ensingen.de/laufcup11.html

heute darf ich wieder als Gast des Ensinger Laufteams in Mannschaftskleidung an den Start. Auch ohne die Einladung wär ich hier, denn der liebe Hannes hat in höchsten Tönen von diesem Lauf geschwärmt und der ganze TV Stammheim ist versammelt. Selten trifft man Eberhard auf einem Halbmarathon, aber heut schon. Zeitlich quetscht sich die Veranstaltung ganz hervorragend zwischen eine Abitursfeier (heftiges Carbo Loading) und den Leonberger Citylauf am Abend.

Nach Ensingen sind es 30 Minuten, kreuz und quer über alle möglichen Käffer, die ich geografisch ganz anders angeordnet hätte. Ohne Navi wär ich entweder viel schneller dort gewesen oder überhaupt nie angekommen. In Ensingen sind 3 offizielle Parkplätze ab der Ortseinfahrt vorbildlich ausgeschildert. P1 und P2 scheinen mir weit vom Geschehen entfernt zu sein, aber auch P3 liegt irgendwo am Waldrand. Zusammen mit zwei anderen finde ich das Startareal, bloß ob ich jemals wieder an diesen Waldrand zurück finde? Egal jetzt.

Es ist erbarmungslos heiß, 34 Grad, die 5-km-Läufer kommen gerade mit hochroten Köppen ins Ziel, Jochen ist auch dabei* (*Anm. der Redaktion: normale Hautfarbe). Zum ersten mal in meinem Leben wünsche ich mir, ich hätt den 10er und nicht den HM gemeldet. Es ist so drückend, dass ich kaum Luft bekomme. Unwetter sind angesagt, aber man kann es sich noch nicht so richtig vorstellen. Die nächsten 2 Stunden jedenfalls wird es noch nicht regnen. Nicole erklärt mir, dass die ersten 2 km der Strecke reichlich ätzend und voll in der Sonne sind, und ich verzichte darauf zu fragen, ob das dann für jede Runde gilt. Es sind nämlich 4 Runden à 5 km zu laufen, der HM zirkelt vorab noch einen km durch den Ort. Vielleicht meint sie ja diesen ersten Kilometer…

(Fotos: Jochen, vielen Dank)

10er und HM starten gemeinsam, und obwohl sich das Start-/Ziel-Areal mit Hocketse in den recht beengten Raum bei der Kelter quetscht – sehr nettes ländliches Ambiente übrigens – ist hier alles extrem entspannt und keiner drängelt. Nach ein paarhundert Metern biegt der HM schon nach links ab und man ist unter sich. Nach einem Kilometer kommen wir wieder unter dem Startbogen durch. Nein, das war leider noch nicht die erste Runde. Jetzt geht es erst auf die richtige Strecke, und es dauert auch gar nicht lang, bis wir den Rattenschwanz vom 10er wieder einholen. Das hat sich aber alles schon echt locker verteilt.

Jetzt wird mir auch klar, was Nicole gemeint hat, denn wir laufen in der sengenden Hitze zwischen Wiesen durch, leicht ansteigend ist es auch noch, irgendwo da vorne müsste ein Stück Wald kommen, man kann es noch nicht sehen, aber die Geier kreisen schon über uns, bereit zur Verteidigung ihrer Brut. Ist das schrecklich heiß, ich hab zittrige Knie und bekomme die Füße nicht vom Boden weg. Irgendeine Zielzeit kannst Du vergessen.

Endlich kommt der Wald, und auch bald eine VP mit Wasser. Beim Zieldurchlauf gibt es ebenfalls Wasser, das ist gut gelöst. Auch die Streckenausschilderung fällt sehr positiv auf. Da die Runde exakt 5 km misst, liegen z.B. km 2, 7, 12 und 17 auf dem selben Punkt und sind auf einem gemeinsamen Schild verzeichnet. Das gibt es für jeden Kilometer, HM in Rot, und für die kürzeren Läufe ein Stück weiter vorne dasselbe in Schwarz.

Hinter der VP beginnt ein längeres Begegnungsstück, das macht Spaß. Von den schnellen Frauen sehe ich grad noch einen Zipfel. Hannes ist ganz knapp hinter mir, nicht weit danach kommen Biggi und Bettina mit Eberhard. Eberhard fotografiert, obwohl er heute keinen Bericht für Marathon4you schreiben muss, Bambiniläufe fallen nicht ins Ressort. Eine Gast-Berichterstattung bei mir lehnt er aber leider auch ab 😦

Auf dem Rückweg ins Dorf geht es leicht bergab und auch noch ein gutes Stück im Wald oder zumindest am Waldrand entlang. Hannes holt mich ein, aber ich bin zu langsam für ihn. Plötzlich ist die sengende Sonne weg, der Himmel ist zugezogen. Die Schwüle ist erdrückend, aber ich kapiere immer noch nicht, dass es hier gleich ein ziemliches Gewitter geben wird. Ich merke nur, dass mich irgendwas im Orbit total fertig macht.

Zieldurchlauf erste Runde, Musik, Moderation, Halligalli, stehenbleiben, Wasser trinken, Kreislauf kontrollieren, weiterlaufen. Im Ort sind die Anwohner voll auf dem Posten und feuern die Läufer an. In vielen Gärten haben sich ganze Trauben gebildet, hier ist richtig was los. Sehr nett, das hat Charme. Wieder hinaus auf die Leidensstrecke bis zum Wäldchen. Rechts sehe ich eine Läuferin in Grün die eigentlich vor mir war, sie scheint ausgestiegen zu sein und wird von einem Radler betreut. Es beginnt leicht zu regnen. Keine Minute später regnet es stark und wir laufen im Gewitter. Blitze sind keine zu sehen, also scheint es wenigstens nicht direkt über uns zu sein. Die Luft kühlt schlagartig ab und mir geht es besser. Ich bin gespannt, ob sie den Lauf abbrechen.

An der Begegnungsstrecke hat Hannes seinen Vorsprung schon ordentlich ausgebaut, ich würd ihn ja gern ein bißchen ärgern und wieder einholen, aber kannst Du heut absolut vergessen, ihm läuft’s ganz gut. Biggi und Bettina sind immer noch kurz hinter mir. Ein paar Minuten später beginnt es zu hageln, und die Körner werden immer größer. Mehrere treffen mich am Kopf und das tut doch schon empfindlich weh 😉 auch auf Armen und Beinen ist es nicht ganz so lustig. Als es immer mehr wird muss ich mich sogar kurz mal unterstellen. Die letzten 10er sind noch mit uns auf der Strecke. Die Feldwege stehen unter Wasser, nach der Friese sind jetzt auch meine schönen grünen Schuhe ruiniert 😦 und das schwere Ensinger-Shirt klebt wie ein nasser Lappen an mir. Ich seh scheiße aus, wie ein nasser Sack – Maske bitte !!! Zieldurchlauf zweite Runde, Jochen feixt, ob ich ein Wasser möchte – grmpf nein danke, nicht nötig.

Ohne den Hagel gefällt mir der Regen gut, aber leider hört er dann auch wieder auf. Sofort drückt die Sonne wieder durch und die Temperatur steigt wieder an. Es ist eine Waschküche, ein Land der Geysire. Wahnsinn. Da trocknet natürlich auch nix. Im eigenen Saft geschmort erreiche ich die Wendestrecke, Hannes ist längst weg. Zurück ins  Dorf, die Zuschauer sind immer noch da, die Anfeuerungen werden nur noch lauter. Zieldurchlauf dritte Runde, mir ist alles egal, die Durchschnittspace bleibt immer gleich, obwohl meine Kilometerzeiten stark voneinander abweichen.

Es gibt einen Schluck Bier von freundlichen Zuschauern, dann wieder auf den Mörderabschnitt – juckt mich nicht mehr – hier überhole ich ein paar Männer, rein ins Wäldchen, Begegnungsstrecke, raus aus dem Wäldchen, nochmal irgendwelche Männer überholt, die Frauen sind längst alle weg, und dann nur noch rollen lassen. Die Pace zeigt 5:39, den letzten km lauf ich in 4:53, das hätte unter 2 Stunden gereicht, wäre die Messung nicht wieder auf 20,3 km abgewichen. Mit 2:00,20 erreiche ich das Ziel, wo Hannes bereits erholt und aufgeräumt auf mich wartet. Das Wetter ist irgendwie aber auch keine Ausrede, denn Nicole hat das Ding mit 1:32 gewonnen. Für mich reicht’s zu Platz 5/9 Frauen gesamt, Platz 3/5 AK (10er Wertung, wie gemein ;-)) und 34/53 gesamt. Die Helfer bauen schon das Ziel um und schleppen noch mehr Bierbänke heran, ich würd gern bleiben, ist bestimmt nett.

Aber geht nicht, denn zuhause ist heut Abend noch Citylauf, und da muss ich anfeuern. Bärbel, Brigitte, Eugen, Thommy, Philipp, Klaus und Ingrid sind im Rennen und noch eine Menge mehr. Anja kennt mich jetzt auch 😉 Die Prinzessin läuft nach dem Schülerlauf noch die 5 km in 29:30 und gewinnt ihre Altersklasse (2 Teilnehmer).

Der Himmel hat sich schon vor dem Start verdunkelt und es ist klar: Da kommt was, und zwar was Gewaltiges. Plötzlich ist schwarze Nacht und es beginnt zu regnen. Wir schnappen also schnell die Prinzessin und flüchten Richtung Heimat, doch es reicht nicht mehr. Windböen zerlegen mir den Schirm, der Himmel öffnet alle Schleusen, das Gewitter ist direkt über uns und tobt eine ganze Stunde lang. Derweil die 10-km-Läufer gerade in ihrer zweiten Runde sind. Das wäre meines Erachtens nach genau der Punkt, an dem ein Lauf abgebrochen gehört – was aber logistisch wahrscheinlich gar nicht mehr zu machen gewesen wäre. Von selbst wär ich wahrscheinlich auch nicht rausgegangen, obwohl der Lauf bei km 6,5 direkt an meiner Haustür vorbei führt. Das Wasser schießt die Straße hinunter, Getränkebecher werden zu Torpedos, die Gischt spritzt und der Wind kommt natürlich von vorn. Trotzdem sehe ich keinen, der aufgibt. Auch die langsamsten Kämpfer beißen sich bis ins Ziel durch, während wir beim Türken unterstehen und das Spektakel beobachten. Dass hier nix passiert ist, da hatten wir wahrscheinlich alle richtig Glück.

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3 Antworten zu Ensinger Laufcup, HM – 30.6.2012

  1. Theo schreibt:

    Hallo Kati,
    Tolle Leistung, für eine solche Zeit im HM wäre ich überglücklich.
    Habt Ihr im Schwäbischen eigentlich kein Wort für „Schmerzgrenze“?
    Herzliche Grüße
    Theo
    PS: In Hessen sind am letzten Freitag in Folge Blitzeinschlag 4 Menschen ums Leben gekommen, 2 weitere wurden verletzt.

  2. Philippé schreibt:

    So – jetzt komme ich auch hier zum nachlesen der letzten Berichte! Wie immer kurzweilig geschrieben und toll gelaufen! Danke dafür!

    Warst Du am Dienstag in Stuttgart, oder ist die Serie nun aus?

  3. Anja schreibt:

    Ja Kathi nun kenn ich dich auch 😉 und ich dachte du läufst auch beim Citylauf mit und hab mich gewundert warum du beim anfeuern stehst 🙂 super gemacht in Ensingen und danke nochmal für’s anfeuern 🙂
    Grüßle Anja

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