Gebirgstälerlauf Oberstdorf – 20.5.2012

www.gebirgstaelerlauf.de

was für ein wahnsinnig toller Lauf ! Allgäu pur bei mindestens 25 Grad und keinem Wölkchen am Himmel. Durch grüne Wiesen an mehreren großen Bächen entlang die so laut rauschen, dass man die eigenen Schritte nicht mehr hört, umgeben von schneebedeckten Gipfeln steinige und wurzelige Waldwege hinab… Zum Teil war es so schön, dass es schiergar nimmer zum Aushalten war.

Die 400/500 Höhenmeter, die fiesen Anstiege, die sengende Sonne, die Salzkrusten die vom Gesicht bröckeln… alles egal. Es war einfach TRAUMHAFT. Der schönste Halbmarathon, den wo’s gibt.


Die Strecke ist eindeutig, aber bei den Höhenmetern scheiden sich die Geister.

(Veranstalter)

(Katis GPSies)

So gibt der Veranstalter 594 Höhenmter in Summe aus, mein Garmin Connect meldet 430 Höhenmeter mit Korrektur (und 530 ohne), bei GPSies mit Korrektur eingegeben kommen 355 Höhenmeter heraus, bei einem anderen Nutzer dagegen 433…. was glauben wir jetzt? Eigentlich ist es ja total egal, aber den Statistiker in mir irritieren halt so ungenaue Angaben… Gefühlt würde ich sagen es waren 400/500 Höhenmeter, denn es ging schon auch in der Ebene ständig leicht bergauf und die sichtbaren Anstiege waren schon recht heftig. Dafür waren die Gefällstrecken aber auch echt knackig 🙂 Und so langsam traue ich mich auch, über Wurzeln und Steine mal im Rahmen meiner Möglichkeiten Gas zu geben, muss da ja wg. meiner Augen immer besonders vorsichtig sein.


(Bild: Veranstalter)

Günter und ich sind früh genug da und schnappen uns den strategisch perfekten Parkplatz genau an der Therme und hinter dem Start/Ziel-Areal. Es wird warm heute, und man könnte eine Sonnenbrille durchaus vertragen. Vor dem Start treffen wir noch zwei Bekannte aus Böblingen und Thomas, meinen Begleiter von den letzten Kilometern des APUT, dann sehen wir noch etwas Allgäuer Prominenz, aber sonst kennen wir hier keinen. Von Lisa und Kurt leider keine Spur. Die Allgäuer Mädels haben geflochtene Zöpfe, wahnsinnig tolle muskulöse Beine und sehen so gesund und frisch aus als ob sie alle Heidi heißen. Für meinen Geschmack sind sie viel hübscher als manche Hungerhaken, die man bei den typischen Asphaltstartaufstellungen so sieht.

Hier gibt es was ganz Besonderes: Die Damen starten mit 15 Minuten Vorsprung, dann erst werden die Herren auf die Jagd gelassen. Da die Strecke nicht so sehr breit ist, entspannt das die ersten Kilometer. Etwas befremdlich fühlt es sich schon an, allein unter 100 Frauen in der Startaufstellung zu stehen. Lisa finde ich immer noch nicht. Die Stimmung ist prächtig. Es sind noch 3 Minuten bis zum Start, die männlichen Läufer und die Zuschauer stehen außerhalb der Gitter und klatchen für die Mädels. Mit dem Startsignal laute Pfiffe und Gejohle. Wir laufen eine Runde durch die Innenstadt, vielleicht 800 Meter und kommen dann erneut unter lauten Anfeuerungen unterm Startbogen durch. Günter steht 200 Meter hinter dem Start und schreit auch mit.

Mir ists schon ganz schwummrig, denn mit dem Startschuß ist die Temperatur um gefühlte 15 Grad angestiegen. Die Sonne knallt aufs Haupt und in meinen Knien ist Pudding, in meinen Oberschenkeln Blei. Es ist auf einmal affenheiß hier. An meinem Ellbogen hängt eine schwer keuchende Dame, die sich wohl an mir orientieren möchte, die aber zum Glück schon bei km 1 abreißen lässt.

Schon geht es hinein in den ersten Anstieg. Bis km 10 wird es konstant bergauf gehen, und schon der Anfang ist vielversprechend. Ich muss gleich mal gehen. Auch ohne den Rennsteig würde ich hier vielleicht nicht mehr laufen. Wir kommen an zwei kleinen Weihern vorbei und laufen lange an einem größeren Bach entlang. Zwischen Wiesen und Bäumen haben wir schneebedeckte Gipfel vor uns. Ziegen. Kühe mit sanftem Gebimmel kommen erst hinter km 15.

Es ist Postkartenidylle, so schön dass es fast wehtut und alles andere vergessen lässt. Danke einfach, dass ich hier sein kann 🙂 Ich bin glücklich und fühle mich unglaublich frei. Ich weiß das klingt total übergeschnappt, aber es ist so schön im Allgäu zu sein und diese Weite und den Ausblick zu genießen. Vergessen sind die dunkel dräuenden Endloswälder auf dem kalten Rennsteig. Günni gfällt’s auch:


(Quelle: Sportograf.de)

Nach einer Weile geht es zum Glück flacher weiter. Auch die Damen um mich herum leiden. Es wird nicht viel gesprochen, mal ein Blick getauscht, es ist seltsam so ganz ohne Männer. Ich trau mich gar nicht, was zu sagen. Womöglich ist hier Zickenalarm? Erst als uns der führende Läufer kurz vor km 7 überholt, lockert sich die Stimmung etwas. Neben mir läuft eine ganz Nette in einer langen Hose.

Bis kurz nach km 10 wird es immer weiter bergauf gehen, aber die Steigung wird flacher und ist gut laufbar. Zum Teil sieht es sogar aus wie in der Ebene, und nur die Pace-Anzeige zeigt, dass es keine Ebene sein kann. Ich pendle mich bei einem Gesamtschnitt von knapp über 6 ein. Um unter 2 Stunden zu bleiben müsste ich unter 5:45 laufen, das sehen wir dann mal auf der zweiten Streckenhälfte, da geht garantiert noch was.

Wir werden von immer mehr Läufern überholt und erreichen irgendwann den Beginn der Wendestrecke. Hier kommen gerade die schnellsten Frauen dahergefegt, das glaubst Du nicht. Von hinten zischt Thomas Miksch vorbei – wann kann ich schonmal sagen, dass ich vor ihm war? Ein langes Stück geht es nun geradeaus, der Wendepunkt ist noch nicht zu sehen. Er ist mit der zweiten Wasserstation ausgestattet, es gibt Wasser und ISO und ich bleibe kurz stehen. Auf dem Rückweg halte ich nach Lisa und Günni Ausschau, aber keiner der beiden ist zu sehen. Immer wieder finde ich mich neben Kathi, die auf meinem Shirt gelesen und sich vorgestellt hat. Leider geht es ihr später nicht mehr ganz so gut und auch mein Traubenzucker hilft nur bedingt, so dass wir uns erst im Ziel wieder treffen. Sie läuft toll, ganz konzentriert.

Jetzt geht es rechts weg in den schattigen Wald, was für eine Wohltat. Der Weg ist schmal, steinig und wurzelig, aber mir geht es inzwischen richtig gut und ich kann ihn schnell laufen. Nicht ganz ohne sind die immer noch sehr schnellen Männer, die hier vorbeiheizen. Ich möchte ja keinen behindern, aber mir trotzdem gern den sicheren Weg suchen, beides geht aber nicht. Also werde ich auch ein bißchen übermütig und lasse laufen, wooooh…. das fetzt 🙂 ich steh richtig rein 🙂 Hinter mir höre ich einen Läufer stürzen, und er fällt schneller als ich laufen kann, kann mich gerade noch mit einem Satz retten, bevor er mich mitreißt. Mit einer eleganten Rolle ist er wieder auf den Füßen und meint, alles ok, nix passiert, grinst, und schon verschwindet er… Ich lauf doch lieber ein kleines bisschen mehr auf Sicherheit jetzt. Das Waldstück geht nur 2 km.

Jetzt kommen wir auf Asphaltiertes, hier sind viele Spaziergänger, Wanderer, Kinderwagen, Radfahrer unterwegs. Es geht grad noch so, die Leute freuen sich über die Läufer und wir werden angefeuert. Bis km 15 läuft die Strecke nun bergab, unten habe ich den Schnitt auf 5:45 gedrückt, das passt ja. Nun kommen wieder 2 km Anstieg. Stückweise muss ich gehen. Wir kommen an einem wunderschönen Gebirgsbach vorbei, zwei schnelle Läufer hängen Arme und Kopf hinein und vertrödeln Zeit, das würd ich auch gern machen. Seit km 10 hat mich keine Frau mehr überholt, aber ein paar hab ich einsammeln können. Das war ohnehin klar, auf dieser Strecke bin ich hintenraus King Käs. Die Männer die jetzt überholen laufen auch nicht mehr um den Sieg und haben Zeit für kleine Komplimente im Vorbeirennen. Wirklich arg arg nett.

In einer Spitzkehre die letzte Wasserstation und jetzt geht es die restlichen 4 km nur noch bergab, I’m very pleased und habe 5:56 auf der Uhr. Da geht noch was. Auf dem nächsten Waldstück, eigentlich unkritisch zu laufen, sitzt ein Läufer mit Problemen, aber 2 Sanis sind schon da. Ich bin so übermütig, dass ich mich wirklich einbremsen muss, stürzen möchte ich nach Möglichkeit nicht… Also lasse ich lieber locker auslaufen bis es flacher wird.  Beim km-20-Schild zeigt die Uhr 1:54,40 – es bleibt noch 5:20 für die letzten 1,1 Kilometer, das ist zu knapp, denke ich. Noch eine Weile lasse ich rollen, doch dann sehe ich das Café kurz vor dem Zieleinlauf. Zwar von weitem, aber ich hab noch 2 Minuten. Das muss reichen, mich packt der Ehrgeiz. Auf der Zielgeraden ist Bombenstimmung, ich grinse und winke und laufe über einen schmalen Steg mit 1:59,18 ins Ziel. Japs. Keine 15 Sekunden später wird Günni anmoderiert. Sehr schade, das wär doch mal ein Zielfoto geworden 🙂

Hier im Allgäu gibt das Platz 12/25 in der AK und 51/100 gesamt, 320 Männer kamen ins Ziel. Punktlandung im Mittelfeld für so einen Lauf ist für mich absolut super in Ordnung. Vielleicht werde ich ja doch noch besser am Berg?

Fazit: prima organisierter Lauf durch absolut traumhafte Landschaft. 21 EUR Startgebühr (25 EUR Nachmeldung) incl. Finishershirt und freiem Eintritt in die Therme, da kannst nich meckern.

HIER ist noch mein Bericht dazu auf dem Frubiase Sport Blog.

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5 Antworten zu Gebirgstälerlauf Oberstdorf – 20.5.2012

  1. Gerd (diro1962) schreibt:

    Also 25C sind mir definitiv zu viel. Ich mag eher die 5° vom Rennsteig! 😉
    Aber so wie´s aussieht hat´s Dir Spaß gemacht! 😉

  2. Kati schreibt:

    ich kann bei Wärme auch überhaupt nicht laufen, aber im Allgäu gehört es einfach dazu, dass die Sonne runterbrennt. Das muss so sein 🙂

  3. Ingrid schreibt:

    Gell Kati, hab ich euch nicht zuviel versprochen!
    Das Allgäu ist und bleibt ein Traum, vor allem bei Sonne und im Frühjahr bei grün satt!
    Seid ihr auch über Schneefelder gelaufen? Wir haben heute ganz viele überquert am Immenstädter Horn. Haben dabei ganz doll an Euch gedacht!
    🙂

  4. Philipp schreibt:

    Netter Bambinilauf, schöner Bericht!

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