lesen statt laufen (28): Hallgrimur Helgason – Eine Frau bei 1000 Grad

hier bei Amazon: Eine Frau bei 1000°

Ich lebe allein in einer Garage, zusammen mit einem Laptop und einer alten Handgranate. Nicht viele Autoren beherrschen die Kunst des ersten Satzes. Die 80jährige Isländerin Herbjörg Maria Björnsson erzählt kreuz und quer aus ihrem Leben und von ihrem Überleben.

Die Sequenzen sind skurril bis grausam. 1929 geboren, erlebt Herbjörg den Krieg auf dem „Festland“, das bedeutet für einen Isländer: außerhalb Islands. Beim Lesen bekomme ich eine Ahnung von einem Land, über das ich bis jetzt noch nichts weiß. Die rauhe Natur prägt die wenigen Menschen, das Leben dort scheint unverbraucht, geerdet und sogar ein bißchen naiv.

Herbjörg wartet in ihrer Garage auf den Tod, und sie tut es mit Verbitterung und großem Zynismus. Ihr Körper zerfällt, ihr Verstand ist messerscharf, ihr leidenschaftlicher Charakter ungebrochen. Online verfolgt sie die Leben ihrer Söhne, hackt sich hinein, manipuliert und stört. Nicht immer gelingt es ihr, das Gestern vom Heute zu trennen.

Die Mischung aus der schonunglosen Grausamkeit des tatsächlich wahren Lebensberichts und der absolut humorfreien Selbstironie macht den ganz besonderen Charakters eines Buches aus, das dennoch an manchen Stellen einfach zu lang geraten ist.

Insgesamt abgefahren und lesenswert.

PS: danke an meine liebe Dani für die Empfehlung 😉

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