lesen statt laufen (24): Mario Vargas Llosa – Tante Julia und der Kunstschreiber

hier bei Amazon: Tante Julia und der Schreibkünstler

zum Glück habe ich hier nicht den Anspruch, vollständige Buchrezensionen abzuliefern. Diese wären nicht nur öde und zudem andernorts googelbar, sondern in dem Fall auch echt schwierig. Wo würde ich anfangen?

Wo verläuft denn nun der eigentliche Handlungsstrang? Es dauert ein paar Kapitel, bis man ihn gefunden hat. Und dann noch ein paar weitere bis man merkt, dass die eigentliche Handlung gar nicht mal soo interessant ist und mitnichten den ganzen Aufbau des Buchs ausmacht: Da ist der junge Ich-Erzähler, der als eine Art Nachrichtenredakteur arbeitet und gerne Schriftsteller werden möchte, der sich in seine Tante verliebt, und … – nein das wäre jetzt ungeschickt zu verraten, wie das ausgeht. Autobiographisch? Ja natürlich, wie hier nachzulesen ist.

Doch was sollen die eingestreuten Kurzgeschichten? Jedes zweite Kapitel beginnt mit neuen Protagonisten, wird erzählt bis zur Spitze eines Spannungsbogens und bricht dann mittendrin ab. Die Handlungen werden – vorerst – nicht wieder aufgenommen. Diese immense Darstellerzahl macht es quasi unmöglich den Überblick zu behalten. So wechseln die Kurzgeschichtenkapitel konsequent mit der Weitererzählung der Haupthandlung ab, was einigermaßen verwirrend ist.

Der Charme des Buchs besteht eindeutig in der Auflösung dieser seltsamen Anordnung. Sie zu erklären würde die Lesefreude und Spannung vorwegnehmen. – Doch damit nicht genug, im zweiten Teil beginnt dann noch ein zusätzliches Verwirrspiel, das dem Leser auf elegante Weise zuerst abstrakt erklärt wird … ganz in der Murakami-Tradition … bis Du beim Lesen auf einmal merkst, dass Du mittendrin bist im Chaos. DAS fand ich dann wirklich sehr amüsant und unterhaltsam. Warum man plötzlich nicht mehr konzentriert darauf achten muss, welche Person nun gerade welche Schandtat unternimmt und wie alle Stränge zusammenhängen, das erlest Ihr Euch am besten selbst. Wenn Ihr durchhaltet 🙂

Prädikat: Hat was !

PS: in der neuen Übersetzung lautet der Titel jetzt „Tante Julia und der Schreibkünstler“

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