Troisdorfer 6-Stunden-Lauf – 12.11.2011

http://www.marathon-ultra-team.de/6h/index.html

„Wie lange hast Du denn gebraucht?“ – ok ich weiß, niemand kann es mehr hören, aber das ist nun einfach mal mein Lieblingswitz zum Thema 6-Stunden-Lauf. sorry.

Troisdorf (sprich: „Trohsdorff“) ist ein netter Lauf mit einer abwechslungsreichen 2,7-km-Runde. Vor dem Stadion steht die Verpflegungsstation mit Waffeln, Salzstangen, Schokolade und LEBKUCHEN (Norbert wollte extra deshalb wieder hin und er hat Recht), und dazu gibt es ISO, Wasser, Cola und Tee jeweils in Zimmertemperatur. Ist prima, denn wir haben zwar einen strahlenden Herbsttag, aber auch mit einem ziemlich frischen Wind. Die Temperaturen bleiben glaub deutlich unter 10 Grad, die Jacke kann ich nur über Mittag für 3 oder 4 Runden mal kurz ablegen.

Norbert hat zu seinem heutigen Geburtstag einen Staubsauger bekommen und Birgit hat damit den Bus extra für mich komplett pferdehaarfrei ausgesaugt, so dass ich darin überleben kann. Die zwei sind echt zu gut zu mir 🙂 Um 4:15 Uhr aufgestanden, kann ich mich jetzt erstmal 3,5 Stunden auf dem Hintersitz herumflätzen, bis wir da sind.


(Fotos: links Runner’s World, rechts Birgit)

Es sind 165 Menschen am Start, so richtig „kennen“ tun wir nur Herrn Neumann und Conny Bullig, ein paar Gesichter hab ich schonmal irgendwo gesehen und so Ultraprominenz wie Martina Hausmann und Robert Wimmer kenne ich natürlich, aber die mich nicht. Das Mädelsrennen ist heiß besetzt, Tanja Hoos (Deutsche Meisterin oder Rekordhalterin über 100 km in 7-Stunden-äbbes) hält den Streckenrekord mit 78-komma-irgendwas Kilometern und läuft auch heute 74,8. Platz 2 und 3 gehen mit 73,0 und 72,9 Kilometer in einem super spannenden Finalsprint weg, den ich unbedingt noch mitrennen muss um zu sehen, wie das hinter der Kurve ausgeht.

Für mich ist hier heut nichtmal dann was zu holen, wenn ich richtig super laufe. Mit 60 Kilometern kommst hier als W40 nicht allzu weit – nicht dass es darum ginge, aber ein Ansporn ist es dann halt auch nicht grad. Frankfurt ist noch nicht regeneriert und ich habe keine Lust mich zu verausgaben, also denke ich, 55 km sollten doch mit einem mittleren Aufwand noch zu machen sein. In der Theorie kann man sich alles schönreden…

(Foto: Sigi Bullig)

Die erste Stunde laufe ich noch mit Norbert, der dann schnell merkt, dass mit mir heut nicht viel los ist. Mir tut es auch besser, nicht zu viel zu reden unterwegs. So nach 2 Stunden wird es etwas öde und mir langweilig. Ich bin müde und hab jetzt grad einen schönen Trainingslauf von 20 km gemacht, nochmal 5, dann wär’s eigentlich genau richtig.

(Foto: Sigi Bullig)

Die Strecke kenn ich jetzt auch schon auswendig. Hinter dem Aggerstadion geht es über den Aggerdamm, an einem riesigen Kornblumenfeld vorbei, dann ziemlich lange durch ein Wohngebiet. Dort sind auch viele Autofahrer unterwegs. Die Sache wird zwar von der Polizei geordnet, ist aber trotzdem etwas störend, weil man immer aufpassen muss.

Die Zeit zieht sich so dahin. Es ist ok, aber es sind zu wenig Bekannte unterwegs, und bei 2,7 Kilometern trifft man sich zu selten. Die führenden Frauen überholen mich pausenlos in einer affenartigen Geschwindigkeit. Besonders die Zweite sieht stark aus und läuft super. Bei den Männern kapiere ich bis zum Schluss nicht, wer da nun führt. Nach 3 Stunden kann man am Laufstil erkennen, was ein Staffel- und ein Einzelläufer ist, vor allem bei den Frauen.

(Foto: Runner’s World)

Ich vertreib mir die Zeit mit verschiedenen Laufstil-, Einstellungs-, Ernährungs-, Kleidungs- und eher unfreiwilligen Geruchsanalysen. Deren Ergebnisse kann ich hier aber nicht so ausbreiten. Nur zwei nicht mehr ganz so junge Herren muss ich erwähnen, die wirklich ganz fein riechen. Also nach irgend etwas wirklich Gutem. Und dann quält mich immer noch die Frage, warum manche Läufer ihre Getränkeflasche 6 Stunden lang in der Hand mitschleppen, wenn es a) eine üppige Verpflegung und b) auch die Möglichkeit eigener VP-Tische gibt. Haben die einfach – so wie ich auch – beim Laufen gern irgendwas in der Hand?

Birgit war auch schonmal motivierter und schindet ein paar Minuten mit Fotografieren. Schließlich braucht sie Material für ihren Bericht bei marathon4you, und wer Blödsinn macht, wird Covergirl.

Achja. Drei Stunden sind irgendwann herum, da hab ich exakt 30 Kilometer, und das kommt dann wahrscheinlich am Schluss mit den 55 ziemlich genau hin.

Conny überholt mich 2x und läuft eigentlich exakt die Geschwindigkeit, die so die meine wäre, aber ich bin zu phlegmatisch um mich mehr anzustrengen. Tatsächlich kommt sie mit 60 Kilometern von der Strecke, das hätt also schon gepasst. Wahrscheinlich kann sie das Tempo aber endlos weiterlaufen, schließlich hält sie den Deutschen Rekord im 6-Tage-Lauf mit über 700 Kilometern – hat zumindest der Streckensprecher mal verkündet. Birgit überlaufe ich 2x, Norbert mich nur 1x, Herrn Neumann seh ich auch nur 1x. In der allerletzten Runde kommt mir im Stadion Niko entgegen. Wir haben uns am Start nicht gesehen und beim Überholen nicht erkannt, er meint aber, meine Schuhe seien ihm jedesmal aufgefallen. na bitte 🙂

(Foto: Sigi Bullig)

Bei 3:30 wird es irgendwie hoffnungslos und ich frag mich, wie ein Mensch überhaupt 6 Stunden am Stück laufen kann und wie bescheuert das ist. Cola schütte ich schon konsequent seit km 20 in mich hinein, muss die Dosis jetzt aber erhöhen. Ab 4 Stunden geht es zum Glück auf einmal besser. Die letzten 2 Stunden laufe ich leichter als die ersten 2 und die zweiten 2, wenn auch nicht schneller. Auf jeden Fall ist es hintenraus keine Quälerei, denn das hätt ich heut grad noch brauchen können. Hinten ist die Ente fett, oder wie heißt das?

Statistik: 56,3 km, Platz 13/44 Frauen, Platz 5/13 AK, 165 TN gesamt.

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