München Marathon – 9.10.2011


(Film von ganz-muenchen.de  – Ich komme bei 1:13 ins Bild)

 

www.muenchenmarathon.de

Die Wetteraussichten sind denkbar schlecht, es ist Dauerregen angesagt bei Temperaturen von 4 – 6 Grad am Morgen und 8 – 10 Grad am Mittag, dazu ordentlich Wind. So wird das leider nix mit dem Dirndl. Aber wir haben saumäßiges Glück: es schüttet in München die ganze Nacht wie aus Kübeln, sagt Conny, doch morgens verzieht sich das Grauen. Es ist 9 Grad kalt und windig, aber trocken. Sonne ist nicht zu sehen, mit etwas Optimismus kann man das bestes Laufwetter nennen.

(links das letzte Bild meiner Dieter-Bohlen-Gedächtnisjacke, diesmal ist sie hängen geblieben)

Hannes und ich sind 2 Stunden vor dem Start dort, weil wir die Infrastruktur nicht kennen und keinen Stress wollen. Ist aber alles extrem easy. Die Parkplätze sind immer noch so groß wie in meiner Erinnerung, die Ausgabe ist gleich daneben mit einer riesigen und schönen Läufermesse, auf der man sich wieder dibbelig kaufen könnte. Irgendwann trotten wir entspannt zum Start. Es gibt 2 Blöcke für 4.000 – 5.000 Starter, die in „unter 3:45“ und „über 3:45“ unterteilt sind. Ich bin im vorderen mit Martin aus Augsburg verabredet, der den 3:30-Pacer macht, Hannes hat ein Date hinten. Bei Martin möcht ich ein paar Meter mitlaufen, um nicht wieder gleich am Anfang total zu überdrehen. Aber Martin ist nicht zu sehen und ich hab nun auch keine Lust, den ganzen  Block zigmal zu durchfräsen. Stattdessen halt ich lieber ein paar Schwätzchen. Es sind Engländer, Italiener, Japaner und Franzosen um mich rum und nur wenig Bayerisch ist zu hören. Auch der Wigald hüpft da herum, gibt sich aber echt unauffällig. Wir tauschen bisschen Jägerlatein aus über Biel und Tretbootfahren und so 🙂

Der Streckensprecher erzählt derweil was von der Renntaktik und gibt die üblichen Sicherheitshinweise, dann beschließt er seine Rede mit „Lauft mit Verstand und mit Hirn los.“ Was ich höre ist „Lauft hirnlos“, und genau das mach ich dann auch. Locker galoppiere ich im Feld mit, merke aber schon bald, dass ich das heut gar nicht drauf hab. Aber langsamer machen mag ich auch nicht. So überrenne ich die 10er Matte mit einer 49:08 – merke, das ist Zehner-Jahresbestleistung und eine Minute schneller als in Ulm. Allerdings mach ich mir schon da keine Illusionen mehr, heut ist einfach nicht Ulm.

(Quelle: RW)

Pro Zielzeit sind 2 Pacer im Rennen, die aber nicht zusammen laufen. Der erste 3:30-Mann hat mich bei km 5 rum überholt, Martin kommt erst bei km 13, ist aber total in seinem Plan. Übrigens die HM-Läufer starten zeitgleich bei km 21, so haben sie auch den Zieleinlauf ins Stadion und man kommt sich nicht in die Quere. Sie haben dann zwar Start und Ziel nicht am selben Punkt, aber insgesamt ist das eine sehr gute Lösung.


(Quelle: ganz-münchen.de) – Am siegestor

Besonders schön ist die Streckenführung: Schon bei km 3,5 laufen wir direkt auf das Brandenburger Tor zu. Das heißt in München Siegestor und ist „dem Bayerischen Heere“ gewidmet“. Die Quadriga besteht in Bayern aus Löwen, ist klar. Es geht rechts am Tor vorbei, erstmal Richtung Marienplatz, an der Bayerischen Staatsbibliothek vorbei, doch dann in einer Spitzkehre wieder zurück und in die andere Richtung. Hier steht auch das km-37-Schild, puuh, das wird noch ein langer Weg… Viel gibt es zu schauen in München. Altes und Neues, Schönes und auch nicht so Schönes. Bei km 8 rum biegt der Lauf in den Englischen Garten ab, dort bleiben wir erstmal.

Sehr schön fand ich auch dieses alte Stadtor mit der Reiterszene als gemalter Bordüre, könnte auch ne Marktszene gewesen sein, ohne Brille schwierig 😉 Das Isartor, wie ich inzwischen heraus gefunden hab. Überhaupt kommt man an vielen Toren vorbei, allerdings das Sendlinger Tor hab ich verpasst. Und bei einem weiß ich den Namen nicht.


(meine Laufclips von marathon-photos.com)

Beim HM komm ich noch mit 1:48,12 durch, der zweitschnellste HM dieses Jahres, aber ich bin schon gut müde. Es hat nix damit zu tun dass ich zu schnell losgelaufen bin, das wär so schon ok gewesen. Es ist so eine generelle schwere  Müdigkeit, die ganz tief innen in den Oberschenkeln sitzt. Wenn ich wirklich zu schnell laufe, dann geht mir das sonst eher auf den Kreislauf, aber der macht noch supergut mit.

Sei’s drum, mir ist die Zielzeit heut eigentlich wurscht, ich nehms wie’s kommt, unter 4 wäre schön, 4:08 ist das Maximum. Hinter km 25 geht es dann nur noch ums Überleben. Mir tun inzwischen auch schon die Fußsohlen weh, was auch ein ganz sicheres Anzeichen für zuviel gemacht ist. Ich hätt jetzt gern ein Cola, aber die Verpflegung ist nicht so der Brüller. Wie angekündigt gibt es alle 5 km ISO, Wasser, Riegel (die sind genial, mit Karamell, nur viel zu hart um sie schnell zu essen), Bananen und auch mal Gel, dazwischen nur Wasser. Nichtmal hintenraus gibt es Cola, das ist schon bissle arm für so einen Lauf.

Gut gemacht dagegen ist die Streckenführung, denn die toten Zonen und das Industriegebiet kommen irgendwann vor km 25, und dann geht es zurück in die Innenstadt. Am Marienplatz ist ordentlich Stimmung, fast jeder wird mit Namen anmoderiert, hier kommt man 2x durch, danach geht’s auf eine ziemlich lange Begegnungsstrecke und in eine Schleife hinein. Dort ist immer wieder mal was los und so vergehen die Kilometer ganz gut.

(Quelle: Laufreport)

Michel hier darf natürlich auch nicht fehlen. Das kann auch kein Mensch mehr zählen, wie oft wir uns schon an der Strecke abgeklatscht und begrüßt haben. Geht Euch das auch so? Ich möcht mich mal gern bei ihm bedanken, denn er steht garantiert immer genau an solchen Punkten, an denen man einen Zuspruch brauchen kann. Heute auch, und wie immer freu ich mich über ihn. Welche Motivation hat der Mann? Das find ich auch noch raus, versprochen. Irgendwann erwisch ich ihn vor oder nach nem Lauf.

Ich hab mich inzwischen längst aufgegeben und laufe halt noch so vor mich hin. Die Geschwindigkeit geht vielleicht sogar noch, aber ich kann mich nimmer anstrengen. Bei km 30 überholt mich der 3:45-Mann. Kurz danach steht eine private Verpflegungsstation, die haben mindestens 40 Becher Cola eingeschenkt. Ich lauf hin und frage, ob ich vielleicht eins bekomme. Die Dame meint „nur im Notfall, das ist eigentlich privat“. Ich erkläre ihr, dass dies sogar ein ganz ganz schlimmer Notfall ist und schütte einen Becher in mich rein, bedanke mich artig und renne schnell weiter, bevor sie protestieren kann. Sorry aber das musste echt sein, hoffentlich haben die das verstanden… es hilft aber.

Bei km 32 hab ich 2:50 auf der Uhr. Das ist gar nicht mal so viel langsamer als in Ulm, keine 3 Minuten glaub ich, aber es motiviert mich trotzdem nicht, weil einfach nicht mehr viel geht. Der Puffer für sub-4 ist groß genug, und ich lauf jetzt einfach immer unter 6er-Schnitt weiter, dann passt das doch. Das ist auch machbar ohne allzu große Verluste. So hab ich genügend Luft um noch rechts und links zu schauen und den Lauf zu genießen. Es wird zäh hintenraus, keine Frage.

Wir kommen zum dritten mal beim Siegstor vorbei, diesmal am km-37-Schild. Heute morgen ist Lichtjahre her. Die Stimmung ist großartig, leider immer nur zu kurz. Das ist schon was ganz ganz Anderes als so ein Landschaftslauf mit wenig Halligalli. Gut dass man beides laufen kann.

Hinter km 39 wird es nochmal richtig zäh, denn wir laufen nun rückwärts über das Startareal in den Olymiapark hinein. Das zieht sich wie Kaugummi, und das km-40-Schild will und will nicht kommen. Mir wird doch wohl nicht noch der Sprit ausgehen? übel. Doch plötzlich taucht km 41 auf, die echte Erlösung. Hier ist nochmal ein Streckensprecher, der uns ein Stück bergab verspricht.

Das Stadion. Stimmung. Genial. Wir laufen ein langes Stück am Stadion außen vorbei, dann geht es in den Tunnel, durch das „Große Marathontor“ hinein direkt auf die Rundlaufbahn. Im Tunnel bunte Glühbirnen und Heavy-Metal-Disco. Es macht Spaß !!!


(die Bilder hab ich viel viel später gemacht, deshalb ist’s da schon so leer)

Der Einlauf in das Stadion ist wirklich gut. Als erstes sehe ich den Erdinger Stand, aber bis dahin sind es noch fast 400 Meter, denn fast eine ganze Runde darf noch gedreht werden. Ich lauf sie langsam und genieße sie. Gleich ist’s eh vorbei, und auf die Minute kommt’s jetzt auch nimmer an. Ein paar müssen noch sprinten wie die Irren, die Armen 🙂

(Quelle: ganz-münchen.de)

Mit 3:51,09 komm ich herein, das ist mir voll ok. Das muss man auch erstmal laufen. Vor 10 Jahren bin ich hier mit 4:31 mal eine geniale Bestzeit gelaufen (und vor 11 Jahren ebenfalls mit 4:45), ich find also, ich hab mich ganz gut gehalten 😉

Die Medaille ist besonders schön 🙂 und sie wird umgehängt von feschen Buam in Lederhosen, denen ich gleich sagen muss, wie schön s’ausschaun 🙂

Statistik: Platz 212/870 Frauen, Platz 44/165 AK, Platz 2189/4765 gesamt. Als Gesamtschnitt bringe ich 5:22 ins Rennen. Das ergab in Mannheim seinerzeit eine 3:48. Aber der Marathon in München hat auch laut Garfield exakt 43,0 Kilometer. Also bei 42,6 oder so sag ich ja nix, aber 43 ist schon bissle viel, oder?

Der Himmel reißt sogar ein bißchen auf, und obwohl es unter den Wärmefolien schnatterkalt ist, sitzen wir auf dem Rasen kurz in der Sonne. Mit den nassen Klamotten im Wind ist nicht gut, aber ich mag hier jetzt nicht weg, sondern warte auf Hannes. Der Ausgang aus dem Stadion erfolgt über die Tribüne, was besonders lustig anzuschauen ist.

Wir loosen noch ziemlich lange im Olympiabad herum, bevor wir heim fahren.

Achja, und aus der Rubrik: ich weiß schon alles, aber irgendwas Neues passiert bei jedem Marathon: Das ist der erste Stadtmarathon dieser Größe (und überhaupt), bei dem es nirgends Cola gab.

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5 Antworten zu München Marathon – 9.10.2011

  1. Volker schreibt:

    Hi Kati,

    schöner Bericht! Ich bin immer wieder erstaunt, was du Woche für Woche abziehst!

    LG Volker

  2. Philipp schreibt:

    War spanned Dich online und live zu stalken =)

    Glückwunsch noch mal!

    Gruß

    Philipp

  3. Jörg schreibt:

    Gratulation – ist doch für „Überleben“ einen richtig ordentliche Zeit.
    Ich bin letztes Jahr in München gelaufen – so war es eine schönen Erinnerung.
    Vom privaten Colastand habe ich auch getrunken – aber erst als ich die Cola hatte, bemerkte ich, dass es privat war. Danke an die frdl. Leute.

  4. Kati schreibt:

    hi Jörg, gut zu wissen, dass die jedes Jahr dort stehen 😉 gruß Kati

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