EBM Papst Marathon Niedernhall – 11.9.2011

www.ebmpapst-marathon.de

wie komme ich eigentlich auf die Idee, dass es sich beim EBM um einen „kleinen Lauf“ handelt ????? und wo soll ich wieder anfangen zu erzählen…

Organisatorisches: Im HM (2007 gelaufen) kommen ca. 1.100 Läufer ins Ziel. Dass es auch noch einen 10er mit genauso vielen Teilnehmern gibt, war mir nicht klar. Dazu noch Marathon, Duo Marathon (27+15), Walking, Rolli Marathon, 2 Inline-Strecken, 3 Kinderläufe… Das Programm läuft reibungslos durch, was einiges an Logistik erfordert.

hab ich was vergessen? Achja, das echt große Volksfest auf der Festwiese, säuberlich abgetrennt von der Zielverpflegung. Die Marathonmesse in der Halle mit Unterlagenausgabe, das Freibad als Bonus zu den Duschzelten, bewachte Gepäckaufpassung. Und alles scheint wie am Schnürchen zu klappen, ich bin schwer beeindruckt. – Die Meldegebühr ist mit 20 EUR (1. Welle) bis 30 EUR (Nachmeldung) nicht hoch, ein gutes Funktionsshirt und ein Veranstaltungs-sackerl mit vielen Pröbchen gibt es auch dazu. Für mich sogar alles für umme, denn ich hab bei einer Umfrage ein Freiticket gewonnen.

viel Zeit bleibt nimmer bis zum Start.

(Quelle: Heilbronner Stimme)

Hannes, Norbert und ich sind im Marathon, Birgit muss leider zugucken. Sehr ärgerlich, aber wenigstens hat sie hoffentlich gscheite Fotos gemacht 😉 Am Start um 8:30 Uhr (Aufstehen um 5 Uhr, das ist Folter) ists schon gut warm. Das Höhenprofil ist lustig. Es sieht nach Höhe aus, aber schaut Euch mal die Skala an… das kann ja eigentlich nur total flach sein. Aber Pfeifendeckel, es geht tatsächlich immer wieder rauf und runter, zwar nur leicht, aber spürbar.

Ich hab eine neue Renntaktik und die lautet, den 3:30-Pacer keinesfalls zu überholen. Das will ich sonst anfangs nämlich immer mal wieder gerne, so rein aus Nervosität und Übermut. Bei aller Zuversicht, aber wie das immer ausgeht, das wissmer ja… Bei km 3 kommt eine erste Wasserstation und danach kann ich schon nimmer zu ihm aufschließen. Er läuft ein super Tempo bis zum Schluß, während der 4:00-Mann bei km 13 ganz knapp hinter mir einen Gesamtschnitt von höchstens 5:10 auf der Uhr hat (ungefähr 5:30 wären richtig) und dann aber dermaßen einbricht, dass ich ihn nie wieder sehe, weder auf der Strecke noch im Ziel. Sag ich ja, man darf denen nicht trauen *hihi*

(Quelle: Heilbronner Stimme)

Obwohl es schon gut warm ist, finde ich den Lauf wunderschön. Bin nicht mehr so schlapp wie letzte Woche, und kann erstmal echt gut im Plan laufen. Dass es hintenraus wegen der Wärme wahrscheinlich nicht so aufgehen wird, ist mir aber schon klar. Ist ok. Das kleine Feld entzerrt sich schnell, die Leute laufen größtenteils ruhig und konzentriert, es ist sehr angenehm. Es geht auf Asphalt leicht voran und ich kann nebenher spazieren gucken. Weinberge in sanften Hügeln – die wir heute NICHT hinauf müssen, welch ein Genuss – die Vögelein pfeifen. In den paar kleinen Ortschaften ist viel los, und trotzdem wirkt alles herrlich verschlafen. Wie Hannes treffend sagt, ein richtig schöner Sonntagmorgen.

Viele nette Details am Wegesrand 😉
(Bilder Eberhard Ostertag)

Die Streckenführung ist ganz interessant: Bis km 10 laufen wir auf der HM-Strecke, dann verlassen wir sie für eine 6-km-Wende-Begegnungsstrecke, um dann bei unseren-km-16 wieder bei HM-km-10 anzukommen und dort in den Lauf einzusteigen. Der HM startet 40 Min nach uns. Beim Einstieg laufen dort grad die GANZ Schnellen – denke noch unter 1:30, denn sind noch keine Frauen in Sicht – und das ist echt schwer, da einzufädeln. Klappt aber gut, gibt auch keinen Ärger. Die nächsten 11 km laufen wir gemeinsam, bis der HM im Ziel ist, wir aber noch eine 15-km-Begegnungsstrecke dranhängen dürfen.

Diese Streckenmarkierung gefällt mir ausnehmend gut.

Bei HM-km-19 (für mich km 25) überholen mich kurz hintereinander Ralf und Volker, die sich aber nicht kennen. Tilo wird nicht gesehen. Norbert und Hannes hab ich auf der Begegnungsstrecke getroffen, der eine vor, der andere hinter mir, beide laufen im Plan. Hannes macht „nur ein Genussläufle“. Vor dem Ziel ziehen viele HM-Läufer noch einmal einen Endspurt an und ich muss gucken, dass ich mich da nicht mitreißen lasse. Gar nicht so einfach, wenn Du vorne „ZIEL“ lesen kannst. Der Marathon wird in einem extra Kanal unterm Zielbogen am Chaos vorbei geleitet, super gemacht, mit einem großen Helferaufgebot. Der Kanal ist bestimmt 200 Meter lang. Hinten wartet Volker und feuert mich nochmal an, während Ralf natürlich schon beim Bier ist. Birgit steht am Ende des Kanals in Foto-Lauerstellung:

Ist’s mir HEISS !!! Schon seit km 15 ziehen die Temperaturen mächtig an, aber hier scheint die Luft zu stehen. Durch den HM bin ich noch mit unter 1:52 gekommen, ist ziemlich ok, aber meine Beine sind immer noch etwas schwer. Inzwischen sind die Oberschenkel schon wie Blei, das ist immer noch vom APUT. Der Kreislauf allerdings ist von heute, und mit den hohen Temperaturen komm ich gar nicht klar. Mir ist klar, dass ich jetzt vom RACE Mode in den PEACE Mode umschalten muss, nochmal 15 km sind nun echt kein Pappenstiel. Eigentlich könnt ich doch auch gleich hier im Ziel bleiben, wo ich nun schonmal… nee nixda, Augen zu und durch…

(Quelle: Heilbronner Stimme)

Ab jetzt geht es quasi schattenlos immer geradeaus bis zum Wendepunkt. Der Marathon des Sables kommt mir in den Sinn und andere Halluzinationen. Verdammt ist das noch weit! Birgit läuft einen knappen Kilometer mit mir, fotografiert und gibt Renninfos, und das erinnert mich fatal an den Stromberg. Kaum ist Birgit weg, kommt mir der Marathonsieger entgegen. Unter uns, der läuft zwar irrsinnig schnell, sieht aber auch nicht mehr grad so frisch aus. Ich laufe in einen Hitzewall hinein, 25 Grad waren versprochen, mittlerweile sind es aber schon 31. Kann man nix machen, muss man sich halt anpassen.

So richtig spaßig ist es nimmer, aber dafür überholt mich nur noch hin und wieder so ein ausgeruhter Duo-Läufer, ich dafür schon öfters mal jemanden. Ein paar nette kleine Gespräche ergeben sich, viele entgegenkommende schnelle Läufer feuern mich an. Wahrscheinlich seh ich so aus als wär es dringend nötig 😉 Nein es sind einfach nur ganz wenig Frauen in dem Lauf, deshalb. Über die Strecke gibt es nicht viel zu sagen, außer dass hier echt viel zu viele Radfahrer unterwegs sind, gern in Horden. Meistens nehmen die Rücksicht, viele kapieren es aber einfach auch nicht. Es wird immer heißer und heißer, und die verbliebenen Kilometer werden gefühlt immer länger statt weniger.

Endlich der Wendepunkt, doch freuen kann ich mich nicht so recht, denn auf einmal gibt’s ein anderes Problem. Zum Glück ist genau hier ein Biergarten mit einem sehr schönen Sanitärbereich. Hier bleib ich etwas länger, lt Garmin sind ist es aber nur eineinhalb Minuten. Wir sind gerade in Künzelsau und ausgerechnet hier fehlt eine Wasserstation, während sonst die Infrastruktur an der Strecke mehr als üppig ist. An jeder Station gibt es Cola, Apfelschorrle, Iso und Wasser (Cola einmal bei km 5 und dann konsequent ab km 20 rum..) Hast Du nicht gesehen und von allem genug. – Jedenfalls nach dem Ausflug in die Kühle der Sanitäranlagen kommt gleich eine Kontrollmatte, und die Jungs sind etwas irritiert, dass ich kurz davor seitlich auflaufe, ist aber kein Problem.

Ich hab auch so leicht Miristschlecht und das ist der Kreislauf, auf den ich jetzt besonders gut aufpassen werden. Norbert ist immer noch weit vor mir, Hannes kommt auch in Sicht, dahinter Angelika. Eberhard ist ganz weit hinten und bleibt trotzdem noch stehen um mich zu fotografieren, wie nett:

Mit dem Bild werd ich jetzt sogar Covergirl bei Marathon4You 😉

Einer, der auch eigentlich viel schneller ausschaut meint „Wer ist bloß auf die blöde Idee gekommen, ausgerechnet heut nen Marathon zu laufen…“ Ich antworte „Ja und das in 3:45“ und wir müssen beide ziemlich lachen. Ich hab schon lang nicht mehr auf die Uhr geschaut, aber unter 4 ist vermutlich nicht mehr drin. Ist mir aber sowas von egal…

Bei km 36 zieht es mir kurz fast die Füße weg. Mitten auf dem Weg steht der Rettungswagen, daneben liegt ein Läufer auf dem Schragen, der gerade eingeladen werden soll. Der Notarzt ist hörbar auf dem Weg. Außenrumlaufen geht nicht und dazwischen sind vielleicht 40 cm Platz. Ich halte an, denn der andere ist wichtiger als ich. Der Sani winkt mir aber, ich soll durchlaufen weil es noch dauert. Was ich unfreiwillig sehen muss sieht sehr schlimm aus, und normalerweise schockt mich kein umgefallener Läufer mehr. An der Station gleich dahinter kann ich gar nicht weiterlaufen sondern muss mich kurz zweidrei Minuten in den Schatten setzen vor Schreck.

Den Rest der Strecke mach ich deshalb besonders kontrolliert und gleichmäßig und sammle immer wieder Männer ein, die sich dann „mal hintendranhängen“. In dem Fall gern, stört mich nicht, sind auch Nette. Nur bei km 41 kann ich mich nicht beherrschen und empfehle einem mittelalten Herrn, dass er fürs Zielfoto sein T-Shirt wieder anziehen möge „damit Du anständig aussiehst auf’m Foto“. Klar, geht mich absolut nix an, hätt ich meine Klappe besser gehalten, deshalb goscht er auch gleich, dass dafür ja wohl noch 1 km Zeit sei. MÄNNER, ich bitte Euch, lauft nicht nackig…

  Hier, endlich im Ziel mit 4:05 – geht ja grad noch, Hauptsache angekommen. Der Garmin zeigt 42,8 km. Birgit und Norbert haben auf mich gewartet, prima. Ist immer schön, so empfangen zu werden 🙂 Erstmal ganz schnell zum Erdinger Stand und in den Schatten, dann ein bißchen Stöhn und Jammer und Jägerlatein. Es gibt trockene Brötchen und Obst und sogar MÜSLI und noch ziemlich viel Getränke. Hannes kommt auch noch gut rein und ich bin froh.

Im Freibad ist es klasse, irgendwann ist mir auch nimmer schlecht und wir sehen noch den Zieleinlauf der schnellsten Inliner, die fahren 40 km/h schnell und das glaubst Du kaum. Dafür verpassen wir voll die Siegerehrung. Macht aber nix, Birgit hat meinen Preis für mich abgeräumt. Hurra eine Thermoskanne. Ich bin 2./5 in der AK, 7./14 Frauen und 84./152 gesamt, schwer ok. Wir bestellen uns noch eine Rote Wurst mit Phosphat und eine Currywurst mit Hausmachersauce und eine Portion Pommes ordentlich Schranke. Das muss sein. Habe fertig.

Nachklapp: 2 Wochen nach dem Lauf bekomme ich Post vom Orga-Team. Man bedankt sich für meine Teilnahme und schickt mir ein wirklich schönes groß ausgedrucktes Zielfoto auf Fotopapier. Und das bekommt JEDER. ich bin sprachlos.

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8 Antworten zu EBM Papst Marathon Niedernhall – 11.9.2011

  1. Birgit Kohmann schreibt:

    Ach,ist es schön diesen Bericht zu lesen.Ich konnte richtig mitfühlen.Sehr,sehr schön geschrieben:-)Bin zwar nur den HM gelaufen.Einen Marathon hätte ich gestern NIIIIIIIEEEEE geschafft.Deshalb mein aller größter Respekt.Klasse.Toll….
    Liebe Grüße Birgit

    • Kati schreibt:

      hallo Birgit, willkommen hier 🙂 und vielen Dank. „Nur“ den HM gelaufen gilt nicht, der war mindestens genauso anstrengend. Grüße, Kati

  2. schauläufer schreibt:

    Gruezi Kati,

    schau ich heute bei Marathon4you rein wegen JFM-Laufberichten, was springt mir da entgegen? Unser Zicklein. War wohl ne heiße Sache des Läufle. Ja und bei der Hitze törnt dann wohl auch ein halbnacketer Neandertealer nicht mehr an. Meine Miteroberer der Jungfrau waren ganz züchtig angezogen wie es sich für Ehrenmänner gehört. Aber ständig auf Körperkontakt laufen war bei dem Geschmäckle (mein eigener Mief eingeschlossen) auch nicht sehr erotisierend. Auch wenn manche Umfragen behaupten Frauen würden auf die männliche Naturduftnote stehen, für meinen Geschmack hat es mir zu sehr es zu sehr gebockelet. Aber es half nichts, da musste ich durch frei nach dem Hit der „Doofen“: Nimm mich mit auch wenn ich stinke…. Und ein Schweizer hinter mir hat die Sinne auf anderes gerichtet. „Luaget au uffi“ Und die Lady, die von dort auf mich herabblickte hat mir trotz der Hitze eine Gänsehaut bereitet. Ein Traum in weiß. Huch, hab ich durch meine begehrlichen Blicke der Jungfrau damit beinahe einen Heiratsantrag gemacht. Mein Herz ist doch schon vergeben

    Uff wiederluagga
    Klaus

  3. Eberhard Mauser LTG schreibt:

    Hallo Kati,
    Gratulation bei dem Wetter die Zeit – Respekt Du bist gut drauf. Und Dein Bericht ist auch pima. Was kommt denn als nächstes? Vielleicht erst mal LTG – aber nur im Dirndel. Der Heckengäulauf war auch ganz ok – unserer Versorgung war sehr gut und mit der reinen Laufzeit von 2.45 Std ud 460 HM ist das auch ok. Schöne Landschaft und viel geschichtliche Daten. Die Einladung steht für´s nächste Jahr – bis demnächst – Gruß Eberhard

    • Kati schreibt:

      hallo Eberhard, vielen Dank für die Einladung für 2012, die nehme ich auf jeden Fall sofort an 🙂 ((nur bitte nicht wieder am Datum vom EBM, denn der hat Potenzial zum Kultlauf)). Das Dirndl bleibt im Schrank bis München, aber dann gibts hoffentlich lustige Bilder ! Grüße, Kati

  4. Sabine schreibt:

    Hallo Kati!
    Toller Bericht und tolles Rennen! Bei der Hitze einen Marathon – das blieb mir bisher gottseidank erspart. (andererseits jammer ich immer, weils bei meinen Wettbewerben a…kalt ist) Und danke für Deinen Einsatz beim Hochhalten der Laufbekleidungsmoral! Ich mag sie auch nicht, die nackerten Läufer…

  5. Jens schreibt:

    tag, beim schökern mich ich auf deine seite gestossen, tja der ebm für mich immer pflicht…

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