Zermatt Ultra Marathon – 9.7.2011

hier ist mein Video vom Lauf und drumherum. Passwort gern auf Anfrage 🙂 Aber Vorsicht, ist 32 Minuten lang …

hier ist ein sehr geiles Video eines anderen Läufers. Toll wie der das mit der Guggenmusik unterlegt hat, ne super Idee (ja ich wüsste, wie das geht, hätt ich nur mal die Guggenmusik aufgenommen…). Toll geschnitten auch. Bringt den Lauf sehr gut rüber, auch wenn im Mittelteil was fehlt 😉

www.zermattmarathon.ch  besonders schön sind die Bilder aus der Runner’s World Galerie !

2011 feiert der Zermatt Marathon seine 10. Auflage, und deshalb gibt’s was Feines Kleines obendrauf: Bei km 42 biegt noch eine Ultrastrecke ab, die auf den Gornergrat hinauf führt. Die 45,7 km erscheinen vielleicht etwas mickrig (was’n’das, n’Ultra unter 50 km… *stänker*), haben es aber mit 500 Höhenmetern auf 3,5 km absolut in sich. Gebucht. Wenn ich bis zum Marathon überhaupt komme, dann schaff ich den Ultra auch noch. Oder nicht, dann geh ich halt raus. Jedenfalls will ich nicht im Marathonziel stehen und womöglich noch können, aber nicht dürfen.

Der Hannes ist auch gleich dabei, und so buchen wir schon im Juli 2010 einen der anfangs nur 500 Ultra-Plätze, die ratzfatz weg sind.

Gut. Der Start ist in St. Niklaus auf 1.000 Metern, es hat angenehme 15 Grad, das Wetter verspricht blendend zu werden. Allerdings ist Regen angesagt. Der Ultra mit ca. 700 Läufern startet um 8:25 Uhr, um 8:45 darf die Marathon-Elite, und das Marathon-Fußvolk (so um 1.200 – 1.500 Starter rum) wird um 8:50 losgelassen. Das war keine so gute Idee. Die Spitze überrollt mich schon bei km 7, und zwar so schnell, dass es mir nicht mal mehr gelingt, die zu fotografieren. Diesmal sind 5 hell und einer dunkel 😉 So irgendwann hinter km 15 wird es dann richtig übel, denn jetzt haben uns die schnellen Marathonläufer eingeholt. Die möchten vorbei, aber der Pfad ist 30 cm breit, wurzelig und steinig. Selbst mit viel gutem Willen ist es nicht ganz einfach, rücksichtsvoll zu sein – für beide Parteien. Ich versuche die Schnellen nicht zu behindern, aber alle 20 Meter anzuhalten ist auch utopisch.

Mir läuft es von Anfang an nicht gut, ich hab schwere Beine und schleppe mich halt irgendwie so dahin. Beginnt „Höhenluft“ denn schon bereits bei 1.000 Metern? Übernachtet haben wir auf 1.700 und geschlafen hab ich da sehr unruhig, das kenn ich schon. Mir schwant absolut Übles, wie soll das bloß werden… Das Höhenprofil lässt sich ziemlich genau in 2 Hälften einteilen, wovon die erste bis zum Halbmarathon in Zermatt noch echt harmlos ausschaut. Ausschaut, aber nicht ist, denn auch hier gibt es schon satte 600 Höhenmeter. Aber erst danach geht es so richtig in den Steilhang.

Bei km 12 rum zieht auch noch der Herr Neumann vorbei, offensichtlich hat er beschlossen, heut ein Rennen zu laufen. Ich versuch nicht mal dranzubleiben. Nicht unbedingt ein gutes  Zeichen, schon klar… Nicht dass ich mich mit dermaßen erfahrenen Läufern vergleichen oder gar messen wollte, aber wie er mich da stehen lässt, das macht mir schon ein wenig Sorgen. Bin ich hier vielleicht doch falsch und hab ich mich in meinem Größenwahn vielleicht doch einfach gnadenlos überschätzt?

Ich schleppe mich so bis nach Zermatt und bin ständig den schnellen Marathonläufern und den Staffeln im Weg. Der Untergrund ist wechselhaft, von der Fahrstraße bis zum Trampeltrail im Wald ist alles dabei. Zum Teil auch abschüssig am Hang, so dass man schon gut aufpassen muss. Schön zu laufen, aber nicht mit dieser Büffelherde im Nacken. Bei km 17 rum beginne ich es richtig zu hassen, es ist total stressig und macht keinen Spaß.

Wie beim Almauftrieb laufen wir dann unter Kuhglockengebimmel durch die Zermatter Bahnhofsstraße, da steppt echt der Bär. Vorbei am Festzelt, unter Moderation durch den Marathonbogen, es hat schon was… Jetzt ist endlich mehr Platz, und es stört mich auch nicht, dass so viele überholen. Klar, ein Gefühl für die Position im Feld hab ich nicht mehr, aber ist mir auch wurscht. An der Kirche riskiere ich einen Blick auf die Uhr, 2 Stunden 30 hab ich bis hierher gebraucht, das ist dramatisch langsam. Quasi worst case. Hinter Zermatt eine große Schleife, und dann geht es schon hinein in den Berg.

Jetzt kommt der erste Anstieg, 7 km lang und sieht im Höhenprofil mörderisch aus. Ich hab’s mir schlimmer vorgestellt. Es ist steil, es ist warm, aber es gibt immer wieder Schatten und der breite Waldweg ist gut zu laufen. Das Matterhorn liegt in dichtem Nebel, nur der Fuß ist zu erahnen. Sehr schnell gewinnen wir an Höhe, und ich beginne mir vorzustellen wie gigantisch es wäre, würde man das Hörnchen tatsächlich sehen. Was für eine Kulisse. Tja. Bei der VP sind einige schon echt angeschlagen, haben Krämpfe oder andere Probleme. Mir dagegen geht’s jetzt besser als vorher, ich kann ein gefühlt gleichmäßiges Tempo gehen ohne mich allzu sehr fertig zu machen. Nebenher mus ich filmen, fotografieren und die Natur genießen. Wer hier mit Scheuklappen durchrennt, dem sei sein Vorsprung von Herzen gegönnt *gg*

Oben werden 2 km flach gelaufen, das ist auf einmal ganz ganz schwer, aber ich kann mich zwingen anzulaufen, und dann geht’s irgendwann auch. Viele müssen hier schon gehen. Bei km 30 habe ich 4-Stunden-08 auf der Uhr, das passt sehr gut. Und schon sind wir bei der Sunnegga bei km 32 und – wow – nun geht’s eine Weile bergab und flach. Hier bleibe ich bestimmt 15 Minuten lang stehen, filme und genieße die Aussicht. Lasse mir von anderen zeigen, wo die Strecke hingeht. Es sind Distanzen, die mir nicht machbar erscheinen, so vom bloßen Ansehen her. Aber ich weiß, es wird gehen.

Der Hannes ist inzwischen verschollen. Nachdem er  mich am Berg nicht überholt hat, muss er das schon im flachen Teil getan haben, ich rechne nicht mehr mit ihm. So ist es auch. Schon komisch, dass wir unbemerkt aneinander vorbei gerannt sind. Das Filmen kostet zusätzlich Zeit und Energie, denn es unterbricht den Laufrhythmus. Nicht ganz einfach und ich kann nur hoffen, dass die Aufnahmen es wert sind. Nicht alles gelingt, das braucht noch viel Übung.

Die Szenerie verändert sich, es wird steiniger, alpiner und anspruchsvoller zu laufen. Man muss schon sehr konzentriert sein, und mit der Kamera krieg ich das leider nicht hin. Der Streckenabschnitt ist wunderschön, es geht ein kurzes Stück bergab zu dem kleinen See, an dem die Fotografen sitzen, danach irgendwann über Holzplanken über ein Bächlein im Geröllbett. Auf einmal tänzle und hüpfe ich über die inzwischen großen Steine wie eine Bergziege. Das muss ich mir ganz fest im Gedächtnis festhalten, das Gefühl ist sicher selten. Meine Augen (mir fehlt das räumliche Sehen) schaffen es perfekt, und das ist ein todsicheres Zeichen dafür, dass es mir gut geht, die anfängliche Schwäche ist weg. Schon ist km 38 erreicht und ich bedaure, dass es nur noch 8 km zu laufen gibt. Wir müssen anhalten, um die Gornergratbahn vorbei zu lassen.

Die Verpflegung unterwegs ist sehr unterschiedlich. Es gibt sämtliche Produkte von Power Bar, manchmal allerdings ganze Riegel soviel man möchte, andernorts nur kleingeschnipfelte Bröckchen, die schon am Teller oder aufeinander kleben und leicht eklig aussehen. So fleischrosa, immer nur die Sorte Kirsch… Gel und Banane geht bei mir nicht, bei der Bouillon bin ich auch skeptisch, also ist mein Speiseplan einseitig. Es geht, aber ein paar Stückchen Brot oder Salzstangen wären schon nett gewesen. Nach der Riffelalp wird das nächste Steilstück kommen, also muss vorher noch Futter hinein 🙂 Zeit für ein Päuschen, einen Riegel quer, ein paar Liter Cola, fürs Filmen und die Peilung der Lage. Das Wetter zieht zu und ich die Jacke an. Ganz schön frisch auf einmal. Die Guggenband hier muss umwerfend gewesen sein, leider hab ich sie nur ihre Instrumente herumtragen sehen.

Ach so ja: Dabei hab ich den Rucksack mit einer 3/4-Hose, Windjacke, Mütze und Handschuhen. Manche laufen sogar rückenfrei und haben gar nix dabei. Vielleicht haben sie Personal an der Strecke, das dann bei Bedarf Kleidung nachreicht, ich jedenfalls hab nicht vor zu frieren. Im Gebirge gibt’s für mich keine Experimente.

Was als nächstes kommt, ist schnell klar: Ein mörderischer Anstieg durch Wiesen hindurch, und oben wird es garantiert nicht flacher. Manche gehen da noch ganz flott hoch, anderen sieht man an, dass sie jeder Schritt eine unglaubliche Überwindung kostet und sie wirklich am Kämpfen sind. Ein paar fluchen auch schon *hihi* – hm was haben die erwartet? Mir geht es gut. Natürlich bin ich auch schon müde und es fällt mir schwer, aber es geht noch gut. So finde ich meine eigene Geschwindigkeit, und es ist mir herzlich egal, wer mich alles überholt. Im Zweifelsfall gehe ich davon aus, dass das eh alles die Marathonläufer sind. Unsere Startnummern sind rot, die der Marathonläufer blau, aber zu dem Zeitpunkt hab ich das noch nicht verstanden, weil es mich halt auch nicht interessiert hat.

Irgendwann sehen wir das gefürchtetste Stück vor uns: Eine extrem lange Gerade, ziemlich steil und konstant ansteigend, die sich parallel zur Bahnlinie wirklich endlos lang den Hang hinauf zieht. Es ist steiler als es auf dem Foto wirkt. Der Weg ist breit und immer noch gut laufbar, aber von unten sieht es hoffnungslos aus, und auch unterwegs erscheint es endlos. Nicht auszudenken wie es hier bei Hitze sein muss. Inzwischen ist es kalt geworden und die Jacke ist genau richtig. Bei km 40 sind wir schon durch, es kann ja nimmer sooo weit sein. Hannes hat mir gesagt, dass nach diesem Stück noch ein viel schlimmerer Anstieg kommt, und ich bin auf alles gefasst. Tatsächlich kommt noch ein Steilstück in Sicht, aber es ist nur 50 oder 100 Meter lang, das find ich gar nicht so schlimm.

Dann sehe ich das Marathonziel. Irgendwo jetzt muss die Weiche kommen. Man kann hier auch abbiegen und sich für den Marathon entscheiden. Kommt aber nicht in Frage, ich hab noch genug Kraft für das letzte Stück. Und es lohnt sich auch wirklich, denn wieder findet ein Szenenwechsel statt und wir laufen hinter die Kuppe. Dort öffnet sich ein neues Panorama, rechts von uns baut sich das Breithorn mit seinen Gletscherlandschaften auf, alles Eis und Schnee. Auf unserer Seite werden die Wege felsig und steinig, dunkles Gestein, es sieht aus wie Schiefer. Je höher ich komme, desto weniger ersichtlich ist der Weg.

(Quelle: 42zwei)

Die Kulisse ist gigantisch, wenn auch leider etwas verhangen. Auf halber Strecke beginnt es zu – hageln? Was ist das? Heftige Graupelschauer mit kleinen Körnchen, vermischt mit Regen. Das hab ich jetzt nicht gebraucht, vor allem weil ich filmen möchte. Oben kommen die charakteristischen Kugeln der Gornergratstation in Sicht, die haben dort tatsächlich ein Observatorium. Die Kilometerschilder kommen nun schon seit 43,5 in 500er-Schritten. Tatsächlich brauche ich für die 3,5 km knapp eine Stunde. Zeit und Raum sind mir egal, ich gehe einfach mein Tempo weiter und es ist mir egal, wann ich oben bin. Genieß das einfach, bald ist es eh vorbei. Alle paar Minuten sieht man einen Waggon der Gornergratbahn talwärts fahren, darin sitzen goldfolienverhüllte Gestalten. Manche Züge sind ganz still, aus anderen jubelt, schreit, singt und winkt es. Lustig.

(aufgenommen am Tag danach, nur der nackte Zielbogen steht noch)

Der Zieleinlauf ist unspektakulär, denn das Wetter hat die Zuschauer so ziemlich vertrieben. Der Moderator bringt jeden Läufer einzeln ins Ziel, bei Sonnenschein wäre es eine tolle Party. Noch schnell eine Treppe hinauf und einen Übergang hinüber, dann nochmal ein senkrechter Anstieg und da bin ich, in 7 Stunden und 15 Minuten und im hinteren Drittel. Schnell noch einen Schlussfilm, wie mir die Helferin die Medaille umhängt. Folie, Verpflegungsbeutel, alles wird korrekt mit Stempel versehen, und dann wird mir ein Finisher Shirt in Größe XXL überreicht. Das ist ärgerlich. XXL-Läufer hab ich unterwegs eigentlich keine gesehen 😉 Später find ich aber einen netten Herrn, der selbstlos mit mir tauscht.

Inzwischen regnet es, es ist wirklich kalt, sehen tut man nicht mehr viel, und ein Aufenthalt ist wenig verlockend. Mit der kleinen roten Bahn geht es jetzt zurück auf den Riffelberg, ins Ziel der Marathoner. Dort sind unsere Wechselklamotten, Duschzelte und Festivitäten. Grace und ich suchen unsere Beutel, die aussehen wie Sau. Ha es hätt geregnet, meint die Helferin. Nee ist klar, man muss die auch dann voll in den Schlamm werfen. Die Schweiz ist halt auch nicht mehr, was sie mal war. Auf das Duschzelt verzichte ich, warme trockene Klamotten an und dann so schnell wie möglich hinunter. Das wollen alle, und es ist etwas nervig, bis wir wieder im Zug sind. Die Abfahrt nach Zermatt erscheint endlos und unglaublich steil. Und das sind wir tatsächlich alles hochgelaufen?

Ich bin überrascht, wie gut es mir geht. Natürlich bin ich müde und auch froh im Ziel zu sein, aber bei weitem nicht so am Limit, wie ich erwartet hätte. Den Punkt, an dem man es einfach nur noch hinter sich bringen will, hab ich auf dem ganzen Lauf nicht erreicht. Im Vorfeld war ich sicher, dass mich der Lauf mehr fordern wird als Biel, und dass ich eher 100 flache km schaffe als so einen Bergmarathon. War aber dann gar nicht so. Wahrscheinlich ist es hilfreich, in solche Läufe mit dem nötigen Respekt zu starten 😉

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10 Antworten zu Zermatt Ultra Marathon – 9.7.2011

  1. Ingrid schreibt:

    Wie jetzt, du willst mich zappeln lassen? Obwohl ich spätnachts noch hier sitze und lesen will, wie es war? Kannstdunichtmachengell!
    *gähn*

  2. Volker schreibt:

    aber echt, ist wirklich ne FRECHHEIT 😉 !

    Gratulation auch noch mal hier!

    Gruß Volker

    • schauläufer schreibt:

      Schon mal ein netter Appetizer. Leider habe ich hier im Geschäft keinen Ton dazu:-(((
      Freue mich um so mehr auf den Hauptgang. Wir sind halt alle a bissle ungeduldig.:-)) Genieß aber erstmal deinen Sieg ausgiebig. Und gut Ding will nun mal Weile haben. Und wie wir dich kennen, präsentierst du uns mal wieder einen perfekten Bericht. So wie dein Lauf eben (Hut zieh vor dir). Nochmals Glückwunsch, Klasse gemacht.

      Grüssle Klaus

  3. Philipp schreibt:

    Ahhhh…kurz vor dem Ende aufhören….das ist ja wie… 😦

    Wir wollen mehr!

  4. Philipp schreibt:

    Ahhhh…kurz vor dem Ende aufhören….das ist ja wie… 😦

    Wir wollen mehr!

    • Ingrid schreibt:

      Philipp, so sind die Frauen halt! 😉
      Menno, ist aber echt wahr, da fiebert man mit und dann auf einmal *peng* – aber verständlich, die Kati hatte gestern nen echt schweren Tag *zwinker*!

  5. thommy schreibt:

    Hallo Kati!!!

    Erstmal grüezi und Glückwunsch,das hast du mal wieder höchst genial gemeistert!!!!

    Bin gespannt aufs Finale!;-)

    Gruß,thommy

  6. Volker schreibt:

    Klasse Bericht, Kati!

    Gruß Volker

  7. Jolly Jumper schreibt:

    Und du sag nochmal, du könntest keine Berge! Super gemacht und danke für den Bericht!

  8. Philipp schreibt:

    toller Bericht!

    PS: wehe Du spielst künftig in Deine Videos 32 Min Guggenmusik ein!!!

    PPS: Bin für PWs immer sehr empfänglich!

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