lesen statt laufen (14) – Siri Hustvedt: Der Sommer ohne Männer

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Who the f… ist Siri Hustvedt? Und was mich wohl an diesem Titel interessiert hat? Klingt doch echt nach seichtem Frauenroman…

Falsch, ganz falsch. Siri Hustvedt ist die Frau von – na? – Paul Auster. Das allein genügt, denn natürlich will ich wissen, ob sie tatsächlich eine ernst zu nehmende Autorin ist, oder nur im Glanz ihres Gatten publiziert. Sehr erfreulich: Sie IST. Und nein: Sie schreibt auch nicht dasselbe wie er… (doch, warte, da gibt es einen winzigen Handlungsstrang oder war’s ein Charakteristikum, das so in „Invisible“ auch vorkommt. Aber mehr als Inspiration denn als Kopie, und wer von wem ist auch nicht klar.)

Eigentlich müsste der Titel heißen: DAS BUCH ohne Männer… denn Männer kommen quasi nur als statische Figuren ohne Dialoge vor. Ein paar Ärzte, so am Rande, der abtrünnige Gatte, nur per mail, und der anonyme Stalker, der zwar intelligent, aber ja vielleicht auch eine Frau sein könnte.

Tatsächlich, ein Frauenbuch. Aber kein seichtes. Mia, in Ich-Erzählweise, erholt sich auf dem Gelände des Altersheims ihrer Mutter vom Nervenzusammenbruch, den das Verlassen-werden nach 30jähriger Ehe verursacht hat. Um die Zeit totzuschlagen, leitet sie einen literarischen Ferienkurs mit sechs pubertierenden Mädchen. Nachbars-an randaliert noch der meist betrunkene und überforderte Familienvater, so dass dem Rest der Flodder-Familie auch noch beigestanden wird. Ein ganz entzückendes Szenario. Dass dabei noch was rauskommen kann, was interessant zu lesen ist, ist schon bemerkenswert.

Mia reflektiert also ohne Punkt und Komma (Zitat in etwa: „Chronologie wird überbewertet“) über sämtliche frauenrelevanten Themen jegliches Alter betreffend, denn das bietet sich an. Und das ist – obwohl ich persönlich mich von keinem dieser Themen jetzt direkt angesprochen fühle – tatsächlich total spannend. Spannend, weil intelligent.

Ein tolles Buch für Frauen und Frauenversteher (ob die das aber wirklich verstehen?) aber tatsächlich keine Strandlektüre und auch nur bedingt aufmunternd. Extrem gut gelungen sind die Kontraste zwischen ernsten bis intellektuellen Szenarien und betont als Stilmittel eingesetzt extrem flapsiger Ausdrucksweise, jeweils exakt an der richtigen Position eingestreut. Brüller garantiert. Ihre restlichen Bücher werde ich in 15 Jahren lesen.

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