Ulmer Laufnacht – 1.7.2011

www.ulmer-laufnacht.de


(Video 2010: vom Veranstalter)

live tracking        HIER


mein Film von 2011 😉 PW bei Interesse anfragen

Start Freitag 23 Uhr. Hab mich so auf einen Lauf durch die laue Sommernacht gefreut, doch irgendwie will das heuer nix werden. Nein, es regnet nicht, aber am Start hat es Temperaturen wie im tiefsten Winter. Das glaubst Du gar nicht, WIE kalt es im Juli nachts werden kann? Die Temperaturen liegen bereits unter 10 Grad. Carmen hat im Radio was von „Bodenfrost in höheren Lagen“ gehört – zum Glück kommen wir da nicht hin…

Und so erlebe ich die Ulmer Laufnacht ganz ganz anders als 2010, als es am Start um 23 Uhr noch 28 Grad hatte, obwohl eigentlich dasselbe stattfindet. Doch kaum Zuschauer an der Strecke, keine wilde Party im Schrebergarten, und erst bei km 25 bietet mir einer das erste Bier an.

Das Feuerwerk am Start ist richtig toll, die Stimmung gigantisch gut, der Lindwurm mit seinen vielen kleinen Lichtchen schlängelt sich aus Blaustein hinaus, das ist schon alles sehr sehr schön. Doch dann ist man schnell auf sich allein gestellt. Norbert zieht auch schon vorbei. Die erste VP kommt hinter km 10, dort wartet Stefanus mit dem Rad auf mich, der mich bei km 20 in der Staffel ablöst und jetzt erstmal mitradelt. Ist aber noch ein bißchen zu eng auf der Strecke, so dass wir uns auch nicht groß unterhalten können. Der Frauenanteil ist mal wieder niedrig.

Die Feldwege sind nicht ganz einfach zu laufen und man muss schon genau aufpassen, wo man hintritt, aber meine Funzel leuchtet prima. So ist der Wechselpunkt im Erbacher Stadion bei km 20 schnell erreicht, einen Schnitt von 5:54 hab ich da auf der Uhr. Für die vielen kleinen Pausen, die ziemlich lange Steigung und das unwegsame Gelände echt ok, da kann die Staffel nicht meckern. Tut sie auch nicht, denn der dritte Läufer wird beim Wechsel im Donaustadion gar nicht bereit stehen, und somit ist das Team eh geplatzt. Auf die Ausrede bin ich gespannt? ((er hatte Auto))

Eine Weile bin ich mit der Startnummer 131 unterwegs, er läuft seinen ersten 100er, ist aber für mein Gefühl viel zu schnell unterwegs. Wir treffen uns bis zur Wechselzone immer mal wieder, dann bin ich weg 😉 Ich bin wirklich froh, dass ich heut keine 100 laufen muss 😉 so kann ich laufen, ohne auf viele kleine Details achten zu müssen.

Stefanus verschwindet zügig in die Nacht und ich mach erstmal ein ausgedehntes Vesperpäuschen. Die Station ist üppig beladen, es gibt sogar SCHOKOLADE und ich kann mich gar nicht so recht entscheiden. Da es bei 50 km noch nicht so wirklich auf die vorsichtige Ernährung ankommt, esse ich einfach alles worauf ich Lust habe 😉 das dauert etwas länger… Doch weiter geht es hurtig in die Nacht, denn schon biste ausgekühlt. Eigentlich wär ich ja jetzt fertig, aber irgendwie muss ich ja nach Blaustein zurück kommen, und der Shuttle fährt eben ab Donaustadion. So ein Pech aber auch 😉

Hinter dem Wechselpunkt wird es schon echt einsam und mir total mulmig, und ich häng mich an den nächsten Läufer mit Radbegleitung, der mir aber viel zu schnell ist. Als er dann noch was von Marathon-2:40 und aktuell gelaufenem 5:20er-Schnitt erzählt… Was ist jetzt das größere Übel? Zum Glück tauchen vorne und hinten immer wieder andere beleuchtete Menschen auf, wenn auch in großen Abständen. Auch die Streckenmarkierung ist perfekt und weithin sichtbar, keine Gefahr sich zu verlaufen. Sehr viele Streckenposten sind im Einsatz. Trotzdem gefällt mir das ÜBERHAUPT nicht.

Ab km 25 muss ich mit den Folgen einer echten Anfänger-Fehlentscheidung zurecht kommen: Man geht nicht zu so einem Lauf mit Schuhen, die man EIGENTLICH nicht leiden kann, weil sie EIGENTLICH bei jedem längeren Lauf Probleme gemacht haben – und jetzt dringend mal runtergelatscht werden müssen. Selbst schuld. Zwischendrin schaue ich tatsächlich mal nach, ob die Sohlen noch drauf sind. Das fühlt sich an, als würd sich alles auflösen, und als sei die Dämpfung komplett runter getreten – kann ja nicht sein bei noch nichtmal 400 Kilometern. Schöner Mist. Jeder Schritt tut weh, und das müsste ja gar nicht sein.

Die Distanz stellt kein weiteres Problem dar, schnell ist km 30 erreicht, und ich fühl mich echt noch gut, wenn die Füße halt nicht so elend weh täten. Das zieht schon langsam weiter nach oben. In der Nierengegend hätte ich auch gern etwas mehr an, ist doch alles schon ziemlich nass und kalt und eklig. Aber cool bleiben und abwarten.

Die VPs sind nicht einheitlich ausgestattet. Bei km 25 gibt’s Salzstangen, bei km 35 richtige Käsebrötchen, manchmal sind aber auch die Riegel schon knapp und der warme Tee aus. Mir ists egal, aber die 100er können da schon Probleme kriegen. An einigen Posten wird das Sortiment aus dem eigenen Kühlschrank erweitert 😉 und die Helfer sind trotz der Kälte überall gut drauf.

Mir ist die Infrastruktur nicht so wichtig, da es nicht um eine Zielzeit geht und die Distanz überschaubar ist. Wo bleiben eigentlich Günni und Marlies? Ich fange an, an den VPs Nachrichten für sie zu hinterlassen, nämlich überall dieselbe: Dass ich eine Stunde vor ihnen bin *gg*. Klappt auch gut, denn Günter ist keine 5 Minuten hinter mir und überholt mich dann auch bald. Marlies hat schon was abreißen lassen müssen. Bei km 41 geht es durch das Kloster Wiblingen, da muss ich mich bisschen länger aufhalten und filmen, weil es so schön ist. Ist auch nicht viel los, und die Helfer haben Zeit für ein Schwätzchen.

Aus der Zivilisation geht es ZACK zurück in den finsteren Wald, volle Keule, und hier hab ich mal richtig Muffensausen, weil ich nämlich dummerweise allein auf weiter Flur bin. Leichte Beute für Räuber Hotzenplotz und den Wilden Eber. Ich will nach Hause! In der Tat weist der Garfield für den kommenden Streckenabschnitt eine gewisse Beschleunigung auf, aber die letzten 10 km sind ja sowieso meine. An der Kehre über die Donau seh ich ein paar Meter hinter mir Licht und kann das Tempo dann auch so halten, dass die Gruppe von Radlern und Läufern nur langsam näher kommt und ich mich etwas sicherer fühle.


(so abwechslungsreich und interessant wie die letzten Bilder war’s dann auch unterwegs)

Trotzdem bin ich heilfroh, dass es bei km 47 und der letzten VP (dürftig aber freundlich) endlich in die Stadt hinein geht. Weiter laufen wir an der Donau entlang – jetzt ist sie wieder rechts – das Ulmer Münster kommt gespenstisch schemenhaft in Sicht, und es kann ja nicht mehr weit sein. Leider ist auch der Zieleinlauf ins Stadion enttäuschend. War hier im letzten Jahr die große Party mit Jubel und Geschrei, so ist diesmal nichtmal ein Zielbogen aufgestellt, keine Uhr die mitläuft, kein Sprecher, kein Empfang, nur eine einsame Kontrollmatte am Boden. So vergesse ich auch gleich mal abzustoppen, kann aber anhand des letzten Kilometers eine Zeit von 5:32 ermitteln. Quasi Punktlandung, ich wollt ja eigentlich nur unter 6 Stunden, und 5:30 wär das „best case“ Ergebnis gewesen, Filmerei und Trödeln schon mit eingerechnet. Ist voll ok. Ein paar zähneklappernde Läufer stehen herum, die Verpflegung ist auch schon ziemlich dünn – und dabei müssen doch mehr als die Hälfte aller Läufer noch unterwegs sein. Naja. Immerhin bekomme ich eine Medaille, obwohl mir die als Staffelläufer gar nicht zusteht 🙂

Aus dem Dunkel kommt der Günni, der Knie hat und keine Lust zum Weiterlaufen. Kurz darauf kommt Marlies hereingesprintet, die wegen Magen-Darm nicht weiter kann. Stefanus erzählt mir, dass der Dritte Mann nicht aufgetaucht ist. Carmen läuft weiter. Dieter ist längst durch, er ist schon um 19 Uhr mit den Walkern gestartet. Inzwischen dämmert es schon, ist aber immer noch arschkalt. Birgit ist noch eine Weile unterwegs. Schnell im Stadion trockene Klamotten angezogen und mit dem Shuttle in die Halle zurück, dort 2 Stunden Koma auf der miefeligen Turnmatte und dann fährt uns Norbert alle wieder heim 🙂

und hier noch der Trailer 2011, ebenfalls vom Veranstalter

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4 Antworten zu Ulmer Laufnacht – 1.7.2011

  1. Volker schreibt:

    Hi Kati,

    danke für den ausführlichen Bericht. Es ist Juli und bei uns muss man sich fast Winterklamotten anziehen, schöne Miste!
    Schade für Marlies und Günter……
    Meine Sache ist die Nachtlauferei sicher auch nicht, um 23 Uhr schlafe ich normalerweise schon;-)

    Jetzt erhole dich erst mal gut bis nächstes Wochenende!

    Gruß Volker

  2. Philipp schreibt:

    Ja – echt schade, dass Ulm bei flbw nicht richtig zünden wollte! Und wenn jemand bei der Staffel fehlt…doof.
    Wie Volker geschieben hat – Du hast ja noch was zum fruen/vorbereiten 😉

    Alles Gute un Grüßle

    Philipp

    PS:Nora hat mir gerade erst von den Schuhen berichtet – 1000Dank. Heute wollten schon 2 Kinder gleichzeitig wandern gehen 😉

    PPS: Freue mich über das PW für das Video von Ulm

    • Schauläufer schreibt:

      Hallo Kati,

      hoffe deinen Füße haben sich nicht genauso aufgelöst und ausgelatscht wie deine Schlappen. Also der im Trailer gezeigte Start bei Nacht das hat schon was, aber dann. Ich als Schauläufer möchte halt auch was sehen von der Umgebung (außerdem bi i a bissle nachttblind). Würde mich freuen wenn du mir ein PW schickst für dein Privatfilmle.

      Grüsssle Klaus
      momentan Berglaufsüchtig.

  3. Thomas König schreibt:

    Hallo Kati, hier ist die „131“, muss dir Recht geben mit dem Tempo, hat aber mit viel willenskraft doch noch geklappt. Probleme wie Magen-Darm und Knie hat ich ab Km 45 und ab 70, hat mich echt zurückgeworfen. bin ab km 80 jedes gefälle rückwärts gelaufen. trotzdem wars schön anzukommen. Grüße Thomas

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