Mittelrhein Marathon Koblenz – 28.5.2011

 

www.mittelrhein-marathon.de

„Du Vollpfosten!!! Man kann nicht 2 Wochen nach einem 6-Stunden-Lauf zu einem Marathon gehen und meinen, dass man da ne Bestzeit laufen kann! Und ICH muss mir nachher wieder das Gejammer anhören.“

Ok. Mein Alter Ego scheint recht zu haben, wie meistens. Nur Gejammer gibt es keins. Der Lauf war ähnlich desaströs wie Kandel, aber da an der Strecke echt ordentlich HalliGalli war, war es trotzdem noch ziemlich lustig alles. Auch im Ziel musste ich noch grinsen: Seit über einer Stunde nicht mehr auf die Uhr geschaut, und dann mit 4:07 sauber an meiner klassischen 4:08 vorbei. So wie ich die letzten 12 km geschlichen bin, war das echt noch gut.


(Vorsicht, Film ist mit Geräusch verbunden)

Das Haus verlasse ich morgens um 9 Uhr, um dann nach Koblenz erstmal eine Stunde im Stau zu verbringen. Dann beginnt der Marathon der langen Wege: Geparkt wird auf einem Uni-Parkplatz etwas weiter draußen, von dort fährt ein Shuttlebus zum Bahnhof. Wo gerade die Anti-AKW-Demo stattfindet. Ziemlich skurrile Mischung, die Läufer in Funktions-Neon und die Demonstranten vorwiegend tatsächlich noch in 80er-Jahre-Öko gewandet. Alle Klischees sind erfüllt. Auch ganz hippiemäßige Musikinstrumente sind zu sehen. Ein Neongrünbestrumpfter schlägt vor, sie an die Strecke einzuladen *gg*

Jetzt ein etwas zäher Fußmarsch von 20 – 25 Minuten zur Marathonmesse. An der Startnummernausgabe erklärt mir ein freundlicher Herr, dass der Marathon heuer „wegen der Baustelle“ nur 38 km hat. Aber es sei trotzdem ein Marathon, kein Problem. Bevor ich einen Stimmungsverlust erleiden kann, erklärt ein anderer Helfer, dass die 38 km nur die Inliner betreffen. Die Helfer sind alle auffallend freundlich, aber nicht aufgesetzt. Dass der Rheinländer an sich sich vom Schwaben unterscheidet, das wissemer ja schon. Auch der Dialekt ist lustig, am Anfang verstehen wir uns gar nicht.

Im Startsäckel ist neben einem jägergrünen Funktionsshirt noch ein Paket von Erdinger, Glas und Flasche, das muss ich jetzt mitschleppen. Das Glas hat einen Marathonaufdruck 😉 Der Weg zum Bahnhof wird verdammt lang. Die Sonne knallt rein, und der Bändel vom Startbeutel reißt ab. Bei anderen auch. So richtig ausgeschildert ist es auch nicht, und es ist keineswegs so, dass sich da Menschenströme bewegen. Ich hänge mich an einen Eingeborenen. Um 15:13 Uhr fährt mein Zug. Jetzt wär eigentlich Zeit für das Erdinger? Im Startareal angekommen bleiben fast noch 2 Stunden bis zum Start. Schon wieder herumhängen, das ist etwas zäh auf die Dauer. Es hat mehr als 25 Grad, die Sonne knallt noch mehr herunter, aber es geht ein netter Wind. Der natürlich nachher von vorne kommen wird, ist klar.

Man unterhält sich, alles ganz entspannt. Die Läufer verteilen sich in einen kleinen Park, an dessen Ende die Kleiderabgabe ist, langsam füllt es sich. Auch Getränke gibt es dort. Aber zu wenig Dixies. Kurz vor dem Start keine Chance mehr.

Normalerweise führt der Marathon 42 km lang den Rhein entlang, in Flussrichtung, bis ans Deutsche Eck – dort fließt die Mosel in den Rhein. Es sei ein recht ansprechender Zieleinlauf, erzählt mir einer. Heute jedoch ist das Ziel weiter unten, wegen der Bundesgartenschau. Und wegen „der Baustelle“ ist der Start nach Boppard verlegt. Von dort aus laufen wir zuerst 10,5 km den Rhein hinauf, dann wieder 10,5 hinunter, um dann beim Halbmarathon wieder über die Startlinie zu laufen, und dann geht es hinunter nach Koblenz. Oder hinauf, jedenfalls in Fließrichtung, durch das Weltkulturerbe und so.


(Foto 2: Runners World)

Endlich der Start. Ich laufe mein normales Anfangstempo los, fühlt sich richtig an. Nach 3 Kilometern setzt sich eine Radlerin an meine Seite, mit einem Fähnchen. Sie gibt über Funk meine Startnummer durch und sagt „Hopp Kati, Tempo halten…“ Ich frag, ob irgendwas nicht in Ordnung ist (ich hab nix gemacht ey). „Nee, Du bist die dritte Frau im Rennen.“ Ich muss so lachen… Auf der Uhr sehe ich, dass ich tatsächlich grad auf dem Weg zu einer neuen 10-km-Bestzeit bin und nehme gleich mal ordentlich Stoff raus. Die Radlerin ist total nett und will mich echt anfeuern, aber ich erklär ihr gleich mal, dass ich maximal 3:50 laufen werde, und dass man damit nicht dritte Frau in einem Marathon wird. Tatsächlich lande ich hinterher auf Platz 23/76 und Platz 4 in der AK, die mit 3:56 gewonnen wird (hätte – wäre – wenn…). Den Gesamtsieg holt übrigens Regina Vielmeier aus Oberkollbach mit 3:09. Der Günter hat mir noch erzählt dass sie hier läuft, ich sehe sie sogar, und nach dem Rennen auch noch, aber ich habs nicht geblickt.

Naja. Erst läuft es super und ich bin wieder mal voll im Plan. Aber dann werden ab km 13 plötzlich die Beine so schwer. Schmiden lässt grüßen. Es ist dasselbe wie in Kandel, aber diesmal wundert es mich nicht, ich weiß ja, woher es kommt. Bis km 15 lauf ich noch weiter, aber es bleibt wie es ist. Also schalte ich vom RACE mode in den PEACE mode und mache mir nix draus. Netter Trainingslauf, genieß die Atmosphäre. Quälen bringt nix, außerdem hab ich ehrlich keine Kraft. Weiß nicht ob Ihr das kennt: Manchmal ist Quälen ok, manchmal aber nur ne Quälerei. Darauf hatte ich keine Lust.

(Foto: Runners World)

So ab dem Halbmarathon beginnt dann der Spaß: Die Zuschauer. Zwar waren auch vorher schon einige an der Strecke, aber jetzt durchlaufen wir vermehrt kleine Ortschaften, in denen die Leute straßenfestmäßig draußen sitzen und uns anfeuern. Der allgegenwärtige Grillgeruch – nunja.. Mein neues KATI-Shirt bewährt sich, ich werd angefeuert wie verrückt und fast jeder schreit meinen Namen. Manchmal skandieren ganze Chöre, es ist so lustig. Die zwei kurzen Silben eignen sich ganz hervorragend, das erfasst und schreit jeder sofort, das wäre bei Hil-de-gard oder Mi-cha-e-la sicher anders. Ehrenwort ich hab heut Muskelkater im rechten Arm vom Zurückwinken. Ist aber lustig. In einigen Ortsdurchfahrten sind Streckensprecher positioniert, und wirklich jeder von ihnen hätte das Zeug zum Moderator (oder vielleicht sind die auch alle vom Radio?). Sprüche werden da abgelassen, da fällt mir teils keine Entgegnung mehr ein. Bei km 29 wird außerplanmäßig eiskalte Cola ausgeschenkt, da verweil ich mal ein bißchen und höre zu. Auch den Zuschauern fällt viel Nettes ein, allerdings gibt es auch Gruppierungen mit stark übersteuertem Alkoholspiegel, da artet das Anfeuern dann schon in leichte Pöbelei aus, das macht dann nicht so richtig Freude.

Dazwischen immer wieder sehr zähe Streckenabschnitte. Das Bild verändert sich überhaupt nicht: Rechts ein grüner Berg, links ein grüner Berg, in der Mitte der Rhein und links vom Rhein wir auf der gesperrten Straße. Breit genug, das Feld hat sich schon bei km 3 total entzerrt, sind auch nur 500 Starter. Die Wärme lässt zum Glück auch irgendwann nach, doch jetzt kommt die tatsächliche Plage: Die Mücken. Marathon mit Fleischbeilage. Wer frisst wen? SO eklig. übrigens auch die Geräusche der Mitläufer, vorwiegend der männlichen, muss es echt sagen. brrrrr… aus diesem Grund würd ich diesen Lauf nicht nochmal machen.


Hier ist ein ganz nettes Stimmungsvideo, bei Maxfun.de gefunden. Es zeigt vorwiegend die erste Streckenhälfte, gibt aber einen ganz guten Gesamteindruck. Bei 28 sec bin ich kurz im Bild, unten rechts 😉

Wir laufen auch direkt an einer Bahnlinie (war das eigentlich von Beginn an so?) und alle paar Minuten kommt nun ein hässlicher, lauter, stinkender Güterzug vorbei. Nicht so wirklich romantisch? Ich will nicht meckern, die Kulisse hat schon was. Immer wieder tauchen Burgen auf und es tun sich schon sehr schöne Blicke auf. Der Lauf gilt offiziell als der zweitschönste Landschaftslauf in Deutschland, nach dem Rennsteig. So ganz kann ich das nicht nachvollziehen, es ist schon recht apart, aber bietet etwas zu wenig Abwechslung und für meinen Geschmack keine unvergesslichen Eindrücke. Es hat sogar eher schon was von Grüne Hölle. (Übrigens fand ich auch den Rennsteig damals nicht wirklich überwältigend, das könnte aber auch am Nebel gelegen haben.)

Endlich bin ich im Ziel. Die Zeit ist mir schon ein bißchen lang geworden, ist immer so, wenn es einem nicht läuft. Beginne schon seit einer Weile über die Heimfahrt nachzudenken. Für die Zielverpflegung hab ich wenig Zeit, mir ists auch nicht wirklich nach was, außer Riegel und Obst seh ich auch nix. Schnell ein halbes Erdinger, den Kleiderbeutel abholen und jetzt…. den Shuttlebus suchen… Gestaltet sich als schwierig, nur ein einziges Schild und danach leiten mich 3 Befragte in Serie ins Nirvana. Bis ich den Bus gefunden hab, bin ich echt gep…t. Hätt man echt besser machen können. Den Plan in den Startunterlagen hab ich vorher gelesen, hat mir aber nix genützt. Über die 2,5 Stunden Heimfahrt breite ich Schweigen, ist besser so. Um 1 Uhr bin ich zuhause.

Ob ich den Lauf empfehlen würde? Mit Sicherheit JA, aber nur, wenn man ohnehin dort in der Nähe ist. Wer in Koblenz wohnt und ihn rauslässt, der ist selber schuld 😉

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6 Antworten zu Mittelrhein Marathon Koblenz – 28.5.2011

  1. Volker schreibt:

    Also, kannst schreiben was du willst, ich finde geil in 2 Tagen, 2 solche WK durchzustehen! Das war eben ein 6h-Lauf mit Unterbrechung und gaaaanz viel Autofahrer dazwischen!

    Klasse!

    Gruß Volker

    • Kati schreibt:

      hi Volker, DANKE 🙂 alle außer Dir finden mich total bekloppt und ich seh viele wackelnde Zeigefinger. Auch sehr nett dass Du einfach davon ausgehst, dass es heute gut ging, mir wurde schon von der Klapsmühle bis zum Herztod alles mögliche prophezeit. Aber zuw Wiederholung regt mich das unfeiwillige Experiment nu auch nicht unbedingt an. Mal ehrlich, war n echter Schlauch 🙂

      • Ingrid schreibt:

        *G* eigentlich biste echt bekloppt, aber was willste mehr nach einer Woche Regeneration? Regenier weniger und verteil die Wettkämpfe besser, dann biste vom Herztod weit entfernt….. 😉
        Trotzdem: herzlichen Glückwunsch! Und nen Gruß an die Beine 😉
        Ingrid, heute megafaul auf ner 40er Feier gewesen

      • Volker schreibt:

        Die Ergebnisse vom Stuttgart Lauf hatte ich schon in Lauftreff.de entdeckt 😉

        Davon abgesehen war mir klar das du das schaffst! Als Vorbereitung für irgendeinen Etappenlauf oder einen langen Ultra ist es doch „fast“ ideal, mal von der blöden Autofahrerei abgesehen.

        Erhole dich gut!

        Gruß Volker (Stuttgartlaufverweigerer)

  2. Günter schreibt:

    Hi Kati, mach nur weiter so…ist n gutes Training für Biel..hihi
    Wenn du mal wirklich ne Bestzeit laufen willst mußt de halt was ändern.
    Grüßle Gü

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