lesen statt laufen (9) – Nathaniel Hawthorne: Das Haus mit den sieben Giebeln

direkt bei Amazon: Das Haus mit den sieben Giebeln: Roman

echt abgefahren: zu dem Buch gibt es die unterschiedlichsten Inhaltsangaben mit diversen Interpretationen und Schwerpunktvergaben. Einmal ist – ich zitiere – das Haus selbst die Hauptfigur, der Romanheld (würde ja zumindest dem Titel nach Sinn machen). Ein andermal steht die amerikanische Hexenverfolgung als moralisches Oberthema im Vordergrund (??? – wär ja auch mal interessant, weiß ich auch zu wenig drüber). Bei der dritten symbolisiert das Haus den Verfall der Dynastie seiner Bewohner über die Jahrhunderte hinweg. HALT… hier haben wir eins der zentralen Themen von Thomas Mann und wem würden hier nicht sofort die Buddenbrooks Buddenbrooks: Verfall einer Familie. Roman einfallen (nebst Untertitel: Verfall einer Familie) …

Sehr schön, genau meins 😉 Also ein spannender Generationenroman mit über 500 Seiten und auf amerikanisch, von einem der nennenswertesten frühen amerikanischen Autoren. Nathaniel Hawthorne (1804 – 1864), was für ein absolut wohlklingender Name, das allein wär schon ein Grund… Ich steht total auf solche Klassiker, nicht zuletzt schließen sie Bildungslücken und wirken beruhigend auf das verwahrlosende Sprachgefühl.

Kürzen wir das ab: Dieser hier hat bestenfalls mein Schlafdefizit ausgeglichen. Im ganzen Roman kamen 4,5 lebendige Personen der Dynastie zu Wort, und an nur zwei bereits verstorbene kann ich mich erinnern. Generationenroman? ist was anderes. Spannende Verflechtungen etc? Da muss ich wohl grad geschlafen haben. Die Charaktere alle nicht nach meinem Geschmack, und bis auf die neurotische Jungfer so wenig ausgearbeitet, dass sogar nahezu profillos. Die Handlung … WELCHE  HANDLUNG ? Der Autor schreibt so dahin, um gelegentlich so alle 50 Seiten mal eine gelungene Formulierung zu präsentieren, auf die er aber arg stolz ist und die dann aufdringlich so im Raum stehen bleibt. Die Psychologie von Hühnern interessiert mich übrigens auch nicht. Alle Themen bleiben an der Oberfläche, manchmal blitzt etwas auf, was interessant sein könnte, um dann aber sofort im Staub zu versickern.

Das Haus spielt keine Hauptrolle – außer dass XY in einem der Giebel wohnt, erfährt man kaum etwas darüber. Und die Hexenverfolgung? Ja, doch, die hat mal stattgefunden und damit einen Grundstein für die Geschichte gelegt, der auf den letzten Seiten dann wieder aufgenommen wird. Wie sich dort plötzlich sehr suspekt alles entwirrt was zuvor mühevoll verwirrt wirken wollte, und schnell und schlampig noch ein waschecht überzogenes Happy End herbeigenudelt wird, das echt störend unglaubwürdig aufwartet. Hat da vielleicht der Verleger gesagt, ohne druck ich’s nicht?

Komisch. Definitiv Literatur mit Verfallsdatum. Grunzlangweilig zu lesen. Herr Hawthorne hätte seinerzeit vielleicht von einem ausführlicher Briefwechsel mit Herrn Fontane profitieren können. Den kann man nämlich heute noch mit großem Entzücken konsumieren, auch wenn Geschichten inzwischen andere Plots haben, und unsereins die Gedankengänge der Effi Effi Briest. Roman. nicht mehr so recht spannend findet. Dafür ist es aber ganz große Literatur, gell, so schön, dass ich Sätze und ganze Seiten mehrfach lesen muss.

Fazit: lesen oder laufen? in dem Fall sogar walken…

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