lesen statt laufen (7) – Haruki Murakami: IQ84

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Ein wunderbarer Wälzer, aber man muss Murakami mögen. Diesmal kommen keine Brunnen vor, und auch das Schafmotiv, das zuerst hellhörig werden lässt, wird nicht weiter verfolgt.

Eine unglaublich spannende Geschichte, wie immer fantastisch erzählt, die an zwei Strängen beginnt, die sich nach und nach zusammen fügen. Das Geniale daran: so ab zwei Dritteln meine ich zu wissen, wie die Sache ausgehen wird, es formen sich Bilder im Kopf. Allerdings habe ich schon genug Murakami gelesen, dass ich darauf nicht mehr hereinfalle. Ich weiß, es wird alles ganz anders kommen. Aber wieviele Wenden es noch gibt, bleibt bis zum letzten Satz offen.

Am Ende gehen die Seiten einige Kapitel vor dem Schluß aus. Viele Fragen bleiben offen, viele Entwicklungen werden nicht konsequent aufgelöst. Das ist aber kein Mangel, sondern wird bei aufmerksamem Lesen bereits vorweggenommen in einer Passage, in der der Protagonist darüber filosofiert, dass Bücher dann gelungen sind, wenn sie unterhaltend und spannend sind, und dass vermeintliche Lücken im Plot dann gar keine sind. Faule Ausrede oder genialer Schachzug? Spätestens hier hätte man gewarnt sein sollen. Solche feinen Formulierungen erscheinen bei Murakami immer irgendwo am Rand, man sollte aber besser nicht den Fehler machen, sie zu überlesen.

Murakami ist der einzige Autor bei dem ich bereit bin, Handlungsstränge zu akzeptieren, die sich mit Übersinnlichem beschäftigen, die nach meinem Weltverständnis völlig unrealistisch sind, und die ich sonst kategorisch ablehne.

Also, wer das Buch gelesen hat oder lesen möchte, der möge mir kurz mitteilen, ob sie geschossen hat oder nicht 😉 Ich kann mich nicht entscheiden.

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4 Antworten zu lesen statt laufen (7) – Haruki Murakami: IQ84

  1. Sabine schreibt:

    Murakami ist der einzige Autor bei dem ich bereit bin, mich durch solche Wälzer durchzuackern… – okay, fast der einzige. Der Fasteinzige sozusagen. 🙂

  2. Kati schreibt:

    und? hat sie geschossen oder nicht?

  3. Ingrid schreibt:

    Hi Kati,
    ich find deine Buchrezensionen immer sehr interessant! Leider sind die Bücher nicht so ganz mein Metier, ich liebe leichte seichte Sachen 🙂 die man abends im Bett lesen kann ohne schlaflose Nächte zu haben!
    Kennst du die Kluftinger-Allgäu-Krimis? Ne? Sag mal, wann haste Geburtstag?
    Warum steigst du eigentlich nicht auf Hörbücher um – dann könntest du „lesen“ und laufen gleichzeitig!
    LG Ingrid

  4. Kati schreibt:

    hi Ingrid 🙂 Kluftinger hab ich 2 gelesen, es waren mir aber zuviele schwäbische Stereotypen drin, ich fühlte mich in meiner soliden schwäbischen Identität irgendwie echt verarscht. So geht es mir auch, wenn ich Bienzle sehe oder schwäbische „Comedians“ hören muss *uuuaaahhh*. Dann empfehle ich Dir herzlich die Eifel-Krimis von Jacques Berndorf. – Hörbücher beim Laufen hab ich probiert, aber das Problem ist, sobald es interessant wird, laufe ich dann nicht mehr sondern bleibe stehen (ohne es zu merken). Kein Witz. Außerdem kann ich mich nicht drauf konzentrieren, solange das Hören von visuellen Eindrücken überschattet wird. Andersherum kann ich beim Lesen das Gehör völlig abschalten.

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